Prozess zu Dreifachmord in Kiel

„Wie im schlechten Film“: Zahnarzt spricht erstmals über tödliche Schüsse

Justizbeamte bringen den Angeklagten in Handschellen in den Sitzungssaal im Landgericht Kiel

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Kiel. Im Dreifachmord-Prozess gegen einen Zahnarzt aus Westensee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hat sich der Angeklagte erstmals direkt zu den tödlichen Schüssen auf seine Frau, deren neuen Bekannten und einen weiteren Bekannten geäußert, wie die Kieler Nachrichten berichten. Zu dem Warum der Taten habe er aber keine Erklärung, sagte er am Donnerstag vor dem Kieler Landgericht. Er habe nach den Morden „die ganzen Monate darüber nachgedacht, welche Impulse dazu geführt hätten“. „Es ist wie in einem ganz komischen Film abgelaufen, als würde es gar nicht der Realität entsprechen“, sagte er.

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Nach Zeugenaussagen war die Ehe des Mannes zerrüttet, seine Frau hatte sich getrennt und einem neuen Mann zugewendet. Nach Gewalt des Angeklagten wollte sie die Scheidung, er wollte sie aber nicht loslassen.

Am Tattag, dem 19. Mai 2021, sei er frühmorgens los, um die zwei illegalen späteren Tatwaffen zu entsorgen, sagte der Angeklagte. Er habe nach anonymen Anzeigen gegen ihn deswegen jeden Moment eine große Durchsuchungsaktion der Polizei vermutet. Seine Frau habe von den Waffen gewusst, die er zeitweise nahe seinem Wohnhaus im Wald vergraben hatte. Über einen Tracker habe er dann gesehen, dass seine Frau zur Uni fuhr. Er sei ihr „leider hinterhergefahren“.

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An der Uni sei sie bereits auf der Weiterfahrt gewesen, er sei ihr nach Dänischenhagen gefolgt. „Dann kam es zu den schrecklichen Ereignissen“, sagte er. „Ich habe versucht, mit ihr noch mal zu sprechen.“ Die 43-Jährige habe jedoch gesagt, „ich solle verschwinden, was ich da zu suchen hätte“. Daraufhin sei er zurück zum Wagen, habe „leider“ die Maschinenpistole vom Typ Uzi vom Rücksitz geholt.

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Laut Anklage schoss der 48-Jährige dann zwei Magazine auf seine Frau und den Bekannten leer. „Ich krieg das nicht mehr richtig zusammen“, sagte er auf Nachfragen des Gerichts. „Es war wie im schlechten Film“, sagte er. Die Situation „war irreal, völlig entrückt“. Er habe gedacht, das könne nicht der Realität entsprechen, „die können ja wieder aufstehen.“

Der Aussage eines Psychiaters zufolge fuhr der Angeklagte nach den Schüssen in Dänischenhagen zu dem gemeinsamen Bekannten des Paares nach Kiel, der sich mit ihm zerstritten hatte. Er habe ihm „davon berichten wollen“, sagte er auf eine Frage des Vorsitzenden, was er dort wollte, wo doch zwischen beiden „das Tischtuch zerschnitten“ war? „Ich habe mich zu ihm hingezogen gefühlt“, erwiderte der Angeklagte.

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Der Bekannte, ein Elektriker, der ihm seine Praxis elektrifizierte und dem er noch etliche tausend Euro schuldete, sei dann auf ihn körperlich losgegangen. „Dann hab ich die Waffe gezogen.“ Der erste Schuss „war seitlich ins Kleinhirn“. Der Mann sei kurz weitergegangen, dann habe er „mehrere Schüsse abgegeben, auf das bereits liegende Opfer“. Er könne sich „nicht erklären, warum, ich hatte das als Bedrohungssituation wahrgenommen“.

Während seiner Aussage sprach der Angeklagte schnell, ausufernd, wie mit Rechtfertigungsdruck. Er habe damals nicht mehr gekonnt, sagte er und bestritt, dass er seine Frau jemals bewusst verletzt habe. Es sei eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen, als ihr das Nasenbein durch seine Tritte zertrümmert wurde. „Es war nie meine Absicht, jemandem zu schaden.“ Er habe „niemanden vorher bedroht, auch nicht meine Frau. Ich verstehe nicht, dass ich es dann machte.“

RND/dpa

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