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Fast Fashion ausbremsen

„Visible Mending“: Das Ende von Cut-outs und Destroyed Jeans?

Flickwerk: Sichtbare Textilreparatur liegt im Trend.

Die Sommermode ist gerade für Frauen schon seit einigen Jahren sehr luftdurchlässig: Cut-outs in Oberteilen, Bademode und Kleidern sind auch in dieser Saison angesagt. Offenbar unkaputtbar sind zudem die sogenannten Destroyed oder auch Ripped Jeans, die sich mit ausgefransten Säumen, Löchern und rauen Drahtbürstenspuren ebenfalls schon seit geraumer Zeit am Markt halten. Doch fast jeder Trend provoziert früher oder später einen Gegentrend. Der besteht im Falle der Shabby-Chic-Klamotten weniger in bügelsteifen Blusen und Bundfaltenhosen, sondern darin, die Löcher zu stopfen und die Risse zu nähen. Und zwar so, dass es auffällt. „Visible Mending“ oder auch „Decorative Mending“ erhebt die Textilreparatur zur detailverliebten modischen Finesse.

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Der englische Ausdruck „to mend“ bedeutet sowohl bessern im Sinne von heilen als auch reparieren. Im Bemühen, die Entwicklung von „Fast Fashion“ zu bremsen, setzen Designerinnen und Designer und Labels verstärkt auf nachhaltige Methoden wie etwa das Upcycling. Aus alten Entwürfen beziehungsweise übrig gebliebenen Stoffen entstehen neue Kreationen. Das soll der Wegwerfmentalität in Sachen Kleidung entgegenwirken. Das „Mending“ geht noch einen Schritt weiter auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit: Es entsteht kein neues Produkt aus wiederverwerteten Resten, sondern das alte, gebrauchte und beschädigte Kleidungsstück erhält eine Aufwertung durch kunstvolle Flickarbeit, wie sie lange Zeit nur noch die Urgroßmüttergeneration beherrschte. Stopfende Frauen begegnen uns heute höchstens noch in der Gemäldegalerie, Männer mit Nadel und Faden in der Hand vor allem in Soldatenkluft auf Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg.

Aus abgetragener Kleidung Unikate schaffen

Einen losen Knopf anzunähen kriegt heute wohl jeder noch gerade so hin. Darüber hinaus wird es schwierig mit Handarbeiten. Es mangelt nicht nur an Zeit, sondern oft auch an Übung. Zu lange haben wir immer wieder schnell und billig Ersatz besorgen können, wenn was gerissen ist oder fadenscheinig war. Hat die Lieblingsjeans plötzlich ein Loch, lässt man es einfach klaffen, ist ja auch modisch. Und löchrige Strümpfe? Wozu soll man heute noch Strümpfe stopfen, wenn man einen Fünferpack Socken für ein paar Euro kaufen kann? Die Antwort findet sich bei Celia Pym. Die britische Künstlerin flickt mit Hingabe Kleidungsstücke. Bei ihr wird zum Beispiel aus einem Paar durchgescheuerter weißer Sportsocken ein Unikat mit Inseln aus farbenprächtigem Garn.

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Das Aufarbeiten abgenutzter Kleidungsstücke hat Pym zur Kunstform erhoben. Alles begann 2007 mit dem Wollpullover eines Onkels. Das Oberteil war mehrfach geflickt worden. Pym war erstaunt und berührt angesichts der Tatsache, dass der Pulli mit jeder Ausbesserung schöner und individueller geworden war. „Ich sehe das Flicken als eine Art stille Aufmerksamkeit, sowohl für Menschen als auch für Kleidungsstücke“, hat sie mal gesagt.

Jeansmarken bieten Tutorials fürs Ausbessern

In England ist geflickte und abgetragene Kleidung eh keine Schande. Prinz Charles etwa ist ein großer Fan von Ellbogenflicken, und sein Schneider soll eine Box mit Verschnitten für Maßanzüge hüten, um im Schadensfall Ausbesserungsmaterial zu haben.

Mittlerweile ist das Flickwerk auch Thema bei Präsentationen an Modehochschulen. Und die geflickte Jeans wird die zerlöcherte wohl bald überholen: Jeansmarken bieten verstärkt Tutorials fürs Ausbessern oder für Gratisreparaturen an.

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