Ein Gangsterleben wird zu Kino: Vor 75 Jahren starb Al Capone

Da war Chicagos Obermobster schon in Gewahrsam: Das Bild aus dem Jahr 1932 zeigt den amerikanischen Bandenchef der Unterwelt von Chicago, Al Capone (l.), unter Bewachung von U.S.-Marshall Henry C.W. Laubenheimer. Das Kino und das Fernsehen haben dem Verbrecher so einige Filme gewidmet.

Da war Chicagos Obermobster schon in Gewahrsam: Das Bild aus dem Jahr 1932 zeigt den amerikanischen Bandenchef der Unterwelt von Chicago, Al Capone (l.), unter Bewachung von U.S.-Marshall Henry C.W. Laubenheimer. Das Kino und das Fernsehen haben dem Verbrecher so einige Filme gewidmet.

Er war der Gangsterboss der Gangsterbosse, Kultfigur und Popstar des Verbrechens. 75 Jahre ist es am 25. Januar her, dass Al Capone starb, der in den Zwanzigerjahren über Chicago geherrscht hatte. Das Kino widmete sich „Fonse“, wie Alphonse Gabriel Capone auch genannt wurde, in vielen Filmen. Auch eine der berühmtesten Komödien der Traumfabrik hat ihren Ausgangspunkt in Al Capones mörderischem Treiben – Billy Wilders „Manche mögen‘s heiß“ (1959).

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Aus den Musikern Joe (Tony Curtis) und Jerry (Jack Lemmon) wurden in dem Film die Musikerinnen Josephine und Daphne, und sie reisten mit der Damencombo der blonden Sugar Kane Kowalczyk (Marilyn Monroe) im Zug von Chicago nach Florida, wo Josephine/Joe in Sugar die Liebe seines Lebens fand und Daphne/Jerry immerhin den spendablen Millionär Osgood – mit seiner Vorliebe für Tango und langstielige Rosen. Klingt zunächst nach einem romantischen Transgendermärchen, war aber eigentlich eine lebensgefährliche Flucht. Vor Al Capone.

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Denn der Saxofonist Joe und der Bassmann Jerry waren in „Manche mögen‘s heiß“ (1959) Augenzeugen einer Mafia-Massenhinrichtung geworden und Chicagos Obermobster Capone setzte alles daran, die beiden Musiker den Knatterrhythmus seiner Thompson-Maschinenpistolen zu lehren. Im Film hieß Capone zwar Gamaschen-Colombo, aber der Mann, der 1929 das berühmte Valentinstag-Massaker mit sieben Toten angeordnet hatte, war Wilders Vorbild für die Figur gewesen.

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Bei Al Capones Biografie fingen die Kameras von allein an zu surren

Schule abgebrochen, Kegeljunge, Kellner, Schläger, Mörder, nach den Lehrjahren in New York rechte Hand von Chicagos Gangsterboss Johnny Torrio und danach selbst der König der Unterwelt – bei so einer Lebensgeschichte begannen die Kameras Hollywoods in ihren Abstellräumen von alleine zu surren. Der Aufstieg des 1899 in Brooklyn geborenen Alphonse war unaufhaltsam.

„Scarface“, wie er nach einem erfolgreichen Messerangriff auf ihn auch genannt wurde, kontrollierte Chicago ab dem Frühjahr 1925, das Alkoholverbot respektive seine illegale Umgehung in den Flüsterkneipen füllte seine Taschen und die seiner korrupten Verbündeten. Er hatte viele Menschen von Einfluss zu „Freunden“ – bis hin zum Bürgermeister. Durch die Schmiergelder kam nicht nur das illegal gebraute Bier der deutschen Einwanderer problemlos in den Süden der Stadt, der Pate war auch noch geschützt vor der Polizei.

Capone pflegte das Image des Wohltäters

Seine Bluttaten waren Capone nie nachzuweisen, er pflegte das Image des Wohltäters, organisierte Suppenküchen für die Armen in der Weltwirtschaftskrise, galt als „tolerant“ gegenüber Ethnien, „fair“ gegenüber früheren Widersachern und gab sich öffentlich liebenswürdig und großzügig, ja geradezu verschwenderisch.

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Das brachte den schillerndsten unter Amerikas Gangstern, der in jeden Fotoapparat griente, den ein Journalist auf ihn richtete, am Ende zu Fall. Elf Jahre Haft erhielt Capone 1931 als Strafe – wegen Steuerhinterziehung. Nach etwas mehr als sieben Jahren, viereinhalb davon auf Alcatraz, war er wieder frei. Seine Macht indes war gebrochen. Die Faszination dagegen hält bis heute. Eine Auktion brachte Capones Enkelinnen im vorigen Herbst 3 Millionen Dollar ein – versteigert wurden eine diamantbesetzte Streichholzschachtel, des Gangsters Ehebett, ein Brief an Söhnchen Sonny aus dem Gefängnis und des Paten Lieblingspistole, ein Colt M 1911. Der war auf 150.000 Dollar geschätzt worden und ging dann für mehr als eine Million an einen anonymen Bieter. Capone ist Kult.

Das Kino entdeckte Al Capone bereits Anfang der Dreißigerjahre

Den das Kino schon früh entdeckt hatte. Capone war sowohl das Vorbild für den Gangster Enrico Bandello (Edward G. Robinson) in Mervyn LeRoys „Der kleine Cäsar“ (1931) als auch für Tony Camonte (Paul Muni) in Howard Hawks’ „Scarface“ (1932). Beide Filme begründeten das Genre des Gangsterfilms und in beiden endet der Schurke unter Polizeibeschuss. Der Realismus der Filme wurde indes als Glorifizierung missverstanden. Hawks musste sein Finale neu drehen – sein Camonte wird in der Revision zum Tode verurteilt und gehängt.

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Das war Moralkino mit Wunschdenken als Treibmittel. Der wahre Capone starb mit 48 Jahren in Freiheit zu Hause – auch an den Folgen einer Siphyllis, angeblich in der geistigen Verfassung eines zwölfjährigen Kindes.

Rod Steiger war der Erste, der den echten Capone im Kino spielte

Immer wieder hatten Filmemacher Capone im Sinn, wenn sie dem organisierten Verbrechen ein Gesicht gaben. Rod Steiger spielte ihn im Kino dann – nur eine Woche nach dem US-Start von „Manche mögen‘s heiß“ – erstmals unter seinem wirklichen Namen. In Richard Wilsons „Al Capone“ ist der bullige Schauspieler eine Naturgewalt. Der Film galt lange eher als Geheimtipp.

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1967 missglückte Roger Cormans „Chicago-Massaker“ mit Jason Robards als Capone, 1975 war „Capone“ mit Ben Gazzara ein weiterer Rohrkrepierer.

Die Serie „The Untouchables“ verärgerte die Italoamerikaner

Das Fernsehen machte es besser. Ab 1959 sagte der Prohibitionsagent Eliot Ness (Robert Stack) mit seinem Team in den vier Staffeln von „Chicago 1930″ (Originaltitel „The Untouchables“) dem Capone-Imperium den Kampf an. Die Serie, in der Capone (Neville Brand) selbst nur in drei von 119 Folgen zu sehen war, war so gewalttätig wie beim Publikum beliebt. Nur die italienische Zuschauerschaft war düpiert ob der vielen negativen Stereotype.

Und die Capone-Familie forderte eine Million Dollar für die Verwendung eines Bildes von Ex-Patriarch Al. Um die Gemüter zu beruhigen, wurde schnell der fiktive Agent Enrico Rossi als Ness‘ rechte Hand ins Ermittlerteam geschleust – ein grundguter, unkorrumpierbarer Italoamerikaner. Bene!

Sean Connery bekam für die Rolle eines Capone-Jägers den Oscar

Vielleicht hat Sean Connerys berühmter Satz „Typisch Spaghettifresser – kommt mit dem Messer zu einer Schießerei“ in Brian DePalmas „Untouchables“-Neuverfilmung fürs Kino (1987) nur deswegen keinen neuen Italoärger verursacht, weil seine Figur des Agenten Malone unmittelbar nach der Beleidigung ums Leben kommt. Für die Rolle des irischen Capone-Jägers erhielt Connery trotzdem den Oscar, Rapper Jay-Z verwendete das Zitat in seinem Song „Takeover“.

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Robert DeNiros Capone-Darstellung in „The Untouchables“ gilt als die beste (neben der von Stephen Graham in der HBO-Serie „Boardwalk Empire“ – streambar bei Sky). Und die Szene, in der DeNiro als Capone einen Handlanger mit dem Baseballschläger totprügelt, ist längst (brutale) Popkultur und wurde oft zitiert. Unter anderem bei den „Simpsons“, wo der boshafte Atomkraftwerkschef Mr. Burns den Schläger schwingt – mangels Muskelkraft aber als Capone-Kopie scheitert.

„Untouchable“-Tour - Man kann zu den Orten der Gangstergewalt reisen

Vorläufig Letzter im Bunde ist Tom Hardy („Venom“), der in „Capone“ (2020) den Mobster in seinem letzten Lebensjahr spielt, einem Drama von ermüdender Zähigkeit bei nur 103 Minuten Länge, dem in Deutschland wohl nicht nur wegen der Pandemie Kinoehren verweigert blieben. Wer möchte, kann sich bei Amazon ein Bild davon machen.

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Und wer sich lieber höchstselbst an die Orte von Capones Glorie und Gewalt begeben möchte, statt sich daheim beflimmern zu lassen, der kann „Chicago‘s Original Gangster Tour“ buchen. Im schwarz lackierten Schulbus mit der Aufschrift „Untouchable Tour“ geht es – begleitet von Gangsterdarstellern sowie Jazz und Maschinenpistolengeknatter aus der Konserve – auch an den Ort des Valentinstag-Massakers, also dorthin, wo in Joe und Jerry der Entschluss reifte, sich zwecks Selbstrettung auf Rock und Stöckelschuhe zu verlegen.

Die Busfahrt ist großes Straßentheater, die Stadtverwaltung von Chicago hätte lieber eine weiße Weste für die „windy city“. Ihr wäre es lieb, das kriminelle Image der Stadt würde endlich von Chicagos Winden verweht. Für die Gangstertour wird deshalb auch nicht öffentlich geworben. Dem unerschütterlichen Millionär Osgood hätte das zutiefst missfallen. Wie sagte er doch am Ende von „Manche mögen‘s heiß“ so tolerant, (nachdem sich die von seinem Heiratsantrag überforderte Daphne als Mann geoutet hatte): „Niemand ist vollkommen.“

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