Verkehr

Bilanz nach einem Monat: So kommt das 9-Euro-Ticket bei Wolfsburgern an

Mit dem 9-Euro-Ticket gependelt: Jan Hölter (24) möchte im Juli an die Ostsee.

Mit dem 9-Euro-Ticket gependelt: Jan Hölter (24) möchte im Juli an die Ostsee.

Wolfsburg. Im Juni konnten die Wolfsburger erstmals mit dem 9-Euro-Ticket durch Deutschland fahren. Die meisten, mit denen die WAZ am Bahnhof gesprochen hat, sind in Niedersachsen geblieben oder in angrenzende Regionen gefahren. Für die Ausflüge nach Göttingen, Braunschweig oder Hildesheim ließen sie ihr Auto stehen. Doch volle Züge und unfreundliche Mitreisende verdarb manchen Fahrgästen aus der VW-Stadt den Spaß am günstigen Bahnfahren.

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Marianne Tunsch aus Kreuzheide war mit ihrem Mann in Celle, Hildesheim und Hannover. Am 1. Juli fuhren sie mit dem neuen 9-Euro-Ticket nach Göttingen, um ihre Tochter zu besuchen. „Über die Situation in den Zügen kann ich nicht meckern, deshalb holen wir uns das Ticket auch nochmal im August“, sagte Tunsch.

„Züge sind schrecklich überfüllt“

Denise Kamps aus Wolfsburg besitzt kein Auto, ihre Kinder bringt sie mit dem Bus in die Kita. Ansonsten unternahm die Familie mit dem 9-Euro-Ticket Ausflüge in die Region. Auch für Juli kaufte sie das Ticket, doch von einer Verlängerung träumt die 25-Jährige nicht. "Für mich hätte es das 9-Euro-Ticket nicht geben müssen. Auf der Fahrt nach Hannover war der Zug schrecklich überfüllt und dann waren die Fahrgäste genervt und unfreundlich", erzählte Kamps.

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Die Braunschweigerinnen Mandy-Silvana Henning (2.v.l.) und Jasmin Tran (rechts) sind mit dem 9-Euro-Ticket nach Wolfsburg gekommen.

Die Braunschweigerinnen Mandy-Silvana Henning (2.v.l.) und Jasmin Tran (rechts) sind mit dem 9-Euro-Ticket nach Wolfsburg gekommen.

Die Braunschweigerin Jasmin Tran ist mit dem 9-Euro-Ticket nach Wernigerode gefahren, in einer Stunde sei sie da gewesen. „Die Kosten sind natürlich gut, aber ansonsten ist es nicht durchdacht. Die Züge sind nämlich viel zu voll“, sagte die 20-Jährige.

Starke Nachfrage nach 9-Euro-Ticket

Eine Sprecherin der Metronom Eisenbahngesellschaft, zu der auch die Marke Enno gehört, teilte mit, dass das 9-Euro-Ticket stark nachgefragt werde, insbesondere für Freizeitausflüge am Wochenende. Seit Anfang Juni sind allein an den Automaten und in den von Metronom betriebenen Servicestellen in den Bahnhöfen über 90.000 Tickets verkauft worden. Auf die Marke Enno entfallen davon rund 10.000 Tickets.

Volle Züge: Das rät der Metronom

Eine Sprecherin der Metronom Eisenbahngesellschaft, zu der auch die Marke Enno gehört, gibt Tipps für volle Züge. Wenn möglich, sollte nicht am Wochenende, sondern unter der Woche und eher an den Tagesrandlagen verreist werden. Das Gepäck sollte auf das Notwendige reduziert werden. Anders als im Metronom ist die Fahrradmitnahme im Enno und Erixx zwar weiterhin möglich, dennoch sollte auf das eigene Fahrrad verzichtet werden. Besser sei es, sich am Zielort ein Fahrrad auszuleihen. Zudem sei die Mitnahme nicht garantiert. Rollstuhlfahrer und Kinderwagen gehen im Zweifelsfall vor. Fahrgäste sollten sich vor Reiseantritt über die Apps oder am Schalter über ihre Route informieren.

Weiterhin erklärte eine Sprecherin, dass die Schieneninfrastruktur schon vor dem preiswerten Ticket sehr stark ausgelastet gewesen sei und auch nicht auf einmal mehr Fahrzeuge und entsprechend Personal zu Verfügung stehen. „Eine weitere Aufstockung der Beförderungskapazitäten ist nicht möglich, wir haben schon alles auf die Schiene gebracht, was geht“, teilte die Eisenbahngesellschaft mit.

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Mit dem günstigen Ticket pendeln

Dass es nicht mehr Fahrer und Busse gibt, betonte auch Beatrix Kielholtz. Die 58-Jährige kam mit dem Zug aus dem Rheinland, um ein Auto abzuholen. „Ansonsten fahre ich mit dem 9-Euro-Ticket jeden Tag die gleiche Strecke zur Arbeit“, erzählte Kielholtz.

Mit dem 9-Euro-Ticket zur Arbeit: Beatrix Kielholtz (58) kommt aus dem Rheinland und holt in Wolfsburg ein Auto ab.

Mit dem 9-Euro-Ticket zur Arbeit: Beatrix Kielholtz (58) kommt aus dem Rheinland und holt in Wolfsburg ein Auto ab.

Mandy-Silvana Henning aus Braunschweig erzählte, dass sie normalerweise mit dem Auto unterwegs sei. „Für Juli habe ich mir das Ticket erstmals geholt und vielleicht fahre ich damit nach Köln“, so die 24-Jährige.

WVG verkaufte über 26.000 Tickets

Nach Stendal und Magdeburg ist Frank Stockfisch mit dem günstigen Fahrschein gefahren, zudem nutzt er auch die Busse in Wolfsburg. „In den Bussen war es nicht voller und in den Zügen war es auch in Ordnung, schließlich ist der ICE auch manchmal vollbesetzt, sodass man stehen muss“, erzählte der 47-Jährige.

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Nutzt die Busse in Wolfsburg: Frank Stockfisch kaufte sich das 9-Euro-Ticket für Juli.

Nutzt die Busse in Wolfsburg: Frank Stockfisch kaufte sich das 9-Euro-Ticket für Juli.

Bei der WVG wurden im Juni und mit den Vorverkäufen im Mai 26.851 Tickets verkauft. Dabei sei bis jetzt kein außergewöhnlich erhöhtes Fahrgastaufkommen festzustellen, teilte das Unternehmen mit.

Das sagen Wolfsburger zum 9-Euro-Ticket

Jan Hölter pendelte im Juni mit dem 9-Euro-Ticket von Allerbüttel nach Wolfsburg. Im Juli möchte er mit dem Fahrschein an die Ostsee. „Ich hoffe, dass es das Ticket länger gibt. Schließlich sollte sich jeder den Öffentlichen Nahverkehr leisten können“, betonte der 24-Jährige.

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Frank Stockfisch findet das Angebot ebenfalls gut, allerdings sei der Preis zu günstig. „40 Euro für eine deutschlandweite Monatskarte finde ich gut“, so der Wolfsburger. Denise Kamps glaubt, dass momentan viele Menschen mit Bus und Bahn unterwegs sind, die ansonsten viel Auto fahren. „Sobald die Preise wieder normal sind, steigen sie wieder in ihre Autos“, sagte sie.

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Von Ann Kathrin Wucherpfennig

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