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London, New York oder Berlin

U-Bahn-Style für zu Hause: Wieso Städte ihren Nahverkehr vermarkten

Der BVG-Schuh mit integriertem Jahresticket.

„Mind the Gap“: Die Londoner U-Bahn ist in vielerlei Hinsicht weltberühmt – nicht nur wegen dieser oft zitierten Ansage, die seit etlichen Jahrzehnten vor der Lücke zwischen Bahnsteig und Zug warnt. Die Londoner Metropolitan Line war die erste U-Bahn der Welt. Sie war der Auslöser für die heute weltweit genutzte Kurzform Metro. Und auch der Londoner Liniennetzplan ist der erste seiner Art gewesen und hat in seiner speziellen auf Linien, Farben und Kreise reduzierten Form weltweit den Maßstab gesetzt.

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Und noch etwas ist einzigartig: die Sitzbezüge. So einzigartig, dass sie inzwischen auch außerhalb der U-Bahn-Waggons zu finden sind – auf Sesseln, Kissen, Taschen und anderem für den Hausgebrauch. Die sogenannte Moquette-Kollektion des London Transport Museums ist international gefragt. Moquette (Französisch für Teppich, inzwischen aber zugleich die Bezeichnung für die speziellen teppichähnlichen Sitzbezüge der Londoner U-Bahn) wurde erstmals in den 1920er-Jahren verwendet. Die Firma Firth Furnishings stellte sie her, und sie folgte beim Design nicht nur der damaligen Mode von Heimtextilien im Art-déco-Stil; Ziel sollte auch sein, Stoffmuster zu verwenden, auf denen möglichst kein Schmutz zu sehen sein würde: dunkle Farben, robuste Materialien, unruhige Muster, auf denen ein Fleck kaum auffällt und nicht mal die später aufgekommenen Filzstiftkritzeleien.

Der U-Bahn-Style ist weit über London hinaus beliebt

Mit der Gründung der Dachgesellschaft London Transport in den Dreißigerjahren beauftragten der damalige Geschäftsführer Frank Pick und sein Publicity-Chef Christian Barman schließlich etablierte Künstler und Designer, um stilvolle, zeitgenössische Muster für die Sitze ihrer U-Bahnen und Busse zu entwerfen. Viel zu schade, um sie nur durch die britische Hauptstadt zu fahren, meinte man später im Transportmuseum der Stadt.

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„Die Inspiration für unsere Moquette-Homewear kam von einer Messe vor fast 15 Jahren“, sagt Memet Bunyan, Chef der Produktentwicklung beim London Transport Museum. „Wir trafen einen in Großbritannien ansässigen Handwerker, der mit einem sehr robusten Stoff wie Moquette arbeiten konnte.“ Die Einzigartigkeit und das Design seien der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Produkten – teilweise aus dem Originalstoff, andere zumindest in den Originalmustern. „Unsere Kunden sind überwiegend in Großbritannien ansässig“, erläutert Bunyan, „aber unsere Produkte sind auch international beliebt, unter anderem bei Kunden in den USA, Deutschland und Australien.“

Auch andere Städte verkaufen U-Bahn-Merchandise

Es ist ein Markt, den auch andere Städte für sich entdeckt haben. Der Shop des New York Transit Museums etwa bietet eine Auswahl an authentischen Stücken der New Yorker Nahverkehrsgeschichte. „Unsere NYC Subway Token Collection umfasst Halsketten, Armbänder, Manschettenknöpfe, Geldbörsen, Schlüsselanhänger und sogar Krawattenclips“, erläutert Chelsea Newburg, PR- und Marketingmanagerin des Museums.

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Token waren über viele Jahrzehnte der Zugang zum U-Bahn-Netz der Stadt: Diese kleinen Messingmünzen entsprachen dem Wert von zunächst 15 Cent und dienten dazu, die Zugangssperren zu den Stationen zu entriegeln. Inzwischen gibt es dafür längst Papierkarten – die nicht mehr benötigten Münzen dienen nun den Museumssouvenirs.

Ebenfalls erhältlich: Papiergewichte und Buchstützensets, die aus Teilen des Grand-Central-Terminals gefertigt wurden. Genutzt wurde dafür jener rosafarbene Tennessee-Marmorfußboden, der vor Jahren während eines Umbaus der Station weichen musste.

Auch in Hongkong wurden ausrangierte Teile des Nahverkehrs wiederverwendet – die Schienen. Im Shop der Straßenbahn Hong Kong Tramways gibt es neben anderem ein Zentimeter dicke Stücke aus der Originalstrecke. Arbeiter hatten beim Auswechseln ein Stück aus der Johnston Road auf Hong Kong Island zerteilt. Sie dienen nun – aufpoliert – als Buchstützen.

„Urban Jungle“ - ein Fall für das Gericht

Eine andere Stadt hatte indes weniger Erfolg mit der Vermarktung ihrer Nahverkehrsgeschichte: Die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) hatte vor Jahren Produkte im sogenannten Würmchenmuster ihrer Sitzbezüge vermarktet, unter anderem Tassen, Socken und Sneaker, die zudem eine Jahreskarte beinhalteten. Das auffällig gehaltene Muster aus schwarzen, roten, blauen und weißen Flecken gehört aus Sicht vieler Fahrgäste längst zu Berlin wie der Bär oder die Currywurst.

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Der Designer des offiziell „Urban Jungle“ genannten Musters, Herbert Lindinger, zog jedoch wegen der vielfachen Verwendung vor Gericht und bekam Ende vergangenen Jahres recht. Er habe den „Urban Jungle“ in den Achtzigerjahren lediglich für die S‑Bahn entworfen und autorisiert, führte er zur Begründung an. Die Nutzung in Bussen und erst recht auf Marketingartikeln sei nicht gestattet gewesen. Die BVG, die sich zu dem Verfahren nicht äußern will, ist inzwischen in Berufung gegangen.

Fans hiesiger Züge können sich derweil an den offiziellen Onlineshop der Deutschen Bahn halten. Dort gibt es neben dem Klassiker Bahnhofsuhr auch eher ungewöhnliche Einrichtungsgegenstände für zu Hause – unter anderem einen Erste-Klasse-Sitz aus dem ICE 3, einen Doppelsitz aus der zweiten Klasse des ICE und eine komplette, beidseitig nutzbare Sitzbank aus dem Nahverkehr der Bahn mit grünen Bezügen. Das Schönste ist: Zu Hause braucht man dafür nie eine Sitzplatzreservierung.

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