Gericht kommt ursprünglich nicht aus Frankreich

Der „französische“ Klassiker: die Geschichte der Zwiebelsuppe

Eine Zwiebelsuppe mit Brot.

Eine Zwiebelsuppe mit Brot.

Mon dieu: Die Zwiebelsuppe, eines der französischsten Gerichte überhaupt, hat ihren Ursprung in Italien? Aber ja! Denn der Grundstein für einen der kulinarischen Klassiker der Grande Nation wurde von der Toskanerin Caterina de’ Medici gelegt, die als 14-Jährige 1533 Heinrich II., den späteren König von Frankreich, heiratete und 1547 selbst Königin wurde.

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Caterina war ein Spross der einflussreichen florentinischen Familie Medici, die die Stadt über beinahe drei Jahrhunderte lang beherrschte. Die junge Frau galt als eine der besten Heiratspartien Europas, und als sie schließlich in Marseille den ebenfalls erst 14-jährigen Heinrich ehelichte, reiste sie mit einer Flotte von mehr als 40 Schiffen an. Mit an Bord waren auch Köche aus ihrer Heimat.

Caterina de’ Medici soll Zwiebelsuppe aus Toskana importiert haben

In Paris hatte man bis dato an den deftigen, mittelalterlichen Ess­gewohn­heiten festgehalten, die Caterina gehörig durcheinanderwirbeln und schließlich so nachhaltig verändern sollte, dass sich daraus die Haute Cuisine, die gehobene französische Kochkunst, entwickelte. So soll sie unter anderem die Carabaccia, die Zwiebelsuppe, importiert haben.

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Caterinas Position am französischen Hof war die ersten zehn Jahre nach ihrer Hochzeit ausgesprochen schwierig, denn sie wurde nicht schwanger und unterzog sich allen möglichen Prozeduren. Sie nahm sogar Medikamente zur Erhöhung der Empfängnis­bereitschaft ein, die ihr ausgerechnet die Langzeitmätresse ihres Mannes, Diane de Poitiers, schickte. Diese war offenbar ganz und gar nicht daran interessiert, dass die Ehe annulliert wurde und anstelle Caterinas eine gebärfreudigere Braut ihr neue Konkurrenz machen würde.

Um die Nachwuchssorgen zu lösen, soll Caterina letztlich auch auf die Wirkung aphrodisierender Speisen gesetzt haben, etwa in Wein gekochte Artischocken oder Zwiebelsuppe – ungeachtet der Tatsache, dass Letzteres durchaus zu, sagen wir mal, der Erotik eher nicht zuträglichen Flatulenzen führen kann. In der Renaissance war man in dieser Hinsicht jedoch nicht so zimperlich wie heute. Und schließlich hat es sogar mit dem Kinderkriegen geklappt. Caterina gebar Sohn Franz, und es folgten noch neun weitere Kinder. Ob es an der Zwiebelsuppe lag, ist nicht überliefert. Doch berühmt ist sie in Frankreich – und auch in Italien – bis heute.

Rezept: Zwiebelsuppe für vier Personen

Folgendes Rezept ist für vier Personen berechnet: Ein Kilogramm Gemüse­zwiebeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. Drei Stangen Staudensellerie und zwei Karotten fein würfeln. Alles bei milder Hitze in einem Topf mit 100 Millilitern Olivenöl etwa 20 Minuten köcheln lassen, dann einen Liter Gemüsebrühe und 125 Milliliter Weißwein zugeben und weitere zehn Minuten köcheln lassen. 100 Gramm Erbsen pulen, 30 Gramm süße Mandeln im Mörser leicht zerstoßen, beides zusammen mit einer Messer­spitze Zimt zur Suppe geben, eine weitere halbe Stunde ohne Deckel köcheln lassen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Vier Scheiben Weißbrot vom Vortag in Öl rösten, mit Pecorinokäse bestreuen, in tiefe Teller geben und im heißen Ofen leicht überbacken lassen. Anschließend die Suppe daraufgeben.

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Caterina brachte im Übrigen nicht nur Gerichte aus der Toskana mit nach Frankreich, sondern auch neue Tischsitten: Bei ihrer Ankunft hatte sie auch Gabeln und Damast­tisch­decken im Gepäck. Beides war damals in ihrer neuen Heimat noch weitgehend unbekannt, erfreute sich jedoch bald größter Beliebtheit.

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