Zweiten Frühling

TV-Sender reißen sich weltweit um Polit-Satire mit ukrainischem Präsidenten

Wolodymyr Selenskyj (r) als Wassyl Petrowitsch Holoborodko, Präsident der Ukraine, in einer Szene aus «Diener des Volkes». Die Comedy-TV-Serie mit dem ukrainischem Präsidenten ist zur Zeit in der Arte Mediathek verfügbar. Auch andere internationale Sender reißen sich um die Rechte der Show.

Wolodymyr Selenskyj (r) als Wassyl Petrowitsch Holoborodko, Präsident der Ukraine, in einer Szene aus «Diener des Volkes». Die Comedy-TV-Serie mit dem ukrainischem Präsidenten ist zur Zeit in der Arte Mediathek verfügbar. Auch andere internationale Sender reißen sich um die Rechte der Show.

London. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erlebt als Fernsehschauspieler eine Renaissance. Weltweit reißen sich Sender um die TV-Satire „Diener des Volkes“ in der der Schauspieler Selenskyj 2015 den Lehrer Wassyl Petrowitsch Goloborodko mimte, der überraschend Präsident wird, nachdem ihn seine Schüler bei einer Schimpfkanonade gegen die Korruption gefilmt und das Video ins Internet gestellt hatten. Goloborodko macht sich daran, das Land zu regieren, verzichtet aber auf die Vorteile eines Staatsoberhauptes, indem er weiter sein normales Leben lebt.

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Die Serie war in der Ukraine ein Hit. Drei Staffeln und ein Kinofilm wurden abgedreht. Das ist allerdings schon ein paar Jahre her, weil sich Hauptdarsteller Selenskyj inzwischen beruflich verändert hat. Seine Landsleute haben den Schauspieler aus einer jüdischen Familie 2019 tatsächlich zum Präsidenten gewählt und im Ausland ist er das Gesicht einer Nation, die sich der russischen Invasion erwehrt.

Das Medienunternehmen Ecco Rights, das „Diener des Volkes“ vermarktet, kann sich vor Anfragen kaum noch retten. Die Produktion von Selenskyjs Studio Kwartel 95 habe sich in den vergangenen Tage dramatisch gut verkauft, sagte Ecco-Partner Nicola Söderlund. Und das obwohl die Serie ja nicht mehr ganz taufrisch sei. „Es ist schon eine ziemlich alte Show“, sagt Söderlund. „Aber natürlich ist sie unter den Umständen für jeden sehr, sehr, sehr interessant geworden.“

Diese Sender sichern sich die Rechte international

Der britische Sender Channel 4 hat gerade bekannt gegeben, er habe sich Rechte an der Serie für Großbritannien gesichert und strahle am Sonntag die erste Folge aus. Beim deutsch-französischen Kultursender Arte steht die Serie in der Mediathek. Ecco Rights berichtet zudem über Verträge mit MBC im Nahen Osten, ANT 1 in Griechenland und ProTV in Rumänien. Auch Sender in Bulgarien, Moldau, Estland, Frankreich, Finnland und Georgien hätten zugegriffen. Ob die Serie in die USA kommt, war noch unklar.

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„Die Leute sind überrascht, dass ein Kabarettist Politiker sein kann“, sagt Söderlund über Selenskyjs Karriere. „Seine Fähigkeit, überzeugende Botschaften an den Mann zu bringen, die man als Fernsehmoderator braucht, haben ihm sehr geholfen, Politiker zu werden.“

Er selbst habe Selenskyj 2012 getroffen, als er eine seiner Shows vermarktete, in der Normalbürger Kabarettisten zum Lachen bringen mussten. Der Plot von „Diener des Volkes“ habe ihm auf Anhieb zugesagt. Selenskyj habe den Humor einfacher Leute in einer Gesellschaft voll Korruption angesprochen, indem er einen Präsidenten gegeben habe, der bei seiner Mutter wohnt, mit dem Fahrrad zur Arbeit radelt und auf ein höheres Gehalt verzichtet. „Das war sozusagen die Idee“, sagt Söderlund. „Und ich fand sie toll.“

Vom Schauspieler zum politischen Idol

Selenskyj hat durch die russische Invasion als Politiker gewaltig an Statur gewonnen. Unermüdlich wirbt er für die ukrainische Sache, tritt mit Landsleuten auf und verschickt fast ständig Video-Botschaften. Das Angebot der USA, ihn in Sicherheit zu bringen lehnte er mit den Worten ab: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“

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Ecco Rights hat dem Ukrainischen Roten Kreuz 50.000 Euro gespendet, was laut Söderlund ungefähr den Verkaufseinnahmen entspricht. Russische Produktionen seien aus dem Angebot gestrichen worden.

RND/AP

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