Der ganz normale Corona-Irrsinn

„The Bubble“ bei Netflix – Judd Apatow erzählt vom Kino in den Zeiten der Pandemie

Tanz den Dino-Hop vorm Green Screen: Iris Apatow als Krystal Kris (v. l.), Karen Gillan als Carol Cobb, David Duchovny als Dustin Mulray, Keegan-Michael Key als Sean Knox und Leslie Mann als Lauren Van Chance bringen einem Dinobaby den Hüftschwung bei. Szene aus Judd Apatows Film-im-Film-Komödie „The Bubble“.

Tanz den Dino-Hop vorm Green Screen: Iris Apatow als Krystal Kris (v. l.), Karen Gillan als Carol Cobb, David Duchovny als Dustin Mulray, Keegan-Michael Key als Sean Knox und Leslie Mann als Lauren Van Chance bringen einem Dinobaby den Hüftschwung bei. Szene aus Judd Apatows Film-im-Film-Komödie „The Bubble“.

Das ist die beste Szene von „The Bubble“: Es gibt in „The Bubble“ eine Szene, in der den Schauspielern am Set ihres Films ein Kopf vor die Füße fällt. Es ist der eines Kollegen, der nicht mehr mitspielen wollte, der einfach Hals über Kopf ausgebüxt ist – besser, es ist die naturgetreue Nachbildung seines Hauptes, ausgespuckt von einem fliegenden Tyrannosaurus, einer Art Urmel aus dem Eis mit vielen spitzen Zähnen. So sieht eine Kündigung à la Holly­wood aus. Soll der Flüchtige nur nicht auf die Idee kommen, er könnte wieder zum Cast von „Cliff Beasts“ zurückkehren, als sei nichts gewesen, als habe er das Vertrauen der Blockbuster­macher nicht aufs Schändlichste missbraucht. „Cliff Beasts“? Das komplett depperte, 23.-erfolg­reichste Franchise der Filmgeschichte (so verrät man es uns Zuschauern in „The Bubble“).

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Es ist die beste Szene dieses Netflix-Films übers Filmemachen und erinnert ein wenig an einen ähnlichen Moment aus „Tropic Thunder“, einer wirklich guten Film-im-Film-Komödie, in der die Darsteller eines Kriegsstreifens ahnungslos in ein echtes Kampfgebiet hineinstolpern und den Kopf ihres Regisseurs, der auf eine Mine getreten ist, für einen außergewöhnlich lebensechten Spezialeffekt halten.

„The Bubble“ erzählt von Filmstars in der Isolation

Darum geht’s in „The Bubble“: Der Film, vom zuletzt als Regisseur eher weniger glücklichen „Jungfrau (40), männlich, sucht…“-Macher Judd Apatow, erzählt von der Produktion eines Fantasystreifens im ersten Jahr der Pandemie. Mehr denn je, so stellt ein Text dem Film voran, sei es wichtig gewesen, dem durch das Virus, sein Wirken und die Konsequenz der Isolation verunsicherten bis verzweifelten Publikum Abwechslung zu bieten.

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Schwachsinn mit Sauriern wie „Cliff Beasts“ scheint hierfür perfekt geeignet. Indes: Auch der Cast und die Crew, dazu verdammt, monatelang in einer Blase, fernab von Familie, Freunden und Halligalli zu leben, leidet schwer unter Corona. Alles beginnt schon mal mit zwei Wochen Quarantäne, und weil sich solche Phasen viruserzwungener Untätigkeit wiederholen – irgen­dwer infiziert sich immer irgendwie –, dauert der Dreh schier ewig. Sex muss man in dieser klaustrophobischen Situation zwangsläufig miteinander haben, weitere Fluchtversuche werden durch einen frisch bestellten Securitychef mit Hang zum Drakonischen unterbunden: Er lässt auf die Stars schießen.

Auf was man sich freut: Satire! - Kriegt man aber nicht

Das erwartet man: Am Anfang denkt man noch erfreut: „Satire!“ Irgendwo in England schwört der von Beginn an entnervte Produzent Gavin (Peter Serafinowicz) die Assistenten (Harry Trevaldwyn, Samson Kayo) auf ihre Aufgabe ein. „Schauspieler sind Tiere“, erklärt er ihnen, „und ihr betreut diese Tiere.“ Weitere Anweisungen: „F… sie nicht! Aber erwähnt immer ihre umwerfenden Leistungen in diesem Film. Sie müssen immerzu gelobt werden.“

Ich bin ein Star, holt mich hier raus: Irgendwer hat dem Charakterschauspieler Dieter Bravo (Pedro Pascal) eingeredet, es sei eine prima Idee, in einem Saurier-Franchise mitzuwirken. Cr. Courtesy of Netflix © 2022

Ich bin ein Star, holt mich hier raus: Irgendwer hat dem Charakterschauspieler Dieter Bravo (Pedro Pascal) eingeredet, es sei eine prima Idee, in einem Saurier-Franchise mitzuwirken. Cr. Courtesy of Netflix © 2022

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Das sind die Rollen und Darsteller: Sie – das sind der Macher Dustin („Akte X“- und „Californication“-Star David Duchovny), seine Ex, die kapriziöse Lauren (Leslie Mann), der jammerlappige Charakterschauspieler Dieter (Pedro Pascal – „Game of Thrones“, „The Mandalorian), die unsichere Carol (Karen Gillan), die Film Nummer fünf des Franchise geschwänzt hat und nach einem kolossalen Flop mit einem Nahost-Science-Fiction-Trash reuevoll zurückkehrt. Des Weiteren dabei: Der esoterische Sean (Keegan-Michael Key), der cholerische Howie (der englische Comedian Guz Khan) und der von Tiktok abgeworbene Teenie-Influencer Krystal (Iris Apatow, Tochter des Regisseurs). Eine völlig neurotische und selbstverliebte, eigentlich ziemlich lebensunfähige Bande.

Fred Armison erinnert an Bully Herbigs Winnetouch

Geleitet wird sie von einem Regisseur (Fred Armisen), der mal mit einem Kurzfilm beim Sundance Festival gepunktet hat, der sich zwischenzeitlich als Baumarkt-Hiwi verdingte und den das Studio billig angeworben hat. Armisen (zuletzt in der kurzlebigen Komödienserie „Moonbase 8″ zu sehen) spielt einen Mann von der Leidenschaft und dem Talent eines Ed Wood und sieht aus, als hätte Judd Apatow Bully Herbig vom „Schuh des Manitu“-Set weg für den Job verpflichtet.

Ein Filmemacher ohne Timing in einem – man muss es leider sagen – Film ohne Timing. In dem es unglaublich unmotivierte Füllszenen gibt, wo das Ensemble einfach sinn- und lustlos herumhüpft. Einmal singt Indie-Popstar Beck „Ladies Night“ von Kool & the Gang. Und keiner hat einen Schimmer, warum er das tut.

Judd Apatow steckte offenbar selbst in einer „Bubble“

Das ist das Problem dieses Films: Die Macher um Judd Apatow steckten offenkundig selbst in einer Blase, in der man sich vielleicht zu oft gegenseitig bejubelte, wann immer jemandem überhaupt etwas einfiel, etwa, dass einer vom „Cliff Beasts“-Cast plötzlich aussieht wie Benedict Cumberbatch, was Benedict Cumberbatch einen Cameo-Auftritt verschafft. Nicht der letzte, John Lithgow, John Cena und James McAvoy haben hier auch ihre Sekunden. Und „Star Wars“-Star Daisy Ridley kommt ins Bild: „Ich habe keine Ahnung, wieso ich hier bin“, sagt sie da. Das geht uns auch so, liebe Daisy. Wir vom Publikum haben auch keine Ahnung, wieso du hier bist, und auch nicht, wieso wir immer noch zuschauen. Lustig ist das kein bisschen.

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So ist „The Bubble“ ein drittklassiger Film darüber, wie ein drittklassiger Film entsteht. Die Mitwirkenden spielen mehr schlecht als recht schlechte Schauspieler, und vielleicht wollte Judd Apatow ja einfach mal weg von Lach- und Krachgeschichten, mit denen man ihn so in Verbindung bringt. Jedenfalls gibt es keine einzige „punchline“, die unser Zwerchfell trifft.

Wo er stattdessen hinwollte? Keine Ahnung. Angekommen ist er nicht.

„The Bubble“, Film, 121 Minuten, Regie: Judd Apatow, mit Karen Gillan, David Duchovny, Pedro Pascal, Fred Armisen (bei Netflix)

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