Neues Bundesregister:

So viel Geld investiert Volkswagen pro Jahr in Lobbyarbeit

Wie viel lässt sich Volkswagen seine Lobbyarbeit kosten? Das verrät das neue Lobbyregister.

Wie viel lässt sich Volkswagen seine Lobbyarbeit kosten? Das verrät das neue Lobbyregister.

Wolfsburg. Das Wort „Lobbyisten“ ist in den vergangenen Jahre besonders in Zusammenhang mit Wirtschaftsunternehmen beinahe so etwas wie ein Schimpfwort geworden. Just in diesen Tagen geht nun in Deutschland das neue Lobbyregister an den Start. Auf der freizugänglichen Datenbank ist einzusehen, wieviel Aufwand Unternehmen aber auch Organisationen und Verbände betreiben, um ihre Interessen bei Bundestagsabgeordneten und der Bundesregierung zu hinterlegen. Volkswagen spielt dabei ganz klar in der obersten Liga.

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Der Autobauer lässt sich die politische Kontaktpflege zu Mitgliedern von Bundestag und Bundesregierung laut seinem ersten Eintrag in das neue Lobbyregister derzeit 6,5 Millionen Euro jährlich kosten – und damit beispielweise rund 2,5 Millionen Euro mehr als Konkurrent Mercedes Benz.

Töchter wie Audi geben zusätzlich Geld aus

Auch personell ist der Aufwand riesig: Der Autohersteller hat 52 konkret so benannte Interessenvertreter. Zählt man noch Beschäftigte in unterstützenden, nicht hauptamtlichen Funktionen hinzu, „deren Arbeitsergebnisse zum Teil direkt und zum Teil mittelbar“ Lobbying-Aufgaben dienen, sind es insgesamt gut 350 Personen – darunter fallen zum Beispiel Kolleginnen und Kollegen aus der Forschung und Entwicklung. Dies geht aus Angaben hervor, die VW jetzt in das digitale Verzeichnis einstellte.

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Wer den Kontakt zu Abgeordneten pflegt, der muss den Aufwand dafür im neuen Register öffentlich machen.

Wer den Kontakt zu Abgeordneten pflegt, der muss den Aufwand dafür im neuen Register öffentlich machen.

Die Daten beziehen sich dabei „nur“ auf die zentrale Konzernverwaltung der VW AG, die Kernmarke Volkswagen Pkw, die leichten Nutzfahrzeuge und die internen Zulieferwerke. Lobbyaktivitäten weiterer Töchter sind darin nicht enthalten. So gibt beispielsweise Audi aktuell rund 2,6 weitere Millionen für Lobbyarbeit aus, bei Luxus-Tochter Porsche sind es nochmals etwas mehr als 1 Million Euro und selbst die Finanzsparte VW Financial Services steckt gut 680.000 Euro in die Vertretung ihrer Interessen.

VW erhielt 16,5 Millionen Euro an Fördergeldern

Der Chef der VW-Außenbeziehungen: Thomas Steg.

Der Chef der VW-Außenbeziehungen: Thomas Steg.

Der Chef der VW-Außenbeziehungen und frühere Regierungssprecher Thomas Steg bemüht sich um Relativierung. Die Gesamtgruppe enthalte etliche Personen, die nur einen geringen Teil ihrer Arbeitszeit auf das Lobbying verwenden, erklärte er. Der innere Kreis der direkten, namentlich aufgeführten Vertreter von Konzerninteressen umfasse 13 Kolleginnen und Kollegen aus seiner Abteilung, ebenso viele Vorstände sowie sieben Betriebsratsvertreter.

In dem neuen Register müssen Organisationen außerdem offenlegen, wie viel Geld sie aus öffentlichen Fördertöpfen erhalten. Im Fall der VW AG waren dies im vergangenen Jahr demnach rund 16,5 Millionen Euro. Die Summe teilte sich auf 48 einzelne staatliche Programme auf. Dem Unternehmen zufolge gab es keine Spenden an politische Parteien. Die Lobbying-Ausgaben hätten etwa anteilige Personalkosten und Mitgliedsbeiträge umfasst, auch manche Reise- oder Mietkosten.

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VW begrüßt das Lobbyregister

Volkswagen berichtete, man habe zuletzt insgesamt 82 mitteilungspflichtige Mitgliedschaften in relevanten Verbänden wie dem mächtigen VDA unterhalten. Den großen Einfluss von Organisationen der Autobranche in der deutschen und europäischen Gesetzgebung beispielsweise zu Abgaswerten sehen Umweltschützer äußerst kritisch.

Das öffentlich einsehbare Lobbyregister war zum Jahresbeginn an den Start gegangen. Es füllte sich zunächst nur langsam, bis Anfang März ist Zeit dafür. Der Datensatz soll sichtbar machen, welche privaten und institutionellen Akteure politische Entscheidungen beeinflussen.

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Dass man den eigenen Eintrag erst kurz vor dem Ablauf der Frist fertigstellen konnte, begründeten die Wolfsburger mit der aufwendigen Recherche der nötigen Detailangaben. Man habe dabei jedoch auch auf Erfahrungen und Abläufe etwa aus den konzerninternen Ermittlungen zur Aufarbeitung des Dieselskandals seit 2015 zurückgreifen können. Zu dem Register selbst meinte Steg: „Wir begrüßen es ausdrücklich. Es ist überfällig und außerordentlich sinnvoll - so ein Verhaltenskodex hilft, zur Versachlichung und Transparenz beizutragen. Interessenvertretung ist in einer Demokratie etwas Elementares.“

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Von Steffen Schmidt

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