Romanze mit Hindernis

Verliebt in eine Bestie: die Serie „Wolf Like Me“ bei Amazon Prime Video

Tolle Frau, dunkles Geheimns: Noch ist Gary (Josh Gad) fasziniert von Mary (Isla Fisher) – Szene aus „Wolf Like Me“.

Tolle Frau, dunkles Geheimns: Noch ist Gary (Josh Gad) fasziniert von Mary (Isla Fisher) – Szene aus „Wolf Like Me“.

Da kann Gary, 40, froh sein, dass es nicht geklappt hat mit dem Dating. Die Frau im engen Roten echauffiert sich im Diner lautstark, dass sich der Witwer ihr kein einziges Mal geöffnet habe in den vergangenen drei Monaten. Dass er und seine Tochter Emma unzugänglich seien. Dass sie selbst eine Sieben sei (auf der bei zehn endenden Traum­frauen­skala), aber – hier wird sie beleidigend – an seiner Seite wie eine Neun gewirkt hätte. Dass der ziemlich korpulente Gay wie die Dinosaurier sei, ob er wisse, was mit denen passiert sei, sie seien durch einen Kometen weggewischt worden. Und zwar, weil sie nicht bereit gewesen seien. Ob für eine Sieben oder Neun, lässt sie offen. Abflug. Zurück bleibt Gary, peinlich berührt von dem Auftritt.

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Gary hat tatsächlich ein Problem. Er ist schon seit sieben Jahren Witwer. Kommt einfach nicht über den Verlust seiner Frau Lisa hinweg. Und kommt auch nicht darüber hinweg, dass sein Töchterchen irgendwie versteinert ist und zugleich ziemlich aggro. Es ist, wie in dem Prince-Song, den Sinead O’Connor mit einer echten Träne sang: „Nothing Compares to You“. Man hängt ewig an den Unvergleichlichen.

Vater und Tochter und ihre un­über­wind­bare Leerstelle

Das Gefühl der Unersetzbarkeit des Verlusts bei gleichzeitiger Unmöglichkeit zu Lebensfreude ist die Ausgangs­situation der australischen Serie „Wolf Like Me“, die am 1. April bei Amazon Prime Video startet. „Ich muss dich sicher zur Schule bringen“, verweigert Gary Emma eine Abkürzung, und schon im nächsten Moment kracht ein Auto in seins, das sich mehrfach überschlägt. Nein, keine Toten, keine Schwerverletzten.

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Womit Mary (Isla Fisher) ins Leben der beiden tritt – die Unglücks­fahrerin, die die gerade noch vom Blechsalto geschockte Emma im Hand­um­drehen zum ersten Lächeln seit Ewigkeiten bringt. Eine echte Neun diesmal – mit entwaffnendem Lächeln, in süßen Klamotten. Die einmal zu oft seufzt und die Stirn in Falten zieht, um einfach so die nächste Frau im Leben der beiden Traurigen werden zu können. Hätte sie freilich kein Geheimnis, würde man kaum über die erste Folge hinaus bei der Stange bleiben.

Man soll nichts über dieses Geheimnis verraten, das Mary eigentlich zu einer undatebaren Person macht, so wünscht sich der Streaming­dienst Amazon Prime Video das von den Medienleuten, denen er vier der sechs Episoden zur Vorabsichtung überlassen hat. Aber, Leute, mal ehrlich, dann hättet ihr mal besser einen unverfänglicheren Serientitel gewählt als „Wolf Like Me“. Da Mary keine echte Timber­wölfin ist, darf man einmal raten, was wohl hinter der aparten Beziehungs­kisten­kolumnistin mit Abschluss in Psychologie steckt, die offiziell von Chicago nach Adelaide gekommen ist, „weil ich von überall arbeiten kann“.

Aber vielleicht nicht mehr von Chicago aus, weil da vielleicht zu viel Seltsames passiert ist, in das Mary involviert war. Wir jedenfalls lassen uns von Spotify erst mal den Warren-Zevon-Hit „Werewolves of London“ vorspielen. Klasse Song. Und dann steht auch schon der Vollmond hinterm Haus wie Gottes großer Kloß.

Gleich wird's ungemütlich: Mary (Isla Fisher) hat für Vollmondnächte einen Sicherheitsraum, in den sie sich zurückzieht.

Gleich wird's ungemütlich: Mary (Isla Fisher) hat für Vollmondnächte einen Sicherheitsraum, in den sie sich zurückzieht.

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Emma ist lebender Balsam, so scheint es zunächst. Beim ersten Lunch (sie will aus gegebenem Grund kein gemeinsames Dinner) erteilt sie Gary den guten Rat, er solle in Erziehungssachen nicht mehr perfekt sein wollen. Und Gary, der sich gegenüber der entrüsteten Sieben noch schweigsam gab, schüttet bei Mary sein Herz aus über die Schwierig­keiten des Vaterseins und über die Festung, die ums Herz seiner Tochter entstand. Passend dazu spielt die Jukebox in der Kneipe „Fortress“ von den Queens of the Stone Age, und eine halbe Sekunde vor dem ersten Kuss fällt Mary die Uhrzeit ein. Halb sieben! Sie rennt und rennt und rennt durch ganz Adelaide. Dürfen Werwölfinnen, um rechtzeitig in ihren Schutzraum zu kommen, eigentlich kein Taxi nehmen?

Eine Beziehungsserie mit magischem Partner

„Wolf Like Me“ steht in der Tradition von Beziehungs­serien mit magischem Partner wie „Bezaubernde Jeannie“ (weiblicher Dschinn) und „Verliebt in eine Hexe“ (Zauberfrau). Allerdings legt Autor und Serien­schöpfer Abe Forsythe lange Zeit so gar keinen Wert auf komödiantische, geschweige denn slapstickhafte Elemente. „Wolf Like Me“ zeigt sich mehr als Drama und Romanze, ist ernst in der Gestaltung seiner Charaktere – bis hin zu unverhofft tragischen Entwicklungen.

Alle hier streben nach Erlösung. Naja, und gerade, als man sich von einem interessierten in einen desinteresierten Zuschauer verwandeln wollte, weil hier weder richtiger Horror noch richtige Horrorkomödie geboten wird, gerät diese Serie, deren Gruselgehalt zunächst völlig aufgesetzt und überflüssig erscheint, doch noch amüsant, als ein beim Blick in den Rückspiegel zu Tode erschrockener Gary seinen eh schon ramponierten himmelblauen Volvo ins Schaufenster einer Pizzeria steuert.

An den Gedanken, sich zu einer Lykanthrophin hingezogen zu fühlen, muss man sich halt erst mal gewöhnen. Aber kann man auf Dauer widerstehen, wenn die Wölfin der emphatischste Mensch ist, den man kennt?

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Ein Satz aus „Manche mögen’s heiß“ wird als Versprechen genommen

„Nobody’s perfect“, fasst Mary am Ende der vierten Episode ihre Doppel­existenz zusammen. Das war auch der Schlusssatz von Billy Wilders Klasse­komödie „Manche mögen’s heiß“ (1959), mit dem eine ebenfalls befremdliche Verwandlung aus Liebe rundheraus akzeptiert wurde. Und diesen Satz nehmen wir für die ausstehenden beiden Episoden als Versprechen.

„Wolf Like Me“, erste Staffel, sechs Episoden, von Abe Forsythe, mit Josh Gad, Isla Fisher, Ariel Donoghue, Emma Lung (ab 1. April bei Amazon Prime Video)

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