Hauptversammlung

Volkswagen-Chef Herbert Diess warnt vor „Blockbildung“ im Zuge des Ukraine-Kriegs

Warnte vor erneuter Blockbildung im Zuge des Ukraine-Kriegs: Herbert Diess.

Warnte vor erneuter Blockbildung im Zuge des Ukraine-Kriegs: Herbert Diess.

Wolfsburg. Autos könnten noch teurer werden, die Versorgung mit knappen Teilen dürfte sich aber selbst bei einem längeren Krieg in der Ukraine etwas entspannen. Diese Erwartungen der VW-Spitze an den Jahresverlauf wurden auf der Hauptversammlung am Donnerstag klar.

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Insgesamt bleibt die Lage für das größte deutsche Unternehmen jedoch riskant, wie Vorstände und Aufseher bei dem aus Berlin übertragenen Online-Aktionärstreffen betonten. Neben kritischen Fragen etwa zur Klimastrategie, Kontrolle interner Regeln, zum Rohstoffeinkauf und zur Beachtung von Menschenrechten ging es auch um den Blick voraus.

Weitere Preismaßnahmen sind nicht ausgeschlossen

Die mit dem Ukraine-Konflikt verbundene Gefahren von noch teurerer Energie, größeren Zerstörungen und gekappten Lieferketten drohen die Kosten für Endkunden ebenso zu erhöhen. Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann sagte dazu: „Wir haben Preismaßnahmen in unterschiedlichen Märkten gestartet.“ Auf die Frage, ob die Volkswagen-Gruppe ihre gestiegenen Beschaffungskosten ab einem gewissen Niveau womöglich nicht mehr weitergeben könnte, meinte sie: „Es ist derzeit nicht auszuschließen, dass weitere Preisschritte nötig werden.“ In Deutschland seien die Lieferzeiten zudem gerade oft sehr lang. Ähnlich äußerte sich Finanzchef Arno Antlitz. Er wies darauf hin, dass es nötig sei, „eine wettbewerbsfähige Rendite zu bekommen“.

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Hauptversammlung bei VW: (v.l.) Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch, Personalvorstand Gunnar Kilian, IT-Vorständin Hauke Stars, Bescaffungsvorstand Murat Aksel, Porsche-Chef Oliver Blume, Finanzvorstand Arno Antlitz, Konzern-Chef Herbert Diess, Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann, Kernmarkenchef Ralf Brandstätter, Rechtsvorstand Manfred Döss, Audi-Chef Markus Duesmann und Technikvorstand Thomas Schmall.

Hauptversammlung bei VW: (v.l.) Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch, Personalvorstand Gunnar Kilian, IT-Vorständin Hauke Stars, Bescaffungsvorstand Murat Aksel, Porsche-Chef Oliver Blume, Finanzvorstand Arno Antlitz, Konzern-Chef Herbert Diess, Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann, Kernmarkenchef Ralf Brandstätter, Rechtsvorstand Manfred Döss, Audi-Chef Markus Duesmann und Technikvorstand Thomas Schmall.

Wegen der Probleme in der Chipversorgung verknappte sich die Menge der auslieferbaren Neufahrzeuge schon vor Kriegsbeginn Ende Februar. Viele Verbraucher wichen auf Gebrauchtwagen aus – was auf diesem Markt ebenfalls Preisschübe auslöste. Das Oberklasse-Geschäft läuft derweil auch im VW-Konzern gut, Halbleiterreserven leitete die Führung 2021 über weite Strecken überdies häufig in E-Autos um.

Herbert Diess hält Plädoyer für Globalisierung

Im Fall ukrainischer Zulieferer geht es in erster Linie um fehlende Kabelbäume. „Wir gehen davon aus, dass sich die Versorgungssituation auch bei einem länger anhaltenden Krieg normalisieren wird“, sagte Konzernchef Herbert Diess. Doch die bisher gegen Russland verhängten wirtschaftlichen Strafmaßnahmen zeigten noch nicht die geplante Wirkung: „Die Hoffnung, den Krieg mit harten Sanktionen schnell zu beenden, hat sich nicht erfüllt.“ Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sieht eine Zeitenwende nach einer langen Zeit der Annäherung.

Lockern sich die Wolken am VW-Himmel? Die Versorgungsengpässe sollen bald überwunden sein.

Lockern sich die Wolken am VW-Himmel? Die Versorgungsengpässe sollen bald überwunden sein.

Diess warnte unabhängig davon vor einer dauerhaften Abschottung der Russischen Föderation oder anderer Regionen. „Der frühzeitige Abgesang auf das Modell ’Wandel durch Handel’ greift zu kurz. Blockbildung kann nicht unsere Antwort sein.“ Zu den Kabelbäumen, derentwegen mehrere VW-Werke nach Corona in den nächsten Leerlauf fielen, meinte er: „Die Produktionsausfälle in Europa konnten wir weitgehend ausgleichen.“ Volkswagen erweiterte dafür die Fertigung in Südamerika und China – das ist aber keine Langfrist-Lösung.

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Angriff in den USA, Sorgen um China

Das Angebot an vollelektrischen Autos und die Umrüstung weiterer Standorte wie Emden, Hannover oder Chattanooga (USA) will VW weiter ausbauen. Das verlaufe „nach Plan“, sagte Diess. Die Wagen könnten bald vergleichbar profitabel sein wie Verbrenner. Mehrere Aktionäre forderten aber, nach Kompaktmodellen, SUVs und Limousinen schneller auch kleinere Modelle wie einen ID.1 oder ID.2 anzugehen. Letzterer soll Polo-Größe haben und wird schon für den Markt Europa entwickelt.

Sorgen macht der Autobranche die Situation in China, wo neue Corona-Lockdowns Metropolen wie Shanghai und den Schiffsverkehr treffen, mit erheblichen Folgen für den Welthandel. Der bisherige VW-Kernmarken-Chef Ralf Brandstätter, der im Sommer als Vorstand für den Gesamtkonzern in die Volksrepublik wechselt, hält die Schwäche der Wolfsburger dort inzwischen für überwunden. Unter anderem hatten Kunden bestimmte Software-Features vermisst. Er betonte: „Wir sind weiter Marktführer dort.“ Im Jahresverlauf werde man auch den Produktionsrückstand in China voraussichtlich aufholen können.

Bezüglich der Dividende stimmten die Aktionäre dem Vorschlag von 7,50 Euro je Stammaktie und 7,56 Euro je Vorzugsaktie zu. Für das zurückliegende Geschäftsjahr werden damit rund 3,8 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausgeschüttet. Die Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats wurden für das Geschäftsjahr 2021 entlastet.

Von der Redaktion

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