Dschungelcamp 2022: von vermeintlichen Rittern, Kudu-Penissen und wenig „Kasalla“

Filip Pavlovic (links) und Manuel Flickinger sind die Favoriten auf die Krone.

Filip Pavlovic (links) und Manuel Flickinger sind die Favoriten auf die Krone.

Liebes TV-Publikum, wir müssen reden! Was war denn bitte das? Da setzt RTL uns Trashfans den besten Cast aller Zeiten in den Dschungel, mit einem riesigen Unterhaltungs­potenzial, und mit der ersten Möglichkeit, die sich dem Publikum bietet, wird das zerstört? WAS IST LOS MIT EUCH? Keine Lust mehr auf Konfro und „Kasalla“, oder wie?

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Fangen wir noch einmal von vorne an. Es ist der 21. Januar 2022 und es wird TV-Geschichte geschrieben. Denn erstmals lässt RTL „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“, kurz IBES, nicht in Australien drehen, sondern in Südafrika. Weil Australien coronabedingt nach wie vor keine Menschen einreisen lässt, die nicht Novak Djokovic heißen oder anderweitig mindestens einen Tennisschläger gerade halten können, musste ein Ausweich­quartier her: Südafrika. Dass das als Dschungel­camp geeignet ist, zeigt Australien seit Jahren: Die australische Produktion wird nämlich dort, am Blyde River Canyon, unweit des Krüger-Nationalparks, gedreht.

Dschungelcamp in Südafrika: Kudupenis und Warzenschweinhoden statt Känguru

Doch für die „Man kennt mich aus ...“-Stars ging es natürlich nicht um Löwe, Nashorn, Giraffe und Co., sondern um Kakerlaken, Spinnen, Ratten, Schlangen, Warzenschwein­hoden, Kudupenisse und Fisch­augen – mal lebendig, mal tot, mal püriert, mal als Mutprobe, mal als Gourmetspeise. Also alles fast wie immer. Aber eben auch nur fast.

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Nach einer wegen Corona ausgefallen IBES-Staffel waren es 2022 erstmals nur elf Kandidatinnen und Kandidaten, die in den Dschungel (psssst, ist in Wahrheit gar keiner!) zogen. Christin Okpara wurde vorab von RTL rausgewählt, weil sie mit einem wohl nicht ganz so echten Impfpass unterwegs war, dafür zog Ersatz­kandidatin (also quasi die B-Liga der B-Liga der Stars) Jasmin Herren ein. Lucas Cordalis, Favorit auf die Dschungel­krone, fing sich in Südafrika sodann Corona ein, ebenso wie der zweite Ersatzkandidat, Sänger Cosimo Citiolo, der noch in Deutschland positiv getestet wurde und damit gar nicht erst nach Südafrika reisen durfte.

Rassismuseklat von Janina Youssefian überschattet erste Dschungelwoche

Zu elft war die Truppe im Dschungel aber auch nicht lange. Erst zum dritten Mal ist zwar kein Star freiwillig oder aus medizinischen Gründen aus dem Camp und damit auch aus der Sendung genommen worden, wohl aber, weil es da einen nicht ganz so kleinen Eklat gab. Ein hässlicher Streit zwischen Dauerzofferin Linda Nobat und einer nie ganz anwesend wirkenden Janina Youssefian ließ Letztere rassistische Beleidigungen gegenüber der schwarzen Mitcamperin äußern. Sie wurde von RTL – begleitet von dem Applaus der restlichen Truppe – bereits am 24. Januar aus dem Dschungelcamp und direkt in den Flieger zurück nach Deutschland befördert.

Erstmals in der Geschichte reagiert RTL so konsequent auf ein Verhalten in einer laufenden Sendung. So wurde einst zwar DJ Tomekk aus dem Camp genommen – allerdings weil ein Video aufgetaucht war, das in Australien im Hotel aufgenommen worden war, kurz vor dem Einzug, und ihn – auch wenn er an einem plötzlichen Anflug von Demenz litt – den Hitlergruß zeigend zeigte. Hat RTL also von der harschen Kritik der Zuschauer und Zuschauerinnen nach den Mobbing­vorfällen im „Sommerhaus der Stars“ gelernt? Auf den ersten Blick vielleicht. Auf den zweiten könnte es wohl doch auch oder sogar eher damit zu gehabt haben, dass Youssefians Spruch in Südafrika strafrechtlich relevant ist.

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Linda Nobat: eine Frau wie ein Geysir

Ansonsten aber präsentierte RTL das unterhaltsamste Camp ever, ever, ever – zumindest zum Start. Da war die personifizierte schlechte Laune, Anouschka Renzi. Da war die dauer­verliebte österreichische Influencerin Tara Tabitha beim Balztanz. Da war Janina Youssefian, die mit ihrer Mir-doch-egal-Haltung die Teilnehmer und Teilnehmerinnen um den Verstand brachte. Da war Linda Nobat, die wie der isländische Geysir Strokkur immerzu brodelte und im Minutentakt ausbrach, wobei keiner so genau wusste, warum denn jetzt genau zu diesem Zeitpunkt. Und da war Tina Ruland, die Anouschka Renzi durch bloße Anwesenheit provozierte, vor allem aber durch ihre permanente Anrede mit „Meine Liebe“.

Leute – ist euch bewusst, was für ein Eskalations­potenzial diese Staffel hatte? Wie viel Konfro und Kasalla möglich gewesen wären? Was Hunger und Schlafentzug aus dieser Mischung gemacht haben könnten?

Dschungelcamp 2022: alle Frauen raus, alle Männer drin

Aber nein, ihr wolltet es ja so. Statt für Linda, Anouschka und Tina anzurufen, zogt ihr es vor, den bis dato nahezu unsichtbaren Manuel Flickinger, Eric Stehfest (der bisweilen wohl eher 1311 als Ritter unterwegs war, als im Camp präsent zu sein) und Peter Althof eure Stimmen zukommen zu lassen. Und nun sitzen wir da also an Tag 15 und haben alle Frauen, aber keinen einzigen Mann rausgewählt.

Was auch bedeutet, dass den Männern eher verziehen wurde als den Frauen. Da wäre nämlich beispielsweise Eric Stehfest – noch nie in der Geschichte hatten ein Dschungel­camper oder eine Dschungel­camperin ihren Egoismus derart zur Schau gestellt wie er. Aber offenbar ist man auch im Camp irgendwie harmonie­süchtig geworden, denn statt voller Eskalation gab es die große Versöhnung. Und auch das TV-Publikum war mild: Eric Stehfest, der Mann, der sich in eine Dschungel­prüfung wählen ließ, um diese zu verweigern, weil er kein Essen für die anderen Bewohner und Bewohnerinnen erspielen wollte, weil diese möglicherweise nicht ganz ehrlich zu ihm waren und weil die ihn sowieso nicht leiden konnten, ja, dieser Mann ist noch immer im Camp.

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IBES-Publikum: Den Männern wird verziehen, den Frauen nicht

Und auch Harald Glööckler, der Favorit nach dem Nichteinzug von Lucas Cordalis, der gern pompös gewesen wäre, aber dabei halt doch nur ein alter Mann mit aufgemalten Haaren ist, der viel zu überzeugt von sich selbst ist, ist noch am Start. Mag seine Haltung in den ersten Tagen noch amüsant gewesen sein, zeigt sich doch mittlerweile ein nicht so netter Charakterzug: Er ist überzeugt, dass die anderen Camper und Camperinnen sich nicht mit ihm anlegen, weil alle wissen, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen das bestrafen würden. Weil er der Bekannteste, Tollste sowie Beste ist. Und deshalb muss auch er, im Gegensatz zu anderen, gar nicht erst in eine Dschungelprüfung und sich dreckig machen – denn es ist zwar völlig okay, als Vegetarier und oberster Tierschützer der Nation, der sogar von seinem Hund Post bekommt, Garnelen und Lachs zu essen, aber keinesfalls okay, in Innereien der solchen zu baden.

Harald Glööckler und Anouschka Renzi verweigerten am Donnerstag die Dschungelprüfung – sie wurde von den Zuschauern und Zuchauerinnen rausgewählt.

Harald Glööckler und Anouschka Renzi verweigerten am Donnerstag die Dschungelprüfung – sie wurde von den Zuschauern und Zuchauerinnen rausgewählt.

So ist das also im Jahr 2022 mit dem Dschungelcamp. Wir müssen nun also weiterhin dem Gedankenwahn von Eric Stehfest zuhören, dem einst pompösen Harald Glööckler beim Verfall zusehen und Peter Althofs Witze ertragen, die ziemlich schlecht sind, aber nicht so schlecht wie die bei der Neuauflage von „7 Tage, 7 Köpfe“. Bleiben für den Thron eigentlich nur zwei übrig: Ex-Bachelorette-Teilnehmer Filip Pavlovic, der den Reichstag nach München und den schiefen Turm von Pisa nach Venedig versetzt hat, und Ex-Prince-Charming-Teilnehmer Manuel Flickinger, der seine Brieffreundin und sowieso alle in seinem Dorf namentlich grüßt. Beide redselig, der eine mutig und mit leichten Machozügen, der andere mutig und einfach zu lieb.

Beide wären wohl völlig untergegangen in diesem Camp 2022, wenn die Zuschauer und Zuschauerinnen die Frauen nicht so abgestraft hätten. Doch nun sind sie die großen Favoriten auf die Krone. Aber wer weiß, was ihr da jetzt wieder entscheidet bis zum großen Finale am Samstagabend. In diesem Jahr scheint alles möglich.

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