Falsche Ärztin wegen fünffachen Mordes angeklagt

Die Ärztin hat Patienten mehrfach Betäubungsmittel gegeben (Symbolbild).

Fritzlar/Kassel. Wegen mehrfachen Mordes und gefährlicher Körperverletzung ist gegen eine mutmaßlich falsche Ärztin in Nordhessen Anklage erhoben worden. Der Frau werde zur Last gelegt, als Assistenzärztin mehrfach eigenverantwortlich Betäubungen durchgeführt zu haben, obwohl sie nicht über die erforderliche Ausbildung verfügt habe, sagte Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, am Montag. Dadurch hätten Patienten in 16 Behandlungsfällen Gesundheitsschäden wie Organschäden erlitten. In fünf Fällen sollen Menschen gestorben sein.

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Die Verdächtige war von November 2015 bis August 2018 in dem Krankenhaus in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) beschäftigt. Sie sitzt seit mehr als einem halben Jahr in Untersuchungshaft. Nun muss das Landgericht Kassel über Eröffnung eines Verfahrens entscheiden.

Betäubungsmittel falsch dosiert, Atemprobleme übersehen

Die Liste der Vorwürfe gegen die 49-Jährige aus Kiel ist lang. Laut Anklage hat sie sich die Anstellung in dem Krankenhaus mittels gefälschter Unterlagen erschlichen. Es sei mehrfach zu Behandlungsfehlern gekommen. Die Verdächtige habe Betäubungsmittel falsch dosiert und Atemprobleme eines Patienten übersehen. Zwei Männer im Alter von 58 und 80 Jahren und drei Frauen im Alter von 77, 81 und 86 Jahren seien gestorben.

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Vorgeworfen werden ihr zudem ein Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz, gewerbsmäßiger Betrug in drei Fällen, Urkundenfälschung in fünf Fällen und Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen in neun Fällen. Unter anderem soll sie bei der Stadt Kassel und der Landesärztekammer falsche Approbationsurkunden vorgelegt haben. Durch Betrug sei sie auch an ein 59 000 Euro teures Auto und eine kurze Anstellung in einer Klinik in Schleswig-Holstein gekommen. Dort war die Frau allerdings im Reha-Bereich tätig.

Auch gegen Vorgesetzte der falschen Ärztin wird ermittelt

Dass Vorwürfe hinzukommen, ist möglich: "In gesonderten Ermittlungsverfahren werden weitere von der Angeschuldigten durchgeführte Behandlungen auf Behandlungsfehler überprüft", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zudem werde in einem anderen Ermittlungsverfahren geprüft, ob einem damaligen Vorgesetzten der Frau in dem nordhessischen Krankenhaus Aufsichtspflichtverletzungen nachgewiesen werden können. Der Arzt ist dort aber nicht mehr tätig. Ähnliche Ermittlungen gegen einen weiteren Vorgesetzten aus dem Krankenhaus seien dagegen zwischenzeitlich eingestellt worden.

Die betroffene Klinik reagierte positiv auf die Anklage: “Wir hoffen auf ein zügiges Verfahren und ein gerechtes Urteil, um dieses traurige Kapitel endgültig abschließen zu können”, erklärten die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist Fritzlar und die Klinik-Geschäftsführung. Die 49-Jährige habe “mit hoher krimineller Energie” gehandelt und schweren Schaden angerichtet. Die Klinik-Geschäftsführung habe selbst Strafanzeige wegen schweren Betruges gegen die Verdächtige erstattet. Allein den Schaden durch zu Unrecht erhaltene Gehälter und die Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen beziffert das Krankenhaus auf 245.000 Euro.

RND/dpa

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