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„Star Trek“-Star gestorben

Nichelle Nichols: Ein Kuss von einem anderen Stern

Einmal Enterprise, immer Enterprise: „Star Trek“-Star Nichelle Nichols, alias Lieutenant Uhura vom „Raumschiff Enterprise“, aufgenommen 1996 in Köln.

US-Schauspielerin Nichelle Nichols verstorben

Ein leuchtendes Vorbild war Nichols in den 1960er Jahren vor allem für die Bürgerrechtsbewegung in den USA.

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Ihre rote Minirockuniform war so mini, dass man die schier endlosen Beine von Lieutenant Uhura fast komplett sah. Aber die Atmosphäre an Bord des Raumschiffs Enterprise war professionell, wissenschaftlich, der Weltraumschwan war schließlich kein „love boat“.

Und wenn es an Bord #MeToo-würdige Vorfälle unter der Mannschaft gab, so sind sie in den 79 Folgen der im Original „Star Trek“ betitelten Science-Fiction-Serie (1966–1969) nicht dokumentiert. Außer natürlich „der Kuss“: Der draufgängerische weiße Captain James T. Kirk hatte die schwarze Kommunikationsoffizierin und Philologin Nyota Uhura geküsst – unter dem telekinetischen Einfluss eines Aliens freilich. Aber trotzdem: Skandal!

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Das TV-Network NBC bestand 1968 jedenfalls auf der Inszenierung eines Scheinkusses ohne Lippenberührung, man fürchtete die Reaktion der Sendestationen im amerikanischen Süden. Es waren unruhige Zeiten: Ein halbes Jahr, bevor die „Star Trek“-Folge „Platos Stiefkinder“ am 22. November im amerikanischen Fernsehen lief, war der führende Bürgerrechtler Martin Luther King ermordet worden.

Der Kuss war echt – darauf bestanden Nichols und William Shatner

Es war dann ein richtiger Kuss, darauf bestand die Schauspielerin Nichelle Nichols, die am 30. Juli im Alter von 89 Jahren in Silver City in New Mexico starb, in ihrer Autobiografie „Beyond Uhura: Star Trek and Other Memories“. Sie und ihr Kollege (und lebenslanger Freund) William Shatner hätten die „richtige“ Szene gegenüber dem Fakekuss dann auch durchgesetzt. Allein mit ihrer Präsenz auf der Brücke der Enterprise aber hatte Nichols schon eine Barriere eingerissen. Ihre Uhura brach mit dem Stereotyp, dass schwarze Frauen in Kino und Fernsehen nur in unbedeutenden Rollen, meist denen untertäniger Haushälterinnen, zu sehen waren.

Und sie lehrte Amerika und der Welt, dass sich die Menschheit des 23. Jahrhunderts endgültig von Rassenhass befreit hatte. Die Föderation war eine funktionierende Multikultigesellschaft, integrativ weit über die Spezies Mensch hinaus.

Martin Luther King begriff das Potenzial von „Star Trek“ und Uhura

Martin Luther King hatte das begriffen, „Star Trek“ war die einzige Serie, die der charismatische Baptistenprediger regelmäßig sah, für die auch seine Kinder wach bleiben durften. Und King war es auch höchstselbst, der Nichols dazu überredete, nach der ersten Staffel dabeizubleiben. Das Studio hatte die Fanpost der Schauspielerin zurückgehalten, damit ihr die Popularität nicht zu Kopf stiege. Die darob frustrierte Nichols wollte zurück ans Theater.

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Über ihre Begegnung mit dem Bürgerrechtler King auf einer Veranstaltung 1967 sagte sie mehr als 40 Jahre später in einem Interview, er habe ihr gesagt, sie habe „das Gesicht des Fernsehens für immer verändert“. Sie sei ein Vorbild für Afroamerikanerinnen, sie müsse weiterhin die vierthöchste Offizierin der Enterprise spielen. „Die Weitsicht von Dr. King schlug wie ein Blitz in meinem Leben ein“, erinnerte sich Nichols.

Gerne hätte Nichols einmal das Kommando über die Enterprise gehabt

Uhura blieb Nichols’ bedeutendste Rolle, in der sie zum letzten Mal 2020 in dem Fanfilm „Star Trek: The Last Frontier“ zu sehen war. In der „Star Trek“-Zeichentrickserie in den frühen Siebzigerjahren übernahm die Cartoon-Uhura in einer Folge sogar das Kommando der Enterprise – was sehr zu Nichols’ Bedauern in der Realfilmserie und den sechs Kinofilmen nie passierte. Der Weltraum spielte dann auch über die Kameras hinaus eine Rolle in ihrem Leben. Fast zehn Jahre war Nichols (bis 1987) bei der Nasa mit der Rekrutierung von Astronauten – ethnische Minderheiten und Frauen – beschäftigt. 1992 bekam sie einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame. Und 2001 wurde ein frisch entdeckter Asteroid ihr zu Ehren 68410 Nichols getauft.

Im Gegensatz zu manch anderen Kollegen freute sie sich auch auf die „Star Trek“-Conventions, bei denen sie – etwa 2009 in Bonn – als Stargast auftauchte. „Ich bin ein Fan der Fans“, sagte sie in einem Interview. „Ich liebe sie, ich liebe es, ihnen nahe zu sein. Ich liebe ihre Verrücktheit und ihre Treue.“ Erst 2018 zog sie sich von diesen Spektakeln zurück, als bei ihr Demenz diagnostiziert worden war.

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Zweimal war die Frau, die 1932 als Grace Dell Nichols in Illinois geboren wurde und eigentlich Tänzerin hatte werden wollen, verheiratet gewesen, hatte außerdem eigenen Bekundungen zufolge eine Beziehung mit „Star Trek“-Erfinder Gene Roddenberry gehabt. Mit ihr starb nun nach DeForest Kelley (1999, Dr. Leonard McCoy), James Doohan (2005, Chefingenieur Montgomery „Scotty“ Scott), Majel Barrett (2008, Schwester Christine Chapel) und Leonard Nimoy (2015, Mr. Spock) der fünfte Star der Originalserie.

Ihr Sohn Kyle Johnson, der ihren Tod der Welt bekannt gab, fasste seine Trauer in poetische Zeilen der Hoffnung: „Ihr Licht wird, wie die alten Galaxien, die dieser Tage erstmals zu sehen sind, uns und kommenden Generationen erhalten bleiben, um sich daran zu erfreuen, davon zu lernen und sich inspirieren zu lassen.“

Und William Shatner twitterte in Trauer: „Es tut mir so leid, von Nichelles Tod zu hören. Sie war eine wunderschöne Frau und spielte eine bewundernswerte Figur, die so viel für die Neudefinition sozialer Themen sowohl hier in den USA als auch in der ganzen Welt getan hat. Ich werde sie vermissen. Meine Liebe und mein Beileid an ihre Familie. Bill“

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Der Aufruhr um den Kuss zwischen Bill und Nichelle war dann in der Adventszeit 1968 erstaunlicherweise gering gewesen. Die meiste Post, die das Studio erhielt, war den Küssenden gewogen. Und selbst ein älterer Rassist aus den Südstaaten, den Nichols in ihren Memoiren zitierte, gab sich in einem Brief chauvinistisch nachsichtig: „Ich bin absolut gegen die Vermischung der Rassen“, schrieb er. „Aber jedes Mal, wenn ein heißblütiger amerikanischer Junge wie Captain Kirk eine schöne Frau in die Arme bekommt, die wie Uhura aussieht, wird er sich nicht dagegen wehren.“

Höchste Zeit, dass das 23. Jahrhundert beginnt.

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