Vortrag und Diskussion

Prostitution hat mit Kriminalität, Zwang und der Gesellschaft zu tun

Wenn Frauen zur Ware werden: Nach dem Vortrag von Manfred Paulus (l.) diskutierten Podium und Publikum.

Wenn Frauen zur Ware werden: Nach dem Vortrag von Manfred Paulus (l.) diskutierten Podium und Publikum.

Gifhorn. „Mit den Opfern holen wir uns auch die Täter ins Land“, stellte Erster Kriminalhauptkommissar a.D. Manfred Paulus nüchtern fest: Die organisierte Kriminalität, die hinter Zwangsprostitution und Zuhälterringen steckt, „ist in Deutschland flächendeckend angekommen“. Auch im Landkreis Gifhorn, wie der Abend im Rittersaal unter dem Titel „Wenn Frauen zur Ware werden“ deutlich machte.

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Paulus schilderte die Brutalität des Marktes, die Zwangslage, in der die – immer jüngeren – Frauen stecken, die unter falschen Versprechungen nach Deutschland geholt werden. Aussteigen? So gut wie unmöglich.

„Deutschland ist der Puff Europas. Warum lassen wir das geschehen in einer Weise und Anzahl wie kein anderes Land im Westen? Warum bekämpfen wir das nur unzureichend und legalisieren sogar die Sexsklaverei?“

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Ein Blick auf die Gesellschaft

So lange aber eine Versicherung die Leistung ihrer Mitarbeiter mit Puff-Besuchen honoriere und ein Bordellbesuch als Lappalie abgetan werde, werde sich daran nichts ändern. „Das Fatale ist, dass alles von der Gesetzgebung schöngezeichnet wird.“

Gabriele Pöllet, Heilpädagogin und ehrenamtlich tätig bei SoDiStra (sozialdiakonische Straßenarbeit), wusste schon, warum sie von „Sklavenwagen“ statt Lovemobilen spricht. „Die Frauen können kein Deutsch, und nur die wenigsten nennen ihre wahren Beweggründe, warum sie als Prostituierte tätig sind“, weiß sie von ihren Besuchen an den Mobilen. „Und je länger sie das machen, desto stärker verfallen sie in eine depressive Lethargie.“

„Wir brauchen Zeugenaussagen“

Wer auspackt, muss damit rechnen, dass seine Familie im Heimatland Repressalien erleidet – „um die Hintermänner festsetzen zu können, brauchen wir aber Zeugenaussagen“, beschrieb der Gifhorner Kriminalhauptkommissar Frank Bauerfeld das Problem. Ja, Opferschutz sei möglich, aber „häufig werden die Opfer so eingeschüchtert, dass sie ihre Aussagen wieder zurückziehen“.

„Wir sollten mal unseren Blick zu den Freiern wenden“, schlug Luca Lehmann, Diplompädagogin von Solwodi Braunschweig vor. „Warum müssen die zu den Frauen gehen? Das ist ein gesellschaftliches Problem!“ Mit dem Mythos, dass Frauen freiwillig als Prostituierte tätig sind und das für einen normalen Beruf halten, räumten sowohl sie als auch Paulus auf. „In den 25 Jahren meiner Tätigkeit in diesem Bereich ist mir noch nicht eine einzige Frau untergekommen, die das freiwillig täte“, so Paulus.

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Von Christina Rudert

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