„Werewolves Within“: Bei Vollmond rasten nicht nur Monster aus

Kann man sich vor Werwölfen verstecken oder sind sie nicht schon längst im Haus? Sam Richardson (von unten rechts im Uhrzeigersinn), Catherine Curtin, Milana Vayntrub, Harvey Guillen, Cheyenne Jackson, George Basil and Sarah Burns in einer Szene der Horrorkomödie „Werewolves Within“.

Kann man sich vor Werwölfen verstecken oder sind sie nicht schon längst im Haus? Sam Richardson (von unten rechts im Uhrzeigersinn), Catherine Curtin, Milana Vayntrub, Harvey Guillen, Cheyenne Jackson, George Basil and Sarah Burns in einer Szene der Horrorkomödie „Werewolves Within“.

„Die Straßen sind sturmgef …“, sagt der durchgeknallte Trucker in einem Anfall von Gossenpoesie. Und die durchgeknallte Schrauberin, die mit ihm auf der kalten Seite der Hoteltür steht, und die ihren Peniskomplex mit einem Schraubenschlüssel auszuleben pflegt (wie wir eingangs erleben durften), braucht dringend ein stilles Örtchen, auch wenn sie dafür ein anderes, nicht so stilles Wort findet. Auf der warmen Seite der Hoteltür beschreit gerade die durchgeknallte, rassistische Chefin der örtlichen Ahornsirupfarm den Verlust ihres Hündchens. Der Kleine wurde von einem Angreifer mitsamt dem Leinenhaken gefressen. Wer das war? „Werewolves Within“ heißt der Film. Ist also nicht schwer zu erraten.

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Ein Werwolf braucht nicht zwangsweise einen am Himmel prangenden Vollmond, so scheint es zumindest in dieser Geschichte. Es schneit im kleinen, von hohem Nadelwald umstellten Städtchen in Vermonts Bergen, der Himmel ist bedeckt, als wir das Vieh zum ersten Mal zuschlagen erleben (nicht sehen). Noch ist nicht klar, ob er eher haarig-humanoid aussehen wird wie Lon Chaney Jr. in „Der Wolfsmensch“ (1941) oder wölfisch mit aufrechtem Gang wie David Thewlis in „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ (2003).

Dafür gibt es genug schräge Vögel in Beaversfield zum Kennenlernen. Unter anderem ist da der schießfreudige, grimmige Trapper Emerson Flint (Glen Fleshler) mit seiner Wolfsmütze – nehmen Werwölfe solche Kopfbedeckungen möglicherweise krumm?

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Der Held ist Finn, der neue Ranger. Ein schüchterner, stotternder Schwarzer, der die Freiheit der Natur liebt und den seine Freundin gerade freigegeben hat, was ihn eher befangen macht. Die hübsche Postbotin Cecily (Milana Vaynhub) könnte sich in ihn verlieben, sie ist ganz und gar nicht scheu und macht auch Anstalten, aber einstweilen muss Finn noch seinen Solostatus verinnerlichen, sich akklimatisieren (es gibt die üblichen Rassisten) und die Probleme lösen, die der Sturm bereitet hat. Internet wird gebraucht, die Notfallgeneratoren müssen zum Laufen gebracht werden. Eine Lawine hat die Hotelbewohner vom Rest der Welt abgeschnitten.

„Heiliger Biberzahn!“, entfährt es Finn, als er die blechummantelten Stromkästen von etwas wie einer riesigen Pranke zerfetzt findet. Als er den toten Gatten der gefühlsintensiven Hotelchefin Jeanine (Catherine Curtin) unter der Hotelterrasse entdeckt, wird allen klar, dass man belagert ist. Eine Biologin und Umweltschützerin (Rebecca Henderson), ein Umweltzerstörer (Wayne Duvall), ein schwules Pärchen (Harvey Guillén, Cheyenne Jackson), der Gatte der Ahornsirupmadame (Michael Chernus) und die bereits Bekannten rätseln noch eine Weile und versammeln sich erst mal im Foyer. Das Gerücht vom Werwolf verbreitet sich. Schwer zu glauben.

„Whodunnit?“ oder Das Biest ist mitten unter seinen Opfern

Bewaffnet sind aber alle in dieser recht munteren Horrorkomödie – „wir sind ja in Amerika“ – und da soll so ein Lykanthrop ruhig mal kommen. Eine „Übernachtungsparty – halt nur mit Waffen“ steht an. „Wo meine Knarre hingeht, geh ich auch hin“ – solche Sprüche fallen. Silberkugeln hat indes keiner. Und dann stellt sich heraus, dass das Biest nicht mehr wie in Disneys Film von den „drei kleinen Schweinchen“ pustend vor der Tür steht. Er scheint schon im Haus zu sein wie in Agatha Christies Dezimierungsthriller „Und dann gab‘s keines mehr“.

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Allerdings bleibt der Werwolf lange genügsam in den Schatten. Wozu sich auch die Pfoten schmutzig machen, wo doch die Einheimischen auf die Touristen anlegen, die lauten Republikaner auf die linken Lockermänner. Immer mehr zweifeln alle Überlebenden von Beaverfield an der Existenz der Bestie. Wer glaubt schon an echte Werwölfe – die gibt es doch nur in Büchern und Filmen. Eben. Und wie immer ist vor allem der Mensch dem Menschen ein Wolf.

„Werewolves within“ ist ein sympathisches, kleines Genrestück, das auf dem gleichnamigen Videospiel gründet und mit einem Love-Peace-und-Blutdurst-Plädoyer abschließt. Der Abrollfaktor anderer Genrestücke wie „Shaun of The Dead“ (2004) oder „Tucker And Dale vs Evil“ (2010) wird nicht ganz erreicht.

Und unter Lykanthrophie-Filmen ist „Werewolves Within“ nicht so märchenhaft-sinnlich wie Neil Jordans Rotkäppchen-Variante „Zeit der Wölfe“ (1984) und nicht so opulent wie John Landis‘ im Tonfall verwandtem Horrorkomödienklassiker „American Werewolf“ (1981). Aber er ist auch keine Lusche wie etwa die Stephen-King-Verfilmung „Der Werwolf von Tarker Mills“ (1985). Die (wie übrigens die überwiegende Anzahl von Werwolffilmen) echt zum Heulen ist. Ganz ohne Vollmond.

„Werewolves within“, 97 Minuten, Regie: Josh Ruben, mit Sam Richardson, Milana Vayntrub, Sarah Burns, Catherine Curtin (ab 17. Februar, bei Amazon Prime Video, Apple TV+ und anderen)

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