TV-Kritik

„Erzgebirgskrimi: Tödliche Abrechnung“: Mord am Textil-Start-up-Gründer

Kommissar Winkler (Kai Scheve, M) und Kommissarin Szabo (Lara Mandoki, l) befragen Professor Doktor Sybille Köhler (Sophie von Kessel).

Kommissar Winkler (Kai Scheve, M) und Kommissarin Szabo (Lara Mandoki, l) befragen Professor Doktor Sybille Köhler (Sophie von Kessel).

Im umfangreichen Arsenal der Regionalkrimis des öffentlich-rechtlichen Fernsehens konnten die Erzgebirgskrimis mit ein paar Alleinstellungsmerkmalen punkten. Nicht nur auf eine eindrückliche Landschaft, sondern auch auf zahlreichen Mythen und Traditionen der Bergwerksregion sowie die DDR-, Wende- und Nachwendehistorie konnte man hier zurückgreifen.

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Die erste Leiche der ersten Folge im November 2019 wurde natürlich in einem alten Bergwerksstollen gefunden. Die Ermittlungen führten zu den Machenschaften eines internationalen Rohstoffkonzerns, aber auch in die Geschichte der „Wismut“, wo zu DDR-Zeiten Uranerz für das sowjetische Atomprogramm abgebaut wurde.

Nach „Verhängnisvolle Recherche“ geht es wieder bergab

Seit der zweiten Folge ermitteln Robert Winkler (Kai Scheve) und seine deutsch-ungarische Kollegin Karina Szabo (Lara Mandoki), wobei die Qualität der Drehbücher schon bald nach dem vielversprechenden Auftakt nachgelassen hat. Erst im Februar 2022 nahm die Serie mit „Verhängnisvolle Recherche“ wieder Fahrt auf. Hier wurde auf der horizontalen Erzählebene, die über mehrere Episoden die traumatischen Erlebnisse des aus Bremen ins Erzgebirge heimgekehrten Kriminalisten aufdröselte, Winkler selbst zum Tatverdächtigen. Nach so viel ungewohnter Aufregung zeigt der Erzgebirgskrimi nun in seiner neuen Folge „Tödliche Abrechnung“ deutliche Burn-out-Symptome.

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Am Fuße des Geierbergs liegt die Leiche eines abgestürzten Kletterers. Das tüchtige Ermittlungsduo findet im Verein mit der neuen, kecken, deutsch-russischen Rechtsmedizinerin Dr. Elena Kulikova (Masha Tokareva) und Polizeitechniker Maik (Adrian Topol) schon bald heraus, dass die Leiche vor dem Absturz bereits mehrere Tage eingefroren war.

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Mord an dem Gründer eines Textil-Start-ups

Für den Mord an dem Gründer eines Textil-Start-ups, Dr. Lenhard Hellmann (Robin Sondermann), kommt ein ganzer Strauß an Verdächtigen infrage. Der hochbegabte Wissenschaftler war kurz vor dem Durchbruch für eine neuartige Spezialfaser, die im medizinischen Bereich weltweite Absatzmärkte versprach. Neben den drei Firmengründerinnen und -gründern verfügen auch die Universitätsprofessorin Prof. Dr. Sybille Köhler (Sophie von Kessel) und der örtliche Textilunternehmer Bernd Lauber (Jörg Pose) über handfeste Tatmotive. Zudem hatten offensichtlich alle weiblichen Mitglieder des Verdächtigenclubs – wie originell – eine Affäre mit dem supercharismatischen Überflieger.

Kommissar Winkler lässt mit gewohnter, aber auch ermüdender Gründlichkeit einen Ermittlungsschritt auf den nächsten folgen. Diese werden mit Kollegin Szabo noch einmal ausführlich erörtert für den Fall, dass mal jemand zwischendrin Knabberzeugs holen war oder vielleicht auch eingenickt ist. Da hat es Drehbuchautor Rainer Jahreis dann doch ein wenig übertrieben mit der Endverbraucherfreundlichkeit.

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Overacting-Einlagen von Nebendarstellern

Viele der Dialogpassagen sind hier ein klarer Fall von Zeilenschinderei in einem auch für das deutsche Fernsehen ungewohntem Ausmaß. Dass einige Nebendarsteller durch Overacting-Einlagen Schwung in die Angelegenheit bringen wollen, ist verständlich, erweist sich jedoch als wenig zielführend. Etwas zusammenhanglos wird ins übersichtliche Ermittlungsgeschehen dann noch eine zweite Erzählebene eingezogen, in der die Revierförsterin Saskia Bergelt (Teresa Weißbach) mit einer traumatischen DDR-Fluchtgeschichte aus Kindertagen konfrontiert wird.

Die schon seit einigen Folgen vorsichtig eingeführte Romantikoption zwischen Kommissar und Forstbeauftragten köchelt auch hier weiter im Slow-burn-Modus ereignislos vor sich hin. Auf der Horizontalen tut sich in diesem Erzgebirgskrimi also kaum etwas, aber auch mit dem Lokalkolorit wird wenig gearbeitet. Von der früheren Textilhochburg Chemnitz wird zwar als „Manchester des Ostens“ geredet, aber die Bilder aus der Kulturhauptstadt 2025 wirken wenig stimmungsvoll und recht beliebig.

„Erzgebirgskrimi: Tödliche Abrechnung“ läuft am 13. August ab 20.15 Uhr im ZDF.

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