„Layla“ vom Thron verdrängt

Nummer eins der Charts: Wer ist eigentlich Nina Chuba?

Nina Chuba bei einem Auftritt in Aargau (Schweiz).

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Hannover. Nina Chuba will „Immos“, „Dollars“ und „fliegen wie bei Marvel“, zum „Frühstück Kanapees“ und ein „Wildberry Lillet“. Wie viele dieser Wünsche schon in Erfüllung gegangen sind? Unbekannt. Klar ist aber: Dem Traum von einer ganz großen Musik­karriere ist Chuba ein Stück näher gekommen – spätestens seit Freitag.

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Die Sängerin hat es mit ihrem Deutsch­rapsong „Wildberry Lillet“ an die Spitze der deutschen Singlecharts geschafft. Das ist in gleich zweierlei Hinsicht bemerkens­wert: Zum einen hat die 23-Jährige damit die Erfolgs­serie des Ballermann-Skandalhits „Layla“ durchbrochen, der sich in den vergangenen Wochen genau an dieser Stelle fest­gesetzt hatte. Zum anderen steckt hinter Chubas Erfolgshit ein echtes Internet­phänomen.

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Wer ist Nina Chuba? Und was macht ihren Hit so erfolgreich?

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Karrierestart bei den „Pfefferkörnern“

Chuba, 1998 geboren als Nina Kaiser im schleswig-holsteinischen Wedel, beginnt ihre Karriere im zarten Alter von acht Jahren. Allerdings nicht als erfolgreiche Rapperin, sondern auf der Coolness­leiter ein paar Stufen weiter drunter: Chuba ist Ensemble­mitglied der ARD-Kinderserie „Die Pfefferkörner“, wo sie die „pfiffige“ und „freche“ Marie Krogmann verkörpert, die stets im Schatten ihres Bruders Laurenz steht und sich oft beweisen muss.

Marie ist laut Charakter­beschreibung nicht nur die „Meisterin der Tarnung“, sondern hasst auch Lange­weile über alles. Chuba wird im Vorspann der Serie weder mit ihrem Klarnamen noch mit ihrem heutigen Künstler­namen vorgestellt, sondern als „Nina Flynn“. In der siebten Staffel verlässt Chuba die Serie, ihre Figur Marie zieht mit ihrer Familie nach Kapstadt.

Eigentlich hätte danach eine Karriere als Astronautin folgen können – so zumindest der frühere Wunsch der Sängerin, wie auf einer „Pfefferkörner“-Website des NDR zu lesen ist. Chubas Vater habe ihr diesen Plan allerdings schnell ausgeredet, sagt die Sängerin dem Magazin „Diffus“. Sie sei schlichtweg zu schlecht in Mathe gewesen.

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Von „Notruf Hafenkante“ bis „Traumschiff“

Was stattdessen folgt, ist eine Schauspiel­karriere im Vorabend­programm der öffentlich-rechtlichen Sender. Chuba hat Auftritte in der ZDF-Produktion „Notruf Hafenkante“, später im Fernsehfilm „Eine Hand wäscht die andere“. Auch in der ZDF-Serie „Letzte Spur Berlin“ spielt die Sängerin mit. Der größte Kontrast zur heutigen Rapkarriere dürfte allerdings ein anderer sein: 2018 verkörpert Chuba die Figur der „Lotte“ – ausgerechnet auf dem ZDF-„Traumschiff“.

Die Schauspielerei prägt Chuba schon im jungen Alter, wie sie „Diffus“ erzählt – und das offenbar nicht immer positiv. „Dir wird immer erzählt, ‚das ist die krasseste Kinder­serie Deutschlands‘. (…) Und dann hast du natürlich irgendwann dieses Denken drin: ‚Ey, ich bin voll cool. Ey, ich bin ja ein kleiner Star.‘“ Zeitweise sei sie deshalb ganz schön abgehoben. Ihre Mutter habe sie jedoch schnell auf den Boden der Tatsachen zurück­geholt.

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Nach der Karriere als Kinder­schauspielerin bewirbt sich Chuba in Potsdam auf ein Regie­studium – und wird abgelehnt. Die Absage der Uni enthält eine ganze Liste an „Dingen, die man können müsste“, wie Chuba erzählt – „und da stand überall: ‚Kannste nicht.‘“ Das habe sie psychisch „richtig runter­gezogen“. Rückblickend sei die Zeit eine „blöde Phase“ gewesen – heute sei sie froh, nicht an der Uni angenommen worden zu sein.

Auf den Spuren von Amy Winehouse

Stattdessen kümmert sich Chuba um ihre Musik. Auf Instagram ändert sie ihren Usernamen von „ninakaiser1″ zu „ninachuba“ – der Name, den sie auch für ihre spätere Musik­karriere nutzt. Mit den Namen „Kaiser“ könne man schließlich „nur Schlager machen“.

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2016 folgen erste Achtungs­erfolge. Aus der Musik­schule von Chubas Heimat­stadt Wedel heraus gründet sich die Band BLIZZ, Chuba ist Front­sängerin. 2018 veröffentlicht die Gruppe ihre erste EP mit dem Namen „Something New“. Später nimmt die Gruppe an Band­wettbewerben teil, beim SPH-Bandcontest erreicht BLIZZ im Jahr 2019 Platz vier.

Die Musik ist heute noch auf der Facebook-Seite der Gruppe zu hören – und klingt deutlich anders als Chubas heutige Solo­songs. Sie ist englisch­sprachig und vor allem eines: sehr soulig. Einige Stücke klingen stark nach Amy Winehouse, in anderen singt Chuba mit lauter Rock­röhre. 2018 verlässt die damals 19-Jährige die Band und zieht von Hamburg nach Berlin.

Erste Songs auf Deutsch

Eines jedoch bleibt: Chuba lässt sich in den Anfängen ihrer Musik­karriere offenbar gerne von großen US-Popstars inspirieren. 2020 bringt die Sängerin einen Solo­song mit dem Namen „I Can’t Sleep“ heraus. Ein Song, der auch ein Billie-Eilish-Hit sein könnte. Auf einen gedämpften Elektro­beat haucht Chuba die Text­zeilen „In the dead of night / I’ll be here by your side / Ghosts don’t sing / So you know that I’m alive“. Der Song „Lip Shut“ klingt derweil wie die Musik großer US-Hip-Hop-Stars.

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Auch elektronische Beats probiert Chuba zeitweise aus. Der Song „I Can’t Sleep“ wird vom Produzenten Somma geremixt, zusammen mit David Puentez veröffentlicht Chuba den Slap-House-Song „Call You Mine“. Drei Jahre geht das so. Wirklich erfolgreich werden Chubas Songs allerdings erst zu dem Zeit­punkt, als die Sängerin ihre Sprache wechselt – und fortan deutsche Musik macht.

Der Impuls dazu sei gar nicht von ihr selbst ausgegangen, wie Chuba in einem Interview mit „Apple Music“ erzählt. Zusammen mit einem Kumpel habe sie „aus Spaß“ einen deutschen Song gemacht und diesen herum­geschickt. „Plötzlich waren Leute interessiert. Der Song hat viel mehr Anklang gefunden als meine englische Musik“, so Chuba.

Peter Fox als Vorbild

Das habe die Sängerin anfangs „superschade“ gefunden, sie habe das „überhaupt nicht verstehen“ können. Irgendwann habe sie jedoch realisiert, dass es „superschwer“ sei, ein „internationales Projekt aus Deutschland heraus“ zu realisieren. „Dann habe ich halt versucht, auf Deutsch zu singen – und dann hat es mir auch wirklich viel Spaß gemacht“, so die Sängerin.

Keine Selbst­verständlichkeit: Deutsche Texte zu schreiben sei bedeutend schwieriger, sagt Chuba. Man laufe schnell Gefahr, dass es „cheesy“ klingt – das sei bei englischen Texten anders. Darum habe sie sich anfangs vehement gewehrt, Songs auf Deutsch zu produzieren. Die passende Inspiration für deutsche Texte sollen schließlich Chubas Jugend­idole geliefert haben. Hier nennt die Sängerin insbesondere Peter Fox und sein Album „Stadtaffe“ sowie den Chemnitzer Rapper Trettmann.

Bereits im vergangenen Jahr erhält Chubas Musik immer mehr Aufmerksamkeit. Das Label Jive (Sony Music) nimmt die Sängerin unter Vertrag, sie releast Songs wie „Femminello“, „Tracksuit Velours“ oder „Nicht allein“, ein Song über die Depressionen einer befreundeten Person. Die Songs werden auf Spotify zum Teil mehr als fünf Millionen Mal gestreamt.

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Ein Song für den Deutschrap-Lifestyle

Auch mit Kraftklub-Sänger Kummer kooperiert Chuba. Dessen Hit „Der letzte Song“ wird in einer neuen Version veröffentlicht, in der Chuba den Refrain singt. Auch die Band Provinz macht einen Song mit Chuba. „Zorn und Liebe“ wird mehr als acht Millionen Mal allein auf Spotify gestreamt.

Und auch wenn all diese Songs schon ziemlich erfolgreich sind, so kommen sie nicht ansatz­weise an das heran, was Chuba schließlich mit „Wildberry Lillet“ gelingt – der neuen Nummer eins der deutschen Charts.

Bei dem Song handelt es sich um einen Deutschrap­track mit leichten Reggae­einflüssen sowie einem harten 808-Beat. Der gesamte Song­text besteht ausnahmslos aus Wünschen: Neben „Immos“ und „Dollars“ will Chuba ein „Haus für meine Mama an der Küste von Catania“, einen „Private Jet in der Garage“, „Flamingos in meinem Garten“, einen „Private Spa auf vier Etagen“ und „haben haben haben“. Ein Text, der perfekt zum Deutschrap-Lifestyle passt.

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Tiktok macht „Wildberry Lillet“ berühmt

Einen großen Anteil am Erfolg des Songs hat, wie so häufig, die Plattform Tiktok. Hier veröffentlicht Chuba am 3. August einen kurzen Ausschnitt. Im Video ist Chuba in einem Fußball­trikot zu sehen, die Sängerin tanzt durch einen Park. Zu hören ist der Refrain, der offenbar viele Fans der Sängerin unmittelbar in ihren Bann zieht. Bis heute haben 5,9 Millionen Menschen das Tiktok-Video gesehen.

Das Konzept wiederholt Chuba dutzende Male. Mal tanzt die Sängerin vor ihrem Bett, mal mit Freunden vor einem Festzelt, mal im Hausflur vor Umzugs­kartons, mal auf einer Wiese, mal in einem Pool, mal in Jogging­hose, mal im Abend­outfit. Immer mehr Menschen werden auf das Lied aufmerksam.

Schon am 8. August wundert sich die Sängerin in einem Video, dass schon 2000 Leute den Sound des Songs für eigene Videos verwendet haben. Zwei Tage später erklärt Chuba, sie habe so oft durch die Fanvideos gescrollt, dass sie sich inzwischen eine Sehnen­scheiden­entzündung zugezogen habe. Fast 90.000 Menschen tanzen, singen oder kochen inzwischen zu Chubas Song, andere verwenden den Sound in Sketchen oder in Schmink­videos.

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Album geplant

Inzwischen ist „Wildberry Lillet“ nicht nur ein viraler Internethit, sondern längst im Mainstream angekommen. Mit rund zehn Millionen Streams allein auf Spotify hat Chuba inzwischen den Ballermann-Hit „Layla“ vom Thron der deutschen Charts gestoßen.

Eine Erfolgs­geschichte, die an dieser Stelle nicht zu Ende sein dürfte. Derzeit arbeite die Sängerin an einem Album, wie sie „Apple Music“ erzählt.

Dafür wolle sich Chuba allerdings noch „ein bisschen Zeit“ lassen. Einen Anspruch für die erste Platte hat die 23-Jährige aber bereits: Es soll sehr reggaelastig werden. Wie damals bei ihren Idolen: Peter Fox und Trettmann.

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