Rühen

Kleine Raupe sorgt wieder für großen Ärger

Es geht schon wieder los: Im Osten des Landkreises wird der Eichenprozessionsspinner wieder ein Thema.

Es geht schon wieder los: Im Osten des Landkreises wird der Eichenprozessionsspinner wieder ein Thema.

Rühen. „Ja, es waren Raupen des Eichenprozessionsspinners“, sagt Baumpflegeexperte Denis Ekarius über die ungebetenen Gäste an der Hauswand von Familie Gruszfeld am Ostrand der Gemeinde. Allerdings auch ein Einzelfall und ungefährlich, so Ekarius, der im Übrigen aber einen „heißen“ EPS-Sommer erwartet und eine alternative Bekämpfung der Raupen mit Fadenwürmern vorschlägt.

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Christin und Markus Gruszfeld hatten den Flecken an der Wand beim Briefkasten keine Beachtung geschenkt, bis sie am Montag anfingen sich im Kreis zu bewegen: „Ich habe die Raupen abgefegt und im Kamin verbrannt“, berichtet Markus Gruszfeld. Vorher hatte Ekarius, der in Rühen einen Baumpflegedienst betreibt und als Lehrbeauftragter der Uni-Göttingen Förster und Baumkletterer in Umgang und Bekämpfung der EPS schult, die Raupen vor Ort identifiziert, die jetzt, im ersten Larvenstadium noch keine Brennhaare haben.

Zur Frage, warum eine Eiablage an der Hauswand erfolgte, könnten nur Vermutungen angestellt werden – auch nach Rücksprache mit der Uni: „Möglich, dass ein EPS-Männchen dort Pheromone hinterlassen hat.“ Sinn mache die Siedlung an der Hauswand nicht: „Es gibt dort keine Nahrung, die Raupen wären ohnehin verhungert.“

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Hungrig ist auch „die schiere Masse“ an Raupen, die Ekarius bei einem EPS-Monitoring „auf eigene Rechnung“ auf Eichen im Landkreis Gifhorn und der Stadt Wolfsburg fand: „Die Raupen sind geschlüpft und warten jetzt darauf, dass die Knospen aufgehen.“ Massivste Vorkommen gebe es in Kaiserwinkel, gefolgt von den bekannten Hotspots Rühen und Parsau: „Das sind die absoluten Herde.“

Eine allmähliche Ausbreitung der Vorkommen erfolge in westlicher Richtung quer durch den Kreis Gifhorn. In den EPS-Kerngebieten erwartet der Experte in diesem Jahr einen Eichen-Kahlfraß. Mindern könne die erwarteten Schäden und gesundheitlichen Folgen für die Menschen jetzt nur noch stärkerer anhaltender Frost. Und natürlich das geplante Besprühen der Bäume mit dem Biozid Bacillus thuringiensis.

„Das ist eine vollkommen richtige Maßnahme“, betont Ekarius – und verweist gleichzeitig auf eine alternative, bislang von den Verantwortlichen nicht in Betracht gezogene Variante zur Bekämpfung des EPS: Fadenwürmer (Nematoden). Die fünf Millimeter langen Tiere seien für Mensch und Umwelt ungefährlich, Raupen ausgenommen. Die werden von ihnen durchbohrt, um als Wirt zu dienen.

Ebenso wie der Biozid-Wirkstoff werden die Nematoden versprüht, allerdings nicht auf die Blätter der Bäume, sondern auf die Raupen: „Das muss nachts geschehen, weil die Nematoden UV-empfindlich sind.“ Deswegen komme ein Hubschrauber-Einsatz nicht infrage. Außerdem müsse zweimal innerhalb von zwei Wochen behandelt werden – was die Sache nicht kostengünstiger mache: „Im Vergleich mit dem Biozid ist es doppelt so teuer“, so Ekarius, der sich dennoch stark macht für den Einsatz der Nematoden.

Denn der sei auflagenfrei, Abstände zu Gewässern müssten nicht eingehalten werden. In den Niederlanden würde das Mittel flächendeckend und erfolgreich eingesetzt. Die Sterblichkeitsrate liege bei den Raupen bei sachgemäßer Handhabung bei 80 Prozent. Nach Ansicht von Denis Ekarius bleibt deswegen nur die Frage zu klären, woher das Geld kommt für den Frontal-Angriff der Nematoden auf die Raupen des Eichenprozessionsspinners. Antwort: „Das Land muss sich beteiligen.“

Von Jörg Rohlfs

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