Ermittlungen gegen Spaniens Exkönig

Juan Carlos und Corinna zu Sayn-Wittgenstein: Wie aus „innigen Freunden“ ein Rechtsstreit wurde

Die dänisch-deutsche Geschäftsfrau Corinna Larsen, die sich selbst als Corinna zu Sayn-Wittgenstein bezeichnet (Archivfoto vom 17.11.2017) und Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien (Archivfoto vom 10.03.2018).

Um sich eine Vorstellung davon zu machen, was „Schikane“ bedeuten kann – im englischen Original „harassment“ –, berichtet Corinna zu Sayn-Wittgenstein in ihrer Klageschrift, wie sie bei einem Besuch in der Schweiz im Mai 2012 ihr dortiges Apartment durchwühlt vorfand. Es war aber nichts weggekommen, stattdessen lag ein Buch auf dem Wohnzimmertisch, das da vorher nicht gelegen hatte: „Prinzessin Diana: Die versteckten Beweise, wie der MI6 und die CIA am Tod von Prinzessin Diana beteiligt waren“. Am selben Abend klingelte das Telefon: „Es gibt viele Tunnel zwischen Monaco und Nizza“, sagte der anonyme Anrufer auf Spanisch. Zu Sayn-Wittgenstein fasste das als Morddrohung auf.

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Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien, winkt in einer Stierkampfarena 2019 in Aranjuez (Archivfoto).

Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien, winkt in einer Stierkampfarena 2019 in Aranjuez (Archivfoto).

Wegen dieser und ähnlicher Erfahrungen reichte die deutsche Geschäftsfrau mit Wohnsitz in London im Dezember 2020 Klage gegen Juan Carlos de Borbón y Borbón ein, den spanischen Exkönig, den sie hinter diesen Belästigungen vermutet. Der berief sich, um die Vorwürfe abzuwehren, auf seine Immunität als fremdes Staatsoberhaupt, das er 2012 noch war. Doch der zuständige Richter am Londoner High Court befand an diesem Donnerstag, dass die Schikanen „nicht einmal entfernt in den Bereich staatlicher oder hoheitlicher Tätigkeit“ fallen. Die britische Justiz kann weiter gegen Juan Carlos ermitteln und ihn, falls sie die Vorwürfe für glaubwürdig hält, auf die Anklagebank setzen. Ob es dazu kommt, steht noch dahin. Im Dezember hielt der Richter den Vertretern und Vertreterinnen der Klägerin vor, dass ihre Klageschrift „viel Erzählung und wenig Beweise“ enthalte.

Juan Carlos „schenkte“ zu Sayn-Wittgenstein 65 Millionen Euro

Juan Carlos und Corinna zu Sayn-Wittgenstein waren einst innige Freunde, sagt die Deutsche, wahrscheinlich aber mehr, nämlich Liebhaber. 2004 lernten sie sich kennen, aber erst 2012 erfuhren die meisten Spanier und Spanierinnen von der Affäre, als sich nämlich ihr damaliger König am Rande einer Elefantenjagd in Botswana die Hüfte brach, was damals zu einem Skandal reichte, der endlich auch den Namen „Corinna“ in die Zeitungen brachte. Eine Schweizer Bank fürchtete plötzlich um ihr Renommee, als wenn Juan Carlos ein Pablo Escobar oder ein Putin wäre, und bat den König, sein Vermögen anderweitig zu deponieren, was er tat: Er überwies es an seine deutsche Freundin. Übers Geld ging die Freundschaft offenbar in die Brüche. Zu Sayn-Wittgenstein freute sich über das „unerbetene Geschenk“, sagte sie später, während Juan Carlos dachte, er bekomme es wieder. Hat er aber bis heute nicht.

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Es ist nie schön, wenn eine Liebe an Geld zerbricht. Hier allerdings geht es um 65 Millionen Euro, die Juan Carlos vier Jahre zuvor vom damaligen saudischen König geschenkt bekommen hatte und dann an seine Freundin weiterreichte. Das ist beiden wohl den Streit wert. Juan Carlos habe ihr den früheren Chef des spanischen Geheimdienstes CNI auf die Fersen gesetzt, sagt die deutsche Geschäftsfrau, und außerdem versucht, durch böse Nachrede ihren Ruf zu ruinieren. Das ist alles gut vorstellbar. Ob es auch wahr ist, kann jetzt die britische Justiz ermitteln.

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