Miniserie „Die letzten Tage des Ptolemy Grey“: Faust’scher Pakt für einen Demenzkranken

In „The Last Days of Ptolemy Grey“ spielt Samuel L. Jackson einen Demenzkranken.

In „The Last Days of Ptolemy Grey“ spielt Samuel L. Jackson einen Demenzkranken.

Auf dem Fußboden stapeln sich Bücher und Zeitungen zu meterhohen Türmen. Stühle, Lampen, Körbe und ein alter Deckenventilator liegen kreuz und quer übereinander. In der Küche huschen ein paar Kakerlaken durch das schmutzige Geschirr. An der Wand im Flur hängen Fotos von der Verwandtschaft. Auf jedem Bild ein Klebeband mit dem Namen. Denn Ptolemy Grey (Samuel L. Jackson) kann sich nicht mehr an sie erinnern.

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Er leidet an einer weit fortgeschrittenen Demenz. Was gestern, heute früh oder gerade eben geschehen ist, hat er bereits vergessen. Die Bilder aus der ärmlichen Kindheit in Mississippi oder von den glücklichen Tagen mit seiner Ehefrau Sensia (Cynthia Kaye McWilliams) durchfluten seine Tagträume und lassen die Gegenwart verschwimmen.

Ptolemys Großneffe wird ermordet

Von all den Gesichtern an der Wand im Flur trifft er nur noch seinen Großneffen Reggie (Omar Benson Miller). Im Gegensatz zu den anderen in der Familie hat dieser die Geduld und Zuneigung zu dem Großonkel nicht verloren. Aber dann bleiben seine Besuche plötzlich aus, und ein paar Wochen später wird Ptolemy zu Reggies Beerdigung abgeholt.

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Erst jetzt erfährt er von dessen Ermordung und verliert den Boden unter den Füßen. Die 17‑jährige Robyn (Dominique Fishback) wird dazu verdonnert, den verwirrten Alten wieder nach Hause zu bringen. Als das elternlose Mädchen wenige Tage später vor die Tür gesetzt wird, quartiert sie sich aus Verzweiflung bei „Onkel“ Ptolemy ein, putzt die Wohnung und kümmert sich gegen Kost und Logis um den Demenzkranken.

Vom Zweckbündnis zur liebevollen Freundschaft

Aus dem Zweckbündnis entwickelt sich eine liebevolle Freundschaft. Alles verändert sich, als Ptolemy an einer medizinischen Studie teilnimmt. Das neue Medikament könnte ihm seinen klaren Verstand für einige Wochen zurückbringen, bevor er wieder in eine möglicherweise schlimmere Demenz zurückfällt.

Der Erkrankte lässt sich auf den Faust’schen Pakt ein. Und so beginnt für Ptolemy und Robyn eine Reise in die Erinnerung, die nicht nur traumatische Erlebnisse, vergangene Glücks­momente, einen wertvollen Schatz und ein Vermächtnis hervorbefördern, sondern auch die Spur zu Reggies Mörder.

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Jackson erfolgreich als Hollywoodstar

Neben Denzel Washington gehört Samuel L. Jackson zu den erfolgreichsten afro­amerikanischen Stars in Hollywood und gilt spätestens seit „Pulp Fiction“ als wahre Filmikone. Aber in den letzten Jahren hat er es sich mit der gut bezahlten Nebenrolle des Nick Fury allzu sehr in der Marvel-Ecke bequem gemacht. In der Miniserie „Die letzten Tage des Ptolemy Grey“ auf Apple TV+ nach dem Roman von Walter Mosley kann Jackson sein ganzes schauspielerisches Können unter Beweis stellen. Mit großer Überzeugungskraft taucht er in die Albträume und Ängste des Demenzkranken ein.

Aber im Gegensatz zu anderen Alzheimer-Dramen – wie etwa zuletzt „The Father“ mit dem oscarprämierten Anthony Hopkins – erzählt „Ptolemy Grey“ nicht vom galoppierenden Verfall. Vielmehr wird hier mit einer Plotwendung, die nah ans Mystery-Genre heranreicht, die Persönlichkeit des Erkrankten rekonstruiert, der für eine begrenzte Zeit die Chance bekommt, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen. Und so vermittelt sich über die sechs Epi­soden der reichhaltige Erfahrungshorizont eines neunzigjährigen Afroamerikaners, der als Kind hilflos zusehen musste, wie sein geliebter Ersatzvater gelyncht wurde.

Generationsübergreifende Freundschaft

Aber das eigentliche Herz der Serie ist die Entstehung der generationsübergreifenden Freundschaft zwischen dem Demenzkranken und der beherzten Robyn. Die 30-jährige Dominique Fishback („Judas and the Black Massiah“) spielt ganz auf Augenhöhe und in bester Chemie mit dem Vollprofi Jackson.

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„Die letzten Tage des Ptolemy Grey“ ist ab dem 11. März bei Apple TV+ streambar.

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