5000 Euro Finderlohn für Oskar: Eine Stadt sucht einen Hund

Friederike Brandts sucht auch mit Aushängen und Flugblättern nach ihrem vermissten Hund Oskar.

Friederike Brandts sucht auch mit Aushängen und Flugblättern nach ihrem vermissten Hund Oskar.

Berlin. Mehr als drei Monate hat Familie Brandts aus Berlin ihren Hund Oskar nicht mehr gesehen. Sie weiß inzwischen nur: Ihr Jack Russell Terrier wurde von einem zwölfjährigen Jungen vor einer Drogerie in Pankow gestohlen – und in Kreuzberg wieder freigelassen. Die vierköpfige Familie aus Pankow hat einen Finderlohn von 5000 Euro ausgelobt.

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Zahlreiche Berliner sind auf der Suche nach Oskar. Auf Instagram und Facebook berichtet die Familie immer wieder über die Suchfortschritte. „Es ist ein Wahnsinn, wie viel Aufmerksamkeit wir von Anfang an bekommen haben“, sagt Friederike Brandts. „Hunderte Helfer sind auf der Suche nach Oskar und machen sogar Nachtschichten, wenn es eine Sichtung gab.“ Der Verlust sei schmerzlich für die Familie. „Besonders aber für unsere vierjährige Tochter Leni. Sie fragt jeden Tag nach Oskar“, so die Mutter zweier Mädchen.

Der Diebstahl ereignete sich bereits am 9. September: Ihre Mutter habe den Hund mit zum Einkaufen genommen und vor einer Drogerie angeleint, erzählt Brandts. „Es waren nur vier Minuten. Als sie wieder aus dem Laden kam, war Oskar weg.“

Auf einem Zettel an einem Laternenpfahl in Prenzlauer Berg wird mit einem Finderlohn nach dem vermissten Hund Oskar gesucht.

Auf einem Zettel an einem Laternenpfahl in Prenzlauer Berg wird mit einem Finderlohn nach dem vermissten Hund Oskar gesucht.

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Mehr als 2000 entführte Hunde in Großbritannien

Hundeentführungen sind kein Einzelfall. Vor allem in Großbritannien hat die Zahl seit Beginn der Corona-Pandemie massiv zugenommen. Allein im vergangenen Jahr wurden dort mehr als 2000 Fälle bekannt, weshalb die britische Regierung kürzlich ein Gesetz verschärft hat: Künftig drohen Hundedieben bis zu fünf Jahre Haft. Zuvor galten diese Tiere als „Eigentum“ mit deutlich geringeren Strafmaßen.

Der Grund für die Zunahme der Hundeentführungen könnten eine gestiegene Nachfrage und damit einhergehend höhere Preise sein. Nach Daten der Tierschutzorganisation Dogs Trust kosten die fünf beliebtesten Hunderassen Großbritanniens während des ersten landesweiten Lockdowns bis zu 89 Prozent mehr als zuvor.

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Auch in Deutschland ist das Pro­blem bekannt – nicht nur in Berlin. „Nach Einschätzung unserer Fachexpertinnen scheint es, subjektiv gesehen, zuletzt schon vermehrt zu Fällen gekommen zu sein“, erläutert Hester Pommerening vom Deutschen Tierschutzbund gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Organisation betreibt das Register Findefix für vermisste Tiere. „Das könnte mit dem Haustierboom zusammenhängen.“ Genaue Zahlen seien jedoch für Deutschland schwer zu ermitteln, da es keine zentrale Erfassung der Fälle gebe.

Hunde und Katzen mit Mikrochip kennzeichnen

Der Verein Tasso registrierte 2020 bundesweit rund 33.000 vermisste Hunde. Auch bei diesem Verein können Halter ihre Tiere registrieren und markieren lassen. Rund 31.830 Hunde habe Tasso in demselben Zeitraum wieder mit ihren Besitzern zusammengebracht.

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Der Handel mit Rassehunden ist durchaus sehr lukrativ.

Hester Pommerening,

Deutscher Tierschutzbund

„Man hört hin und wieder von Hunden, die verschwinden, während sie vor Supermärkten angebunden sind. Manche werden tatsächlich auch aus Wohnungen oder Gärten entwendet“, berichtet Pommerening. Es könne sich um ein äußerst gut organisiertes, kriminelles Geschäft handeln, Welpen oder trächtige Hündinnen zu stehlen, sagt sie. „Der Handel mit Rassehunden ist durchaus sehr lukrativ.“

Pommerening rät, Hunde und Katzen mit einem Mikrochip zu kennzeichnen und anschließend mit der Chipnummer beim Register Findefix kostenlos zu registrieren. „So wird das Tier unverwechselbar und ist im Falle eines Verschwindens seinem Halter klar zuzuordnen.“

Bietet Geselligkeit und Beisammensein: ein Hund.

Bietet Geselligkeit und Beisammensein: ein Hund.

Die Suche nach Hund Oskar

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In der Hauptstadt ist der Junge, der den Hund der Brandts gestohlen haben soll, inzwischen identifiziert worden. „Er ist immer wieder in Berlin unterwegs und nimmt fremde Hunde mit“, erzählt Friederike Brandts. Mittlerweile seien Menschen auf den Jungen aufmerksam geworden, der nach Oskar noch weitere Hunde entführte. Die Hunde seien zu ihren Besitzern gebracht worden. Insofern habe die öffentliche Suche nach Oskar auch schon positive Ergebnisse gebracht.

Ein Heimtier bietet Geselligkeit und Beisammensein.

Frank Nestmann,

Professor für Beratung und Rehabilitation von der TU Dresden

„Ein Heimtier bietet Geselligkeit und Beisammensein. Es ermöglicht eine persönliche Beziehung und Bindung“, sagt Frank Nestmann, Professor für Beratung und Rehabilitation von der TU Dresden, der auch Teil der Forschungsgruppe Mensch-Tier-Beziehungen ist. Wenn Menschen allein seien, könne so ein Haustier, ein Hund beispielsweise, auch einfach durch das reine Dasein den Alltag strukturieren: Füttern, Spazierengehen, Streicheleinheiten. „Der Alltag behält ein Stück Normalität.“

Gerade während der Weihnachtsfeiertage, wenn viele im engsten Familienkreis zusammensitzen und andere allein bleiben, könne dies noch einmal wichtiger sein. „Immer wenn eine Situation auftritt, in der man sich noch einsamer fühlt, mag ein Heimtier noch ein Stück bedeutsamer sein“, glaubt der Sozialwissenschaftler. Ein Tier könne das Grundproblem, die Einsamkeit, nicht lösen, sehr wohl aber das Isolationsgefühl und depressive Stimmungen abfedern.

Wenn Weihnachten Stress ist, ist es auch für das Haustier Stress.

Frank Nestmann,

Professor für Beratung und Rehabilitation von der TU Dresden

Doch auch in Familien könnten Tiere den Druck aus Stresssituationen, die gerade auch während der Weihnachtsfeiertage auftreten, nehmen. „Heimtiere werden von den meisten Menschen als Familienmitglieder betrachtet“, sagt Nestmann. Und so könnten sie manchmal ganz von allein die Rolle des Ablenkers übernehmen. „Plötzlich unterhält man sich über das, was das Tier macht – oder eine Person verlässt den Raum, um sich um das Tier zu kümmern.“ Doch auf der anderen Seite spürten Tiere – ebenso wie Menschen – die Stimmungslage ganz genau. „Wenn Weihnachten Stress ist, ist es auch für das Haustier Stress.“

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Hunde sind den Menschen am ähnlichsten

Experimente haben gezeigt, dass beispielsweise Hunde das Stresslevel, gemessen an Blutdruck und Hormonlevel, in schwierigen Situationen senken könnten – sogar mehr als der eigene Partner. „Wenn wir eine Aufgabe nicht bewältigen können, dann urteilt ein Hund nicht“, erklärt der Erziehungswissenschaftler.

Gerade Hunde seien in ihrer Beziehung zum Menschen bei den Heimtieren besonders gut erforscht – und unter ihnen den Menschen auch am ähnlichsten: „Bei der Gehirnstruktur und im Hormonhaushalt sind sie den Menschen sehr viel ähnlicher, als man lange angenommen hat.“ Vor dem Hintergrund sei es gar nicht so verrückt zu behaupten, dass der eigene Hund einen grundsätzlich versteht.

„Ich hoffe sehr, dass wir Oskar wiederfinden“, sagt seine Berliner Besitzerin Brandts. „Dann ist die Familie wieder im Lot.“ Der Hund gehöre seit sieben Jahren dazu. Es sei gut möglich, dass Oskar auch über eine kilometerlange Distanz nach Hause finde, machen Vorstandsmitglieder des Vereins Saving Soul Pfotensicherung Berlin Hoffnung. „Das erleben wir immer wieder.“

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