Gutachterin sieht Verwendung des Gendersterns für Behörden als verpflichtend an

Die Anrede „Mitarbeiter*innen“ ist auf einem Bildschirm zu sehen.

Die Anrede „Mitarbeiter*innen“ ist auf einem Bildschirm zu sehen.

Hannover. Seit knapp drei Jahren wird in der Verwaltung von Hannover gegendert – jetzt sieht sich die Stadt durch ein von ihr selbst in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten bestätigt. Mehr noch: Das am Donnerstag veröffentlichte Ergebnis könnte auch die Debatte um die geschlechtergerechte Sprache in Behördentexten insgesamt noch einmal befeuern, schreibt die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ).

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Das Gutachten mit möglicher Vorreiterfunktion für Kommunen stammt von Ulrike Lembke, Juraprofessorin an der Berliner Humboldt-Universität. Demnach ist die Verwendung des Gendersterns im Rahmen einer geschlechtergerechten Amtssprache „kein Fehler“. Vielmehr sei diese Amtssprache inklusive Genderstern die „(überfällige) Verwirklichung zentraler Anforderungen an verfassungskonformes Verwaltungshandeln“. Es gehe um das Grundrecht auf Gleichberechtigung und das Verbot der Geschlechtsdiskriminierung. Sie bescheinigt deutschen Verwaltungen, vielfach mit einer mangelhaften Umsetzung des Genderns das Grundgesetz zu verletzen.

Auf Anreden wie „Sehr geehrte Damen und Herren“ solle verzichtet werden

Lembke empfiehlt laut „HAZ“ demnach verpflichtend die Verwendung des sogenannten Gendersterns, der auch Trans-, Inter- und non-binäre Personen sichtbar macht. Die Forderung, sich ständig mitgemeint fühlen zu sollen, verlange von den Frauen wie von Trans-, Inter- und non-binären Personen eine „beständige Anpassungsleistung“. Auch auf binäre Anreden wie „Sehr geehrte Damen und Herren“ solle deshalb künftig verzichtet werden.

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Die Stadtverwaltung von Hannover hatte ihren Mitarbeitern bereits Anfang 2019 „Empfehlungen für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ gegeben und sieht sich durch das Gutachten bestätigt. „Sprache transportiert nicht nur Regeln, sondern formt und gestaltet gesellschaftliche Wirklichkeit“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) am Donnerstag. „Wir wollen mit der Anwendung der geschlechterumfassenden Sprache in der Stadtverwaltung Hannover sehr deutlich machen, dass wir jeden Menschen in der jeweiligen Geschlechtsidentität respektieren.“

Das Gendern ist umstritten. Kritiker sehen in Formulierungen wie „der*die Ingenieur*in“ oder „liebe Kolleg:innen“ eine Verhunzung der deutschen Sprache. Inzwischen haben jedoch zahlreiche Universitäten, Kommunen, Unternehmen sowie Medien Genderzeichen eingeführt.

RND/dpa/seb

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