Ende einer Ära: Parodistin hängt Merkel-Sakko vorerst an den Nagel

Das Foto zeigt die Künstlerin Marina Tamássy in ihrer Bühnenrolle als Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Das Foto zeigt die Künstlerin Marina Tamássy in ihrer Bühnenrolle als Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Kaiserslautern. Erst Bundestagswahl, dann irgendwann eine neue Regierung: Das Ende der Kanzlerschaft von Angela Merkel ist eine Zäsur für Deutschland - und für Marina Tamássy der Abschluss einer Ära. Seit mehr als elf Jahren steht die Pfälzer Kabarettistin auch überregional als Merkel-Parodistin auf der Bühne. „Mit Moderationen und Kabarett-Shows dürften es mehr als 500 Auftritte gewesen sein.“

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Trotz der vielen Perücken und angekauften Merkel-Blazer: Jetzt ist Schluss - oder doch nicht? „Mein Agent hat gesagt, dass ich die Blazer nicht einmotten soll, da es sicher Nachfragen geben wird. Weil Merkel noch vermisst werden wird.“ Aktuell besitzt Tamássy 23 Sakkos. „Insgesamt waren es in all den Jahren bestimmt 120. Sie hat ihren Stil immer wieder verändert. Und ich musste stets modisch mitgehen.“

Merkel-Nummer nur durch Zufall entstanden

Tamássys Nummer ist kein ausgeklügelter Gag, sondern geboren in einer ungeplanten Situation. „Beim Neujahrsempfang 2010 in Kaiserslautern mit unserer Kabarettgruppe ‚Die Untiere‘ hatte der Veranstalter auch eine Merkel-Nummer angekündigt - doch der Parodist musste aufgrund kurzfristiger Terminverschiebungen absagen“, erzählt die Künstlerin.

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Ihr Mann habe dann vorgeschlagen: „Du bist doch Schauspielerin und kannst parodieren. Spiel du die Merkel.“ Begeistert sei sie nicht gewesen. „Merkel ist deutlich älter und ich hatte damals noch eine völlig andere Statur“, sagt sie augenzwinkernd.

Eine Woche lang bereitete sie sich vor. „Ich saß Tag und Nacht vor YouTube und habe Stimme und Gang studiert.“ Elf Jahre später blickt sie kritisch auf das Debüt. „Meine damalige Merkel war als Karikatur angelegt. Das machen auch heute noch viele. Das bringt Lacher, wird der Figur aber nicht gerecht. Angela Merkel ist mehr als nur Raute.“

Tamássy sieht die CDU-Politikerin auch als pfiffige und klare Wissenschaftlerin. „Letztlich bin ich vom Karikieren zum Parodieren übergegangen. Meine Merkel ist komisch, ohne hässlich zu sein.“ Die Kanzlerin habe sich in 16 Amtsjahren verändert, aber sei sich im Kern treu geblieben, meint die in Mannheim aufgewachsene Kabarettistin.

Tamássy versucht respektvolle Parodie

„Ich halte sie persönlich für eine Frau, die verdient hat, dass man sie respektvoll parodiert. Und das tue ich mit Herzblut.“ Ein Großteil der Texte stammen von ihrem Mann. „Vieles schreibe ich auch selbst. Dabei versuche ich stets tagesaktuell zu sein.“

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In der politischen Kabarettgruppe Die Untiere ist „die Merkel“ nicht die einzige Figur, die Tamássy verkörpert. So spielt sie unter anderem die „Aktivistin Berta Mutinger“ und mit ihrem Mann, dem Bühnenautor Wolfgang Marschall, schreibt und inszeniert sie monatliche Kabarett-Shows und eigene Singspiele. Tamássy besitzt eine klassische Gesangs- und professionelle Sprecherausbildung.

Tamássy beobachtet Annalena Baerbock

Auch als damalige SPD-Chefin Andrea Nahles stand Tamássy schon auf der Bühne. Reizt die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sie nicht? „Noch hat Frau Baerbock für mich als Künstlerin noch kein sehr ausgeprägtes Profil für eine Parodie“, sagt Tamássy. „Ich möchte sie noch beobachten und schauen, wohin die Reise geht, nach der Wahl.“

Wie geht es weiter mit „ihrer“ Merkel? Bei einer Revue am 8. und 9. Oktober im SWR-Studio in Kaiserslautern nimmt Tamássy vorerst „offiziell“ Abschied von der Bühnenrolle. Erwartet werden Politstars wie Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas - auch als Parodien.

Und danach? Bleiben die Sakkos im Schrank? „Ich mache zunächst eine Pause und schaue, wie es mit Angela Merkel weitergeht“, sagt Tamássy. „Dass sie nur noch Privatperson sein wird, glaube ich nicht.“ Am Ende des Gesprächs schaltet sie unvermittelt um - und plötzlich erklingt die bekannte Stimme der scheidenden Kanzlerin. „Dann machen Sie's mal gut...“, sagt Tamássy mit unverwechselbarer Merkel-Melodie.

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RND/dpa

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