Wieder Überflutungen im Osten Australiens

Schwere Überschwemmungen in Sydney verwandeln Straßen in Flüsse

In Manly Council, einer Stadt nördlich von Sydney, sind ganze Straßen und Häuser geflutet.

In Manly Council, einer Stadt nördlich von Sydney, sind ganze Straßen und Häuser geflutet.

Sydney. Hohe Niederschläge verwandelten am Dienstag Straßen in Sydney in Flüsse, der beliebte Strandvorort Manly stand teilweise völlig unter Wasser. In dem luxuriösen Stadtteil Mosman gegenüber der Innenstadt wurden am Vormittag innerhalb von sechs Stunden 128,5 Milliliter Regen gemessen. Vor allem den Norden von Australiens größter Stadt traf es schlimm, etliche Straßen mussten gesperrt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Nachdem viele Schulbusse nicht mehr fahren konnten, versuchten zahlreiche Eltern verzweifelt, ihre Kinder abzuholen. Sie standen teilweise mehrere Stunden im Stau oder kamen überhaupt nicht durch.

Es regnet seit Wochen

Sydney ist jedoch kein Einzelfall: Der Osten Australiens wird seit zwei Wochen bereits von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Insgesamt sind in den Bundesstaaten Queensland und New South Wales, in dem auch Sydney liegt, bereits 20 Menschen ums Leben gekommen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Vor allem die Kleinstadt Lismore im Norden von New South Wales hat es besonders schlimm getroffen. Dort kamen gleich mehrere Menschen ums Leben. Andere konnten in teils dramatischen Rettungsaktionen in letzter Sekunde in Sicherheit gebracht werden. Der dortige Fluss erreichte zeitweise einen Wasserstand von über 14 Metern, mehr als zwei Meter höher als beim vorherigen Höchststand im Jahr 1954. Hunderte Menschen mussten evakuiert werden.

Zehntausende Evakuierungen

Am Dienstag forderte das Hochwasser nun auch in Sydney mindestens zwei Opfer. Eine 67-jährige Frau und ihr Sohn starben in den Fluten. Das Wasser in einem Kanal war innerhalb kürzester Zeit extrem angestiegen und muss sie mitgerissen haben. 40.000 Menschen mussten in der Millionenstadt evakuiert werden, nachdem mehrere Flüsse über die Ufer traten. Weitere 20.000 Bürger waren am Abend nach wie vor in Alarmbereitschaft versetzt – sollte sich die Lage in der Nacht nochmals verschlechtern. Teilweise kam die Armee zum Einsatz, um bei Evakuierungen und Rettungsaktionen zu helfen.

„Das Beste, was Sie derzeit in unserem Bundesstaat tun können, ist, Anweisungen zu folgen und bitte nicht durch Hochwasser zu fahren“, sagte der Premier von New South Wales, Dominic Perrottet. Er warnte davor, dass die Überschwemmungen wahrscheinlich auch am Mittwoch noch andauern würden. Sydney erlebt seinen nassesten Sommer seit 30 Jahren. Inzwischen regnet es seit über zwei Wochen, doch die Lage eskalierte am Dienstag, nachdem nicht nur hohe Niederschläge fielen, sondern die bereits durchnässten Böden auch kaum mehr Feuchtigkeit aufnehmen konnten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Humor trotz Extremwetterlage

Trotzdem kamen die Sydneysider – wie dies für Australier typisch ist – zusammen und halfen sich gegenseitig. Auch den Humor verloren die meisten nicht: In einem der betroffenen Stadtteile witzelte ein Mann, dass sein Stadtteil nun auch „am Wasser“ liege und die Häuser nun sicher mehr wert seien. Eine Frau antwortete darauf, dass sie nun einen eigenen „Pool“ im Haus habe – auch das mache sich beim Wiederverkauf doch sicher gut. Videoaufnahmen, die ein Anwohner im Stadtteilforum des besonders schlimm betroffenen Strandvorortes Manly gepostet hatte, zeigten, wie sich einige beliebte Spazierwege in Wasserfälle verwandelt hatten.

Bereits vergangene Woche hatte Dominic Perrottet, der Premier des Bundesstaates New South Wales, die Überschwemmungen als eine der schlimmsten Naturkatastrophen überhaupt bezeichnet. In einer Pressekonferenz sprach er von einem „Jahrtausendereignis“. New South Wales war auch einer der Bundesstaaten gewesen, der von den katastrophalen Buschfeuern 2019/20 betroffen war.

Australien: mehr Extremereignisse durch den Klimawandel

Laut einem Klimawissenschaftler werden derartig katastrophale Überschwemmungen aufgrund der Erwärmung durch den Klimawandel in Zukunft immer wahrscheinlicher. Wie aus dem jüngsten IPCC-Bericht hervorgeht, muss Australien mit deutlich mehr Extremereignissen wie Überschwemmungen, Stürmen, Hitzewellen, Dürren und Buschfeuern rechnen. Schon heute haben mehrere wichtige Ökosysteme auf dem Kontinent durch die Erwärmung irreversible Schäden erlitten, darunter die Korallen am Great Barrier Reef oder die Kelpwälder im Südosten des Landes.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mark Howden, stellvertretender Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe und Direktor des Instituts für Klima, Energie und Katastrophenlösungen an der Nationaluniversität in Canberra, sagte dem „Guardian“, dass der jüngste IPCC-Bericht deutlich mache, dass Staaten sich auf die veränderten Bedingungen anpassen müssten. Denn auch wenn man ein einzelnes Ereignis wie die derzeitige Katastrophe nicht so einfach auf den Klimawandel zurückführen könne, so sei eindeutig, dass „die Effekte des Klimawandels bereits erkennbar“ seien und dass sie überwiegend „negativ“ seien.

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen