„Texas Chainsaw Massacre“ – Blutbad-Remake bei Netflix

Rache für Mama: Taucht dieser Schatten in der Einfahrt auf, gibt es nur eins – laufen! Eine Szene aus "Texas Chainsaw Massacre".

Rache für Mama: Taucht dieser Schatten in der Einfahrt auf, gibt es nur eins – laufen! Eine Szene aus "Texas Chainsaw Massacre".

Der gute Rat des Tages: Wenn du zu Leatherface gehst, vergiss die Kotztüte nicht. Der Mann mit der Kettensäge ist wieder da, eine der berühmtesten Figuren des Horrorfilms (Subgenre Slashermovie). Damals, 1974, im Jahr, als Abba den ESC gewannen, erlebte eine Teenagertruppe in Tobe Hoopers Originalfilm „The Texas Chainsaw Massacre“ ihr Waterloo in der Hinterwäldlerzone von Texas. Nur eine junge Frau überlebte den Amoklauf eines irren Mörders.

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Und jetzt wird in David Blue Garcias Sequel, dem nur das „The“ im Titel fehlt, nicht Hippies sondern der Generation Z das Fürchten gelehrt. Melody (Sarah Yarkin), ihre jüngere Schwester Lila (Elsie Fisher) und ihre Freunde Dante (Jacob Latimore) und Ruth (Nell Hudson) wollen aus einem komplett heruntergelutschten texanischen Städtchen eine prosperierende Gemeinde machen. Ein Bus voller Investoren wird erwartet, eine Lotterie steht bevor.

In einem der Häuser jedoch lebt eine wundersame, ältliche Frau (Alice Krige), die behauptet, ihr Anwesen gar nicht verkauft zu haben. Eine bullige Gestalt erscheint als Schatten im Treppenhaus. „Das ist mein Jüngster“, stellt ihn die Frau vor – bevor sie der Schlag trifft und sie auf dem Weg ins Krankenhaus stirbt.

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Leatherface will seine Mutter rächen

Der nicht wirklich junge Hüne (Mark Burnham), der sich bislang im Haus versteckt hielt, hält Mamas Händchen. Und als dieses erkaltet, schaltet er sofort in den Rachemodus. Alle im Polizeiauto sind des Todes, aus Mutterns Gesicht macht er sich erst mal eine furchterregende neue Maske. Und wenn es in diesem Film eine schauspielerische Leistung gibt, die erwähnenswert ist, dann ist es Nell Hudson, die auf dem Beifahrersitz eine Vorstellung von dem gibt, was es heißt, wirklich Angst zu haben.

Der Mörder kehrt ins Kaff zurück. Er nutzt erst mal Messer und Beil, um die Leute dorthin zu schicken, wo seine Erzeugerin schon ist. Und es dauert nicht lange, da findet der ungeschlachte Leatherface auch sein altes Lieblingsspielzeug wieder. Die Kettensäge brüllt auf und in der Folge erweist sich Junior erneut als Musketier der kraftstoffbetriebenen Klinge. Weggucken ist fürs Publikum bald besser als Zuschauen.

Der beste Moment: Instinktiv werden die Handys gezückt

Die beste Szene: Leatherface betritt den Investorenbus, in dem die ahnungslosen Städtesanierer eine kleine Party feiern. Die Instinkte der digital Degenerierten reichen allerdings nicht mehr aus, um die tödliche Gefahr eines Mannes mit Kettensäge sofort zu durchschauen. Alle halten erst mal ihr Handy hoch, um den ungebetenen Gast zu filmen. Wertvolle Sekunden verstreichen.

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Als es keine Hoffnung mehr zu geben scheint, lädt Sally (Olwen Fouéré) ihr Gewehr durch und macht sich auf den Weg. Seit 50 Jahren wartet die inzwischen alte Lady darauf, Rache an dem Mörder ihrer Freunde zu nehmen. Ihr Blick ist der siegessichere eines erfahrenen Trappers, der weiß, dass er schlauer ist als der Bär. Naja, der glaubt, er ist schneller als der Bär. Aber wer je einen Grizzly im Turbo gesehen hat, der wettet nicht auf den Jäger: Keine Chance, Sally, auch wenn es vielleicht gerecht wäre.

Inspiriert wurde die Figur vage von dem kannibalischen Serienmörder Ed Gein, einem Horrorexemplar des Typus Homo Americanensis. Und, ja, das blutige Treiben ist irgendwie auch die Vergeltung des unterprivilegierten Amerika an den Schnöseln, die alle Fäden in de Hand zu haben glauben. Leatherface‘ alte Dame, so stellt Melody fest, wurde übers Ohr gehauen. „Ich bin raus!“, leitet sie sogleich ihren Ausstieg aus dem unmoralischen Immobiliengeschäft ein. Aber das entfesselte Ungeheuer unterscheidet nicht mehr, ob da jemand nett ist und Skrupel hat.

Das Remake von 2004 bescherte Leatherface ein Comeback

Prequels, Sequels und Neuverfilmungen des Stoffs gab es zuhauf. Insgesamt umfasste die TCM-Reihe vor dem Netflix-Streifen acht Filme. Tobe Hoopers holprigem Splatterklassiker, der in Deutschland unter dem Titel „Blutgericht in Texas“ lief, hatte beim Remake 2004 schon der Frankfurter Regisseur Marcus Nispel einen glatteren Look verpasst. „Michael Bay‘s Texas Chainsaw Massacre“ hieß der Film und war wohl der aufsehenerregendste seit dem Original, der „Pearl Harbor“-Regisseur war aber „nur“ Produzent.

2007 erhielt das Ungeheuer eine Biografie

Was wir drei Jahre später in „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning“ erfuhren, verwunderte nicht – dass der missgestaltete, hinterwäldlerische Serienmörder in einem Schlachthaus geboren, in der Schule veräppelt, und durch allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang und dadurch verursachte Arbeitslosigkeit zum Menschenschlächter wurde. Man hatte sich schon so was Ähnliches gedacht.

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Das neue biografische Wissen schwächte aber eine Figur, deren unerklärtes Irresein zuvor ihren Schrecken gemehrt hatte. Sonst? Zwei Teenagerpärchen kamen des Wegs und verhielten sich wie vorbildliche Opfer. Hat man einen TCM-Film gesehen, kennt man alle. Auch hier wurde alles – wie beim neuesten Film – in allerbester Bildqualität erbracht. Aber es waren gerade die mürben Bilder, die miese Optik, die den Schrecken des Originals erzeugt hatten.

Problem: Die Charaktere sind kaum mehr als Skizzen

Das größte Problem von TCM 2022 sind allerdings die Figuren. Kein Opfer des Mörders ist mehr als eine flüchtige Skizze, niemand bietet dem Zuschauer so viel Identifikationspotenzial, dass er gleichermaßen um ihn bangt wie das Monster in ihm Abscheu erregt.

Und Leute, die sich superdumm verhalten, nur um in eine Zweikampfsituation mit dem Monster zu kommen, werden nicht mehr bedauert. Ob es dieses Netflix-Blutbads bedurft hätte, sei dahingestellt, ein „Texas Nervensägen Massaker“ aber braucht kein Mensch.

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„Texas Chainsaw Massacre“, Film, 81 Minuten, Regie: David Blue Garcia, mit Sarah Yarkin, Elsie Fisher, Mark Burnham (streambar bei Netflix).

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