Einigung

Nach Verhandlungsmarathon: Das ist der neue Haustarifvertrag bei Volkswagen

Einigung am frühen Morgen: VW und IG Metall haben am Mittwoch einen Abschluss in der Tarifrunde erzielt.

Einigung am frühen Morgen: VW und IG Metall haben am Mittwoch einen Abschluss in der Tarifrunde erzielt.

Wolfsburg. Nach einem mehr als 12-stündigen Verhandlungsmarathon haben Volkswagen und die IG Metall sich in der Nacht noch vor Ablauf der Friedenspflicht auf einen neuen Haustarifvertrag verständigt. Neben einer Entgeltsteigerung und einer steuerfreien Einmalzahlung sieht der auch eine Verlängerung der bisher geltenden Altersteilzeitregelung um weitere fünf Jahre vor – ein Anliegen, das bei der Belegschaft hohe Priorität genoss und bis zuletzt heiß diskutiert wurde.

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Das sind die Eckpunkte

Mehr Entgelt: Eine tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 5,2 Prozent ab dem 1. Juni 2023 sowie um weitere 3,3 Prozent ab dem 1. Mai 2024 ist beschlossen. Die Laufzeit beträgt 24 Monate.

Einmalzahlung: Steuerfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro, die in zwei Schritten im Februar 2023 (2.000 Euro) sowie im Januar 2024 (1.000 Euro) ausgezahlt wird. Auszubildende erhalten jeweils die Hälfte.

Mehr Freizeit: Die Wandlungsoption „freie Tage statt mehr Geld“ bei der tariflichen Zusatzvergütung wird vollständig für alle Beschäftigten geöffnet.

Altersteilzeit: Die bestehenden Regelungen werden bis 2027 verlängert. Wie bisher müssen die jeweiligen Jahrgänge nach und nach freigegeben werden. Für 1966 soll das im Frühjahr 2023 geschehen.

Semesterbeiträge: Der Zuschuss für die Semesterbeiträge für alle Dual Studierenden von 350 auf 395 Euro angehoben und fortan rechtzeitig überwiesen.

Mehr Geld für Nachwuchs: Die bisherige Leistungsorientierte Einmalzahlung wird mit 500 Euro für alle Dual Studierenden und Auszubildenden festgeschrieben. Der Durchschnitt lag bisher bei 467 Euro.

Ausbildung: Die bisher festgeschriebenen 1.400 Ausbildungsplätze pro Jahr werden nicht angetastet. Innerhalb der Systematik werden ein VW-Master und weitere Stipendien ergänzt.

Entgeltsteigerung sowie Einmalzahlung orientieren sich dabei am in Baden-Württemberg erzielten Pilotabschluss der Metall- und Elektroindustrie. Auch die Laufzeit beträgt wie in der Fläche 24 Monate. Die Entgelte werden demnach in zwei Stufen um insgesamt 8,5 Prozent erhöht – ab dem 1. Juni 2023 um 5,2 Prozent und ab dem 1. Mai 2024 nochmals um 3,3 Prozent. Die steuerfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3.000 Euro fließt ebenfalls in zwei Schritten. Im Februar 2023 werden zunächst 2.000 Euro, im Januar 2024 dann nochmals 1.000 Euro ausgezahlt. Auszubildende erhalten jeweils die Hälfte.

VW: Lange Laufzeit schafft Stabilität

VW-Verhandlungsführer Arne Meiswinkel kommentierte: „Mit einer Laufzeit von 24 Monaten konnten wir für Volkswagen langfristige Planungssicherheit und Stabilität erzielen. Damit trägt dieser Abschluss dem außergewöhnlich anspruchsvollen und anhaltend volatilen gesamtwirtschaftlichen Umfeld Rechnung. Auch das deutliche Signal eines Abschlusses innerhalb der Friedenspflicht zeugt von unserer Verantwortung gegenüber der Belegschaft sowie dem Unternehmen.“

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Lieferten sich einen Verhandlungsmarathon: VW-Verhandlungsführer Arne Meiswinkel (l.) mit Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger (r.).

Lieferten sich einen Verhandlungsmarathon: VW-Verhandlungsführer Arne Meiswinkel (l.) mit Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger (r.).

„Im Zusammenspiel mit politischen Entlastungsmaßnahmen wie der Strom- oder Gaspreisbremse sowie weiteren Einmalzahlungen vom Staat, entsteht ein Gesamtpaket, das die Wucht der Inflation eindämmt“, bewertete IG-Metall Verhandlungsführer Thorsten Gröger den materiellen Teil der Abmachung.

Wunsch nach mehr freien Tagen geht in Erfüllung

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo nannte den Abschluss angesichts der problematischen Gesamtsituation einen großen Erfolg. „Uns ist in schwierigen Zeiten ein richtig solider Abschluss geglückt. Die Kolleginnen und Kollegen erhalten rasch spürbar mehr Geld. Außerdem sind zentrale VW-Themen wie Altersteilzeit und mehr freie Tage geregelt. Wir bei Volkswagen beweisen damit aufs Neue, dass wichtige Belange unserer gut organisierten Belegschaft auch in der Krise nicht ins Hintertreffen geraten.“

Schmankerl für die VW-Beschäftigten: Die Wandlung der tariflichen Zusatzvergütung in zusätzliche freie Tage steht nun allen Mitarbeitern zu.

Schmankerl für die VW-Beschäftigten: Die Wandlung der tariflichen Zusatzvergütung in zusätzliche freie Tage steht nun allen Mitarbeitern zu.

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Denn neben der Lohnerhöhung konnte die IG Metall auch weitere zentrale Forderungen durchsetzen. So verständigte man sich darauf, nun allen Beschäftigten die Wandlung der tariflichen Zusatzvergütung in bis zu sechs tarifliche Freistellungstage jährlich zu ermöglichen. Diese Regelung galt bisher ausschließlich für Beschäftigte mit besonders belastenden Lebens- und Arbeitssituationen, wie Pflege, Schichtarbeit oder Kinderbetreuung. „Damit tragen wir dem immer größeren Wunsch der Beschäftigten nach mehr selbstbestimmter Zeit Rechnung“, freute sich Gröger.

Bei Altersteilzeit bliebt alles beim Alten

Für die Dual-Studierenden erreichte die IG Metall eine Erhöhung der Pauschal-Zahlung der Semesterbeiträge von derzeit 350 Euro auf 395 Euro pro Semester. Zudem werde diese nun pünktlich ausgezahlt, so dass die Studierenden nicht mehr in Vorleistung gehen müssen. Ursprünglich hatte die Gewerkschaft die volle Übernahme der Semestergebühren per Direktzahlung an die Universitäten gefordert. „Das hat das Unternehmen mit Blick auf den administrativen Aufwand abgelehnt“ erklärte Cavallo.

Die VW-Beschäftigten hatten mit einer großen Kundgebung mit 4.000 Teilnehmern bereits mächtig Druck gemacht.

Die VW-Beschäftigten hatten mit einer großen Kundgebung mit 4.000 Teilnehmern bereits mächtig Druck gemacht.

Eines der zuletzt größten Streitthemen war die Altersteilzeit. Während die Gewerkschaft eine Verlängerung der auslaufenden Vereinbarung zu gleichen Konditionen forderte, wollte VW mehr Differenzierungsmöglichkeiten, um die Transformation besser steuern zu können. Hier setzte sich letztlich die IG Metall vollumfänglich durch. Die Altersteilzeitregelung bleibt so, wie sie ist, bis 2027 bestehen. "Das Unternehmen wollte beispielweise kürzere Laufzeiten für Angestellte und im Tarif plus", berichtete Cavallo. So hätte man dringend benötigte Fachkräfte länger im Unternehmen halten können. Da bei der Altersteilzeit sowieso das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit gelte, habe man für solch eine Abmachung keine Notwendigkeit gesehen, erklärte die Betriebsratsvorsitzende.

Volkswagen führt einen VW-Master ein

Ein weiteres Thema hatte Volkswagen in der zweiten Verhandlungsrunde für die Arbeitnehmer überraschend auf den Tisch gebracht. Das Unternehmen wünschte sich eine Umverteilung innerhalb des Kontingents der insgesamt 1.400 Ausbildungsplätze. Dieses setzt sich bisher aus drei Säulen zusammen: 900 Auszubildenden, 250 Dual-Studierenden sowie 250 Teilnehmern weiterer Qualifizierungsprogramme wie der Fakultät 73. „Die vom Unternehmen gewollte Kürzung von 900 auf 800 Ausbildungsstellen konnten wir abwehren. Das ist uns aufgrund des Fachkräftemangels und der getätigten Investitionen in unsere Berufsausbildung ein besonderes Anliegen“, freute sich die Betriebsratschefin.

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Umstellen wird VW dennoch. Einige der 250 Plätze in der dritten Säule sollen auf einen neuen VW-Master entfallen. Mit diesem Programm wendet sich das Unternehmen erstmalig an Studierende mit einem Bachelor-Abschluss. „So richten wir unser Angebot noch stärker am künftigen Bedarf aus und gewinnen hoch qualifizierte Nachwuchstalente für unsere Transformation, vorzugsweise in den Zukunftsfeldern Digitalisierung, Software und Batterie. Die Stipendiaten erhalten die Möglichkeit, das Unternehmen über Praxiseinsätze kennenzulernen und direkt im Anschluss an ihren Master eine Karriere im Unternehmen zu beginnen“, erklärte VW-Verhandlungsführer Arne Meiswinkel.

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