TV-Kritik

ZDF-neo-Serie „Vierwändeplus“: die Baugruppe als Soziotop

Für Martin (Alexander Prince Osei) und Caro (Birte Hanusrichter) als Paar brechen mit dem Einzug in die Baugruppe noch andere Zeiten an: Caro will die Trennung.

Für Martin (Alexander Prince Osei) und Caro (Birte Hanusrichter) als Paar brechen mit dem Einzug in die Baugruppe noch andere Zeiten an: Caro will die Trennung.

Der Traum von den eigenen vier Wänden war über Jahrzehnte hinweg an die bürgerliche Kleinfamilie gekoppelt. Doch haben die grotesk steigenden Grundstücks- und Immobilienpreise in größeren Städten zu neuen Eigentumswohnmodellen geführt. Die urbanen Häuslebauer und -bauerinnen von heute tun sich in sogenannten Baugruppen zusammen, um ein bezahlbares und kollektives Eigenheim zu errichten. Nun hat die ZDF-neo-Serie „Vierwändeplus“ die Baugruppe als Soziotop für eine achtteilige Comedyserie entdeckt, in der das „Lindenstraße“-Format unter verschärften klaustrophobischen Bedingungen einem Stresstest unterzogen wird.

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Anna (Antonia Bill) hat nach dem Tod ihrer Eltern ein Haus mit Grundstück geerbt, in dem der Traum von einem Wohnprojekt umgesetzt werden kann. Nach vier Jahren anstrengender Bauphase ziehen die Freundinnen und Freunde, die sich seit Kindertagen kennen, in die neue Bleibe ein, um ihre „Familie“ zu gründen. Vor allem Architekt Martin (Alexander Prince Osei), der den Umbau minutiös durchgeplant hat, freut sich auf den großen Tag.

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Scheidung zu Anfang des Projekts

Aber die Kartons sind noch nicht ausgepackt, als ihn seine Frau Caro (Birte Hanusrichter) davon in Kenntnis setzt, dass sie sich von ihm trennen möchte. Des lieben Hausfriedens willen beschließt das Paar, den beiden Töchtern und den anderen erst in ein paar Wochen von der bevorstehenden Scheidung zu erzählen. Der harmoniesüchtige Martin hofft, Caro bis dahin wieder umstimmen zu können.

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Derweil wird im oberen Stockwerk an der Familienplanung gearbeitet. Anna und ihr Freund Erik (Moritz Vierboom) versuchen schon lange vergeblich, ein Kind zu bekommen. Da die Zimmertüren noch nicht geliefert sind, beobachtet die kleine, aufgeweckte Emma (Mary Amber Oseremen Tölle) das Paar bei seinen Zeugungsbemühungen und ist fest davon überzeugt, dass Anna ein Opfer häuslicher Gewalt geworden ist.

Personalkulisse einer Hausgemeinschaft

Das Liebesleben zwischen der Köchin Julia (Mary Amber Oseremen Tölle) und der Ärztin Bo (Kotti Yun) ist mit dem Umzug in die Hausgemeinschaft dagegen zum Erliegen gekommen. Bo ist genervt von Julias pubertierendem Sohn Gregor (Julien Neisius), der die Gemeinschaft auf einen nachhaltigen Lifestyle einschwören will, und weigert sich, ihre Rolle als verantwortungsvolle Stiefmutter zu übernehmen. Und schließlich ist da noch Single Freddie (Eugen Bauder), der mit Bitcoins ein kleines Vermögen erwirtschaftet hat, auf der Suche nach der großen Liebe ist, aber stets an Frauen gerät, die nur das eine von ihm wollen.

Im 20-minütigen Instantformat entwirft „Vierwändeplus“ vor der Personalkulisse einer Hausgemeinschaft ein recht braves Drunter und Drüber, in dem das kreative Chaospotenzial des Sujets bei Weitem nicht ausgeschöpft wird. Die Figuren entfalten jenseits ihrer stereotypen Grundcharakterisierung kaum Eigenleben.

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Etwas wahllos zusammengewürfelte Klischees

Der harmoniebedürftige Ehemann, die kontrollsüchtige Planerin, die esoterische Späthippiebraut, die überarbeitete Alleinerziehende, der jugendliche Umweltaktivist, der etwas unterbelichtete Weiberheld und zwei abgebrühte Mädchen, die erwachsener als ihre Eltern wirken – das sind bekannte, etwas wahllos zusammengewürfelte Klischees, die aufgrund eines schwächelnden Drehbuchs keine glaubhafte Dynamik entwickeln. Wer die Serie nicht online am Stück durchschrotet, wird wohl kaum voller Spannung auf den Sendetermin in der darauffolgenden Woche warten. Die Konflikte sind oft von geradezu grotesker Belanglosigkeit. Die komödiantischen Bestrebungen kommen selten über das Niveau eines Tischfeuerwerks hinaus.

Das gilt besonders für den nur vermeintlich lockeren Umgang mit dem Thema Sex. „Vierwändeplus“ beweist erneut, dass eine Fernsehserie, in der viel über Sex geredet wird, nicht zwangsläufig sexy ist.

Die ersten Folgen laufen am Dienstag, 16. August, ab 21.45 Uhr bei ZDF neo. Weitere folgen am 17. August und 21. August.

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