Ein Klassiker feiert Jubiläum

Das Super-Riff der Rockmusik: 50 Jahre „Smoke on The Water“

Toureröffnung in den USA – natürlich mit „Smoke on The Water" in der Setlist: Die britische Band Deep Purple (von links Roger Glover, Ian Gillan, Ian Paice und Steve Morse – nicht auf dem Bild zu sehen ist Keyboarder Don Airey) am 10. Februar 2022 im Seminole Hard Rock Hotel & Casino in Hollywood, Florida.

Toureröffnung in den USA – natürlich mit „Smoke on The Water" in der Setlist: Die britische Band Deep Purple (von links Roger Glover, Ian Gillan, Ian Paice und Steve Morse – nicht auf dem Bild zu sehen ist Keyboarder Don Airey) am 10. Februar 2022 im Seminole Hard Rock Hotel & Casino in Hollywood, Florida.

„Dä-dä-däää! Dä-dä-dä-däää!“ Sieben Töne, die die Rockwelt heute vielleicht nicht mehr erschüttern, aber doch mittelgroße Konzertkollektive immer noch zum Nicken bringen. Im Grunde genommen hat das Riff von „Smoke on The Water“ mit der Variation „Dä-dä-däää! Dä-däää!“ sogar zwölf Töne. Und diese vierstimmige Blues-Tonleiter-Melodie in g-Moll, die in parallelen Quarten harmonisiert ist, passt perfekt zu Bier, Jeans und Lederjacke. Man kann dazu Arme um fremde Kerle legen und mit ihnen Freitanzzirkel bilden – wie mit 15 auf der Schulfete in den Siebzigerjahren. Heute vor 50 Jahren war diese Tonfolge erstmals zu hören, als am 25. März 1972 Deep Purples drittes und beeindruckendstes Hardrockalbum erschien: „Machine Head“.

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Wenn der amerikanische Gitarrist Steve Morse (der 1994 dem Deep-Purple-Mitbegründer und „Smoke“-Riff-Erfinder Ritchie Blackmore nachfolgte) es am 23. Juni beim ersten Deutschlandkonzert ihrer „Whoosh!“-Tour im Hamburger Stadtpark spielen wird, wird der Effekt so enthusiastisch sein wie immer seit 1972. Nur sind die meisten Luftgitarreros vor der Bühne nicht mehr die Jüngsten. Und Rock gilt schon lange nicht mehr als suspekt, weil gesellschaftsgefährdend und jugendverderbend.

Scharf und mächtig werden die „glorreichen Sieben“ (beziehungsweise das „rockige Dutzend“) dann in die Open-Air-Nacht schneiden und Sänger Ian Gillan singt dann von jenem Abend, als es für Frank Zappa im Casino von Montreux richtig schief lief, weil jemand mit einer Signalpistole in die Decke der Konzerthalle geschossen hatte und damit einen Großbrand auslöste: „Smoouk on the water! A-fire in the ska-hai!“ Gefolgt vom „Dä-dä-däää…!“

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Der Ursprung des Begriffs „Riff“ ist nicht eindeutig

Was ein Riff überhaupt ist? Eine mehrtönige musikalische Idee, möglichst kurz, und im Verlauf eines Songs mehrfach wiederholt, im Gegensatz zum beliebigeren Lick unverwechselbar, für das Musikstück so identitätsstiftend wie die Melodie des Refrains. Woher der Name kommt, darüber streiten die Gelehrten. Möglicherweise ist er eine Verkürzung oder Verschleifung von „Refrain“, möglicherweise wurde er übertragen vom Riff (englisch „reef“ oder „riff“) im Meer. Des Hörers geneigtes Ohr bleibt unrettbar am Musikriff hängen wie das Schiff am Felsriff. Naja … oder so.

„Smoke on The Water“ ist das Riff, das in keinem E-Gitarrenkurs fehlen darf. Ist es auch das berühmteste Rockriff aller Zeiten? Da wetteifert es wohl auf ewig mit einem sieben Jahre älteren Geniestreich der Rolling Stones. An Pfingsten wird das „Dä-dää dä-dä-däää dä-dää-dää“-Riff“ von „(I Can‘t Get No) Satisfaction“ im Münchner Olympiastadion erklingen, wenn die Stones auf der „Sixty“-Tour 60 Jahre Bandgeschichte feiern. Der Song, der all jenen Alten ab 1965 den Mittelfinger zeigte, die einem weismachen wollten, was man so an Gütern haben musste, um ein ganzer Mann zu sein. Die acht Töne dieses Riffs zersägten vor langer Zeit die Welt in „die da“ und „wir“. Und eins war klar: „Wir wollten später anders werden als „die da“.

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In der Nacht zum 7. Mai 1965 hatte Keith Richards die Töne plötzlich im Kopf und schlief im Fort Harrison Hotel in Creedence (Florida) nicht mehr ein vor Aufregung. Richards wollte das Riff ursprünglich von Bläsern gespielt hören. Und um keinen Preis wollte er eine Singleveröffentlichung, weil er eine Plagiatsklage befürchtete. In seinen Ohren klang seine Idee nämlich wie von „Dancing in the street“ (Martha & the Vandellas) geklaut. Co-Komponist Marvin Gaye klagte nicht. Und für all seine folgenden Riff-Großtaten bei den Rolling Stones wurde Richards der Ehrentitel „The Human Riff“ verliehen.

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Das letzte globale Mega-Riff war „Seven Nation Army“

Es gibt zahllose royale Riffs – von „Johnny B. Goode“ (Chuck Berry) über „You Really Got Me“ (The Kinks) über „Funkytown“ (Lipps Inc.) bis „Personal Jesus“ (Depeche Mode). Die meisten markanten Beispiele entstammen der klassischen Rockära der Sechziger- und Siebzigerjahre – finden sich etwa in Jimi Hendrix‘ „Foxy Lady“, Creams „Sunshine of Your Love“, Led Zeppelins „Immigrant Song“, Jethro Tulls „Locomotive Breath“ und in sehr vielen Songs der Stones oder von AC/DC.

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Zwar entstanden auch nach der Millenniumswende noch viele vorzügliche Riffs – man höre Neil Youngs „Psychedelic Pill“ oder „Tell Me Lies“ von den Black Keys. Doch parallel zur schwindenden Bedeutung des Rock im Populärmusikgetriebe hat sich davon indes kaum eines im Weltgedächtnis niedergeschlagen. Das letzte globale Mega-Riff war 2003 wohl das des Indiebluesduos White Stripes im Song „Seven Nation Army“. Die italienische Band Maneskin riefen 2021 nach ihrem ESC-Sieg einen neuen Morgendämmer für den Rock aus. Ihr Siegertitel „Zitti e Buoni“ und das nachfolgende „I Wanna Be Your Slave“ waren Musterbeispiele des Riffens. Und wurden weidlich im Radio gespielt.

Wie es ist, wenn er „Smoke on The Water“ im Radio hört, wollte die hannoversche „Neue Presse“ 2004 im Interview mit Jon Lord wissen. „Dann bin ich stolz, ihn mitgeschrieben zu haben“, antwortete der kurz zuvor aus Deep Purple ausgeschiedene Keyboarder. „Prächtig, dieses Riff, das – wie mir Ritchie Blackmore mal erzählt hat – dadurch so viel Kraft kriegt, dass er die Saiten zieht statt schlägt. Die Plattenfirma wollte es als Single bringen, wir, die wir die Gnade der künstlerischen Freiheit hatten, wählten ‚Never before‘. Das stieg auf 27 in die Charts und starb am nächsten Tag. Dann kamen sie wieder und fragten: ‚Wie wärs jetzt mit ,Smoke‘ ?‘“ Der Rest ist Geschichte.

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Das „Riff“ gibt es vermutlich, seit musiziert wird

Apropos: Das Gestaltungsmittel Riff gab es schon in Blues und Jazz und davor, vermutlich so lange auf Erden musiziert wird. Berühmtestes Beispiel aus der Klassik ist das Riff zu Beginn des Ersten Satzes von Ludwig van Beethovens Fünfter Sinfonie.

Wobei keinem Klassikfan je das Wort „Riff“ über die Lippen käme. Der oder das „Ostinato“ (wie bei Riff gehen beide Generi) klingt deutlich vornehmer und ist selbsterklärend – das italienische Wort für „hartnäckig“ oder „starrsinnig“, gemünzt auf die stete Wiederholung.

Ritchie Blackmore erklärte das „Smoke“-Riff übrigens als eine Umkehrung des 5.-Sinfonie-Ostinatos. Er schulde Beethoven „eine Menge Geld“.

Deep Purple – Deutschlandtermine der „Whoosh!“-Tour: 23. Juni: Hamburg, Stadtpark; 5. Juli Bonn, kunstRasen; 15. Juli: Halle, Freilichtbühne Peißnitz; 16. Juli: Spalt-Enderdorf, Lieder am See; 19. Juli: Mainz, Volkspark; 21. Juli: Rosenheim, Mangfallpark Süd; 24. Juli: Lörrach, Marktplatz; 14. Oktober: Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle, 31. Oktober: Berlin, Max-Schmeling-Halle; 2. November: Oberhausen, Rudolf Weber Arena.

Aktuelles Album: Deep Purple – „Turning to Crime“ (2021, EarMusic/Edel) – ein Album mit Coverversionen

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