Nach der Karriere ist vor dem Comeback – „The Marvelous Mrs. Maisel“ geht in die vierte Runde

The Marvelous Mrs. Maisel.

The Marvelous Mrs. Maisel.

Zurück geht es ab diesem Freitag wieder in die Zeit, als die Yellow Cabs, die Taxis von New York, noch strahlten wie rollende Zitronen. Als coole Taxifahrer coole Schiebermützen trugen und in Richtung der atemberaubenden Diva und ihrer burschikosen Managerin auf dem Rücksitz fragten, wo es denn jetzt hingehen solle, man müsse sich doch mal entscheiden.

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Wir treffen Mrs. Maisel in seelisch zerrüttetem Zustand an

„Fahren Sie nur zu“, weist ihn da die hemdsärmelige Susie Myerson (Alex Borstein) an, während sich die mondäne Miriam „Midge“ Maisel (Rachel Brosnahan) lange in das Schweigen einer Sphinx hüllt, dabei aber gelegentlich aussieht, als wolle sie schreien, dann wiederholt in spitzes Gelächter ausbricht, schwer atmet, ihren zauberhaften Hut zerknüllt und aus dem Fenster wirft und ihr atemraubend schickes Kostümoberteil hinterdrein schickt.

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Die dritte Staffel hatte es nicht so gut gemeint mit der Karriere der „Marvelous Mrs. Maisel“, die am Ende wegen einiger allzu offensiver Schwulenwitze ihren Job als Anheizerin für den – schwulen – Superstar Shy Baldwin (Leroy McClain) verlor, während der restliche Tross gen Europa und gen neuer Lorbeerkränze reiste. Wie konnte man als Weiße auf die Idee kommen, einem schwarzen Mainstreampublikum eine Bemerkung über Shys „Judy-Garland-Schuhe“ zu servieren? Wie konnte man als Hete im homophoben Jahr 1960 einen Kollegen outen? Wer andere in Gefahr bringt, um seine Show aufzupeppen, der muss nicht darin umkommen, aber hat einen Ego-Crash verdient – oder?

Ein bisschen ruiniert sind die beiden Damen im Taxi denn auch, wobei Midge noch nicht weiß, dass Susie das Geld für das ihr so wichtige alte Familienapartment (nie wieder bei den reichen Schwiegereltern in Queens wohnen!) verspielt hat. Man fürchtet ein wenig, dass sich jetzt alles wiederholt, dass Staffel vier vielleicht nur ein Abklatsch der ersten wird, als Midge sich erstmals ans Mikrofon wagte, und – anders als ihr unkomischer Fremdgeh-Gatte Joel (Michael Zegen), der sich derzeit nicht traut, seinen Eltern seine neue chinesischstämmige Freundin Mei (Stephanie Hsu) vorzustellen – den Applaus bekam.

Zwei Episoden gab es nur vorab zur Sichtung, um festzustellen, ob mit der vierten Runde von Amy Sherman-Palladinos mit reichlich jüdischen Klischees und wunderbarem jüdischen Witz bestückten Serie einfach nur „Maisel 2.0″ abgeht.

Mrs. Maisel holt ihre Eltern zu sich - keine gute Idee

Jedenfalls: Grund genug für einen saftigen Nervenzusammenbruch hat Midge Maisel allemal. Und – ja – am Ende ist auch der Rock weg, steht sie tatsächlich in Unterwäsche auf dem New Yorker Trottoir, schreit wie ein Berserker und drischt mit einem Ast auf die Rollzitrone ein. Als sie dann wieder anständig bekleidet im Taxi sitzt, bricht das ganze Leid aus ihr heraus: „Ich bin noch nicht bereit, ein Fehlschlag zu sein.“

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Dann geht es zurück in die kleine Welt, in der alles begann, das New York von einst, das Sherman-Palladino mit so viel Liebe heraufbeschwört. Nach der Karriere ist vor dem Comeback. Und nach dem Geld ist vor dem Geld. Susie zieht alle Fäden, um den Zusammenbruch der Vertrauensfront zu vermeiden, das Apartment kann bezogen werden – und Midge holt ihre Eltern zu sich.

Was noch nie eine wirklich gute Idee war und Stoff für viele komödiantische Volltreffer gibt: Daddy (der hinreißende Tony Shalhoub) jedenfalls blockiert fortan das Badezimmer, schreibt seine Skripts frühmorgens in der Badewanne (um seine Frau nicht zu wecken) und korrigiert die Texte mit Midge‘ teurem Lippenstift. Und Mama (Marin Hinkle) organisiert die Küche nach Mamas Vorstellungen um, was Töchter an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt.

Midge selbst schwört sich, von jetzt an nur noch der Hauptact zu sein. „Lass uns das Business verändern“, sagt sie zu Susie. Und nutzt jede Gelegenheit zu Auftritten, um Profil und Witz zu schärfen – sogar bei einem kurzen Aufenthalt in einer Gefängniszelle unterhält sie die Mithäftlinge.

Zurück in der Welt der zartrosafarbenen Kochtöpfe

Ist jedenfalls schön, wieder einzutauchen in die Welt der mintfarbenen Wandtelefone und der Kochtöpfe in zartem Rosa. Die Ausstatter haben das Jahr 1960 neu auferstehen lassen und man erfreut sich an jedem Küchenstuhl und jeder Deckenlampe. Die Karussellstadt von Coney Island leuchtet kunterbunt und ein Familientalk, der über mehrere Kabinen des Riesenrads hinweg geführt wird, gehört zu den Königsszenen, die Sherman-Palladino für ihre Stand-up-Comedienne-Serie geschrieben hat. Dazu brasst Big-Band-Jazz, wird Countryschmalz gejodelt („I‘m so lonesome, I could cry“) und Barrett Strong lässt seinen Rhythm‘n‘Blues grooven: „Now give me money, that‘s what I want …“

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Nur dass Mrs. Maisel etwas anderes will als Geld – sie will gehört werden, will der weibliche (in der Serie von Luke Kirby gespielte) Lenny Bruce werden, der König des Tabubruchs – mindestens. Dafür klappert sie die alte Nachbarschaft ab, verteilt Karten an Schneider, Bäcker, Liftboys, macht richtig Maisel-Alarm. Ja, das alles ist schon irgendwie Maisel 2.0, aber dennoch funkensprühend – man möchte keine Minute davon missen.

„Eine Stimme ist eine mächtige Sache“, sagt Midge auf der Bühne. Aber: „Eine Stimme kann gar nichts, wenn du deinen Mund geschlossen hältst.“ Natürlich kann man ob seiner Stimme aber auch mit Auftrittsverboten überzogen werden wie im Fall Lenny Bruce, der am Ende seiner Karriere und seines viel zu kurzen Lebens praktisch keine Bühne in den USA mehr betreten durfte. Aber das wird unserer Heldin nicht passieren, oder? Weiter so, Mrs. Maisel!

„The Marvelous Mrs. Maisel“, Staffel 4, acht Episoden, von Amy Sherman-Palladino, mit Rachel Brosnahan, Alex Borstein, Michael Zege, Tony Shalhoub (ab 18. Februar bei Amazon Prime Video).

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