Musikerin im Interview

Rebekka Bakken: „Vielleicht bringe ich zum Konzert ein Eierlikörchen mit“

Unverschämt lebenshungrig gibt sich Rebekka Bakken aus Norwegen.

Arbeitet an einer CD mit Coverversionen: Rebekka Bakken.

Frau Bakken, wie war Ihr Jahreswechsel?

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Richtig schön war’s. Die Weihnachtszeit bei uns im Norden ist längst nicht so besinnlich wie bei Ihnen, wir haben ein paar richtig zünftige Partys gefeiert. Aber nun ist es auch genug. Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen.

Was gibt es auf norwegischen Weihnachtspartys denn zu trinken?

Kurz gesagt: alles. Ich habe dieses Jahr wieder meinen Eierlikör gemacht und überall hin mitgebracht. Der kommt bei allen immer super an, aber er ist auch richtig, richtig gut. Das Entscheidende bei der Zubereitung ist ein wirklich erstklassiger Cognac. Ich überlege, ob ich noch schnell ein paar Flaschen zusammenmixe und mit auf Tournee nehme. Vielleicht kann ich ein paar Leute ja mit der Aussicht auf ein leckeres Eierlikörchen in meine Konzerte locken.

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Ihre Tour ist eine der ersten des neuen Jahres. Die Deutschen neigen im Winter dazu, lieber auf dem Sofa liegen zu bleiben, statt sich Konzerte anzuschauen.

Ich weiß. Ein Fehler. (lacht)

Welche Argumente, sich für einen Abend mit Ihnen aufzuraffen, haben Sie außer dem Eierlikör noch?

Ich habe mich als Argument! Und zwar nur mich. Diese Tournee ist eine ganz besondere, denn ich spiele zum ersten Mal wirklich alleine. Ich werde am Piano sitzen und singen. Fertig.

Wie kam es zu dieser Idee?

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Ursprünglich bin ich während der Corona-Pandemie aus der Not heraus alleine aufgetreten. Um dann erstaunt festzustellen, wie wunderbar und einzigartig das ist. Auf dem Schemel vor meinem Piano ist vielleicht der Ort, an dem ich mich am meisten auf dieser Welt zu Hause fühle. Ich achte darauf, dass ich mir jeden Tag mindestens eine Stunde Zeit am Klavier nehme, um zu komponieren, die Musik auszuforschen, beim Spielen in mich hineinzuhorchen, einfach eins zu werden mit meinem Instrument und meinen Gefühlen. Einfach zu spielen und Dinge am Piano zu tun, die mir gerade in den Sinn kommen, das ist mein Glück und mein Seelenheil. Und zum ersten Mal kann mir das Publikum dabei zuschauen.

Hatten Sie heute auch schon Ihre Stunde am Piano?

Noch nicht. Ich musste früh raus. In der Schule meines Sohnes, der jetzt acht ist, gab es ein Fest, und das wollte ich mir nicht entgehen lassen.

Ihr Mann, der kanadische Musiker Malcolm Burn, spielt üblicherweise in Ihrer Band Schlagzeug. Bei der jüngsten Tour war auch Ihr Sohn mit dabei. Was machen die Männer nun?

Die bleiben schön in Oslo und genießen ihre gemeinsame Jungszeit. Ich glaube, sie wollen für ein Wochenende vorbeikommen.

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Spielt Ihr Sohn auch schon Klavier?

Nö, will er nicht. Er liebt Musik, aber er mag alle anderen Instrumente lieber.

Wann haben Sie selbst realisiert, dass Klavierspielen und Singen Sie glücklich machen?

Als Teenager. Das erste Instrument, das ich erlernte, war die Violine. Niemand in meinem Umfeld spielte Musik, und mir war es ein bisschen peinlich, immer mit diesem Geigenkasten durch die Gegend zu laufen. Also fing ich an zu singen, und um mich selbst begleiten zu können, brachte ich mir gleich noch das Klavierspiel bei.

Immer neugierig aufs Piano

Ist das Piano ein Freund?

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Ha, das ist fantastisch! Ja, absolut. Es ist ein platonischer Freund, den ich liebe und auf den ich nach all den Jahren immer noch neugierig bin. Wir verstehen uns außerdem blind.

Ihre dunkle und leicht rauchige Stimme dürfte solo auch besonders gut zur Geltung kommen, oder?

Das will ich doch hoffen. (lacht) Den Leuten wird keine andere Wahl bleiben, als sich auf meine Stimme einzulassen. Ich werde viele meiner eigenen Lieder singen, natürlich auch Stücke aus meinem Tom-Waits-Album „Little Drop of Poison“ und auch einige neue Lieder von meinem nächsten Album, das im Frühjahr rauskommen soll.

Peter Gabriel gehört zu den Sängern, die Rebekka Bakken auf ihrem neuen Album covert.

Peter Gabriel gehört zu den Sängern, die Rebekka Bakken auf ihrem neuen Album covert.

„Always on My Mind“ wird die neue Platte heißen.

Es ist ein Album mit Coversongs. Ich interpretiere darauf Songs, die ich schon seit langer Zeit liebe. Manchen fühle ich mich bereits von Kindheit an sehr verbunden. Dazu zählen etwa „Why“ von Annie Lennox, „Yesterday“ von den Beatles oder „Here Comes the Flood“ von Peter Gabriel.

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Sie haben 1995 Ihr Philosophie- und Wirtschaftsstudium abgebrochen und sind nach New York gezogen, um sich dort als Sängerin zu etablieren. Waren Sie damals besonders mutig?

Besonders mutig, aber auch ein bisschen wahnsinnig. Ich spürte, wie die düstere Stimme, die mir sagte „Rebekka, vergiss es, das kannst du nicht“ von Tag zu Tag leiser wurde. Ich habe mich das einfach getraut, mich ohne Job und ohne wirkliche Zukunftspläne in New York einfach irgendwie durchzuschlagen. Ich war superfrei und, wenn ich heute darüber nachdenke, echt ganz schön kess. Auch später, als ich mit dem Musiker Wolfgang Muthspiel nach Wien ging, um mit ihm diese operettenartigen Lieder zu singen, bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen. In deinen Zwanzigern hast du dieses Besorgnis-Gen noch nicht so entwickelt, du bist risikobereiter und einfach auch ein wenig verrückter.

Heute leben Sie mit Mann und Sohn in Oslo. Sind Sie, wie man so sagt, angekommen?

Alles spricht dafür, allerdings empfinde ich ein leichtes Unwohlsein bei diesem Gedanken. Als mein Leben in den Dreißigern und frühen Vierzigern zu risikolos und eingefahren zu werden drohte, habe ich noch gegengesteuert, um nicht das Gefühl zu bekommen, wie ein in der warmen Garage geparktes Auto zu leben. Aber letztlich gehört zu dem Leben, wie ich es jetzt führe, ebenfalls Mut. Was immer ich tue: Maßgeblich ist für mich, aufgeschlossen und offen zu bleiben und meine Entscheidungen nicht aus Angst, sondern aus Überzeugung heraus zu treffen.

Haben Sie sonst noch gute Tipps für junge Musikschaffende?

Sucht euch einen Psychologen, um eure Ängste in Schach zu halten, euch selbst besser kennenzulernen und herauszufinden, was euch antreibt und bewegt. Ich hatte damals in New York einen wirklich tollen Psychiater, der mir sehr geholfen hat, zum Kern meiner Persönlichkeit vorzudringen.

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Ihre Musik wird oft in der Jazzschublade abgelegt, dabei singen Sie Lieder aus allen Genres. Was ist Ihr musikalischer Kern?

Musik ist für mich wie ein großes Frühstücksbüfett im Hotel. Ich will alles probieren. Ich möchte mich nicht einschränken, ich möchte mich immer wieder neu ausprobieren, so wie jetzt mit den Soloshows. Meine Persönlichkeit hat sehr viele Aspekte, ich fühle mich jeden Tag ein wenig anders. Und ehrlich gesagt liebe ich diese Vielseitigkeit an mir.

Rebekka Bakken auf Tour

Nach einem Nomadenleben wohnt Rebekka Bakken, 1970 in Oslo geboren, nun wieder mit Mann und Sohn in der norwegischen Hauptstadt. Bakken arbeitete mehrere Jahre in New York und Wien. 2003 kamen ihr erstes Soloalbum und ein gemeinsames Album mit Pianistin Julia Hülsmann heraus. Die vielseitigen Lieder und die betörend dunkle, mal sanfte und mal rotzige Stimme der Singer-Songwriterin stechen heraus. Nun ist die 52-Jährige erstmals ganz allein, ohne Band, auf Deutschland-Tournee – sie tritt noch am 26. Januar in Hannover auf, am 27. Januar in Neuenhaus, am 28. in Oldenburg und am 29. Januar in Worpswede.

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