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Masterplan

Nordhoff-Straße: Aus Visionen soll Wirklichkeit werden

Parkplätze säumen die Heinrich-Nordhoff-Straße: Sie werden wohl ebenso wie Kleingärten Platz machen müssen für Büros, Handel und Erlebnisangebote.

Parkplätze säumen die Heinrich-Nordhoff-Straße: Sie werden wohl ebenso wie Kleingärten Platz machen müssen für Büros, Handel und Erlebnisangebote.

Wolfsburg. Alle reden über die Nordhoff-Achse, für die der Rat am 20. Dezember eine Masterplanung auf den Weg bringen will. Aber was ist das eigentlich? WAZ-Redakteur Ulrich Franke versuchte, mit Oberbürgermeister Klaus Mohrs und Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide einen Blick in die Zukunft zu werfen.

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Westlich des Cinemaxx steht das Mobilitätszentrum. Früher hätte man wohl Busbahnhof gesagt. Die Busse gibt es immer noch. Dazu E-Bikes, eine Car-Sharing-Station und Taxen, die ihre Kunden irgendwann mal ohne Fahrer zum Ziel bringen. Hier entsteht auch der nächste unmittelbare Brückenschlag zwischen Stadt und VW, im wörtlichen wie im bildlichen Sinne. Ein Bauwerk über Kanal und ICE-Strecke verbindet City und Werk. Das Werk, heute noch hinter dem Kanal gelegen, wächst an der ganzen Heinrich-Nordhoff-Straße entlang hinein in die Stadt. In Büros arbeiten Ingenieure an Elektroautos, treiben IT-Experten die Digitalisierung des Automobils voran. Auf der anderen Straßenseite, südlich der Nordhoff-Straße, entstehen neue Wohnquartiere. Nordkopf und Nordhoff-Straße werden zum neuen Herzen Wolfsburgs, in dem der Puls schneller schlägt als heute. Mit dem Mobilitätszentrum. Mit einem Digitalcampus. Und mit einem Experience-Center – Experience steht für Erlebnis und Erfahrung, für die Verknüpfung von (Auto-)Museum, Congressmöglichkeiten, Freizeit.

Neuausrichtung des Wirtschaftsstandorts

Utopie? Mitnichten. Vision? Manches vielleicht. Wirklichkeit? Vieles viel schneller, als man es heute denken möchte, ist Klaus Mohrs überzeugt. „Schon in den nächsten zwei, drei Jahren wird sich hier einiges tun müssen“, sagt der Oberbürgermeister. Müssen ist dabei wörtlich gemeint – nicht Zwang, sondern Notwendigkeit. Schließlich stünden Stadt und VW vor einem grundlegenden Strukturwandel. In der Autoindustrie verlagert sich die Wertschöpfung vom Fließband in die digitale Welt – nicht weniger als eine komplette Neuausrichtung des Wirtschaftsstandorts stünde bevor. High-Tech-Labore, wo heute Kleingärten (für sie soll es Ersatzflächen geben) stehen. Futuristische Bürogebäude, wo heute Autos ebenerdig parken. Diese Autos verschwinden unter der Erde, oder auch nicht. „Es gibt moderne Konzepte für Türme, in denen innen Autos parken und außen Menschen in Büros arbeiten“, sagt Mohrs. Vielleicht lassen die Autos ihren Fahrer aber auch aussteigen und suchen sich dann autonom ihren Parkplatz an der Peripherie der Stadt. Wann das so weit sein könnte? „Viel länger als fünf Jahre dauert das vermutlich nicht mehr“, sagt der SPD-Politiker.

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Bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze könnten an der Nordhoff-Straße entstehen, viele für hochqualifizierte Experten aus aller Welt. Was soll sie nach Wolfsburg ziehen statt nach München, Tokio oder New York? Eine Stadt mit ganz neuer Lebensqualität in Kultur, Kulinarik und Freizeit. Wolfsburg als Erlebnisstadt – was heißt das ganz konkret? Konkret sagt Mohrs bislang nur, was es nicht heißt: „Wir werden keinen Ski-Dome bauen. Unsere Welt ist extrem schnelllebig, Freizeitangebote müssen sich variabel verändern können.“ Was das bedeutet, sollen Zukunftsforscher und Freizeitexperten verraten.

Schienen für eine Stadtbahn?

Aber gibt es nicht genug Fragen, auf die schon heute Antworten da sein müssten? Wann wird die marode Fahrbahn der Nordhoff-Straße endlich saniert, wird die Straße verbreitert, gibt es eine Schiene für eine Stadtbahn? „Städtebau und Mobilitätsfragen können nur gemeinsam beantwortet werden“, sagt Stadtbaurat Kai-Uwe Hirschheide. „Es macht keinen Sinn, heute viele Millionen Euro in eine Straße zu verbauen, von der wir noch nicht wissen, welche Verkehre sie aufnehmen muss und was an ihr entlang gebaut wird.“

Beantworten soll all diese Fragen ein Masterplan, den externe Büros nächstes Jahr erarbeiten. Geht es um Millionen oder Milliarden, wer investiert – Stadt, VW, Dritte? „Davon sind wir noch meilenweit entfernt“, sagt Mohrs. Aber an dieser Stelle gehe es darum, gemeinsam mit VW „eine historische Chance für die Stadt zu ergreifen“. Wolfsburg müsse das Silicon Valley von Volkswagen werden, hatte Betriebsratschef Bernd Osterloh unlängst gesagt. Im Rathaus hört man das gerne, unterstreicht es doch den Schulterschluss von Stadt und Werk. Klaus Mohrs: „Solche Aussagen sind Teil der Lebensversicherung dieser Stadt.“

Ihre Zukunft soll auf der Nordhoff-Straße beginnen.

Von Ulrich Franke

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