Gewinner des Goldenen Bären 2023 startet

Inbrünstig singen: Berlinale-Sieger „Auf der Adamant“ stellt ein ungewöhnliches Psychiatrieprojekt vor

Gemeinsam an Bord: Auch Tanzworkshops gehören auf der Adamant zum therapeutischen Ansatz. Szene aus der Doku „Auf der Adamant“, die den Goldenen Bären der 73. Berlinale erhielt,

Gemeinsam an Bord: Auch Tanzworkshops gehören auf der Adamant zum therapeutischen Ansatz. Szene aus der Doku „Auf der Adamant“, die den Goldenen Bären der 73. Berlinale erhielt,

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Die „Adamant“ ist ein besonderes Schiff. Sie liegt am rechten Ufer der Seine mitten in Paris vor Anker und ist als Tageszentrum für Erwachsene mit psychischen Störungen Teil eines größeren Klinikverbunds. Zum Therapiekonzept gehören Workshops, in denen sich die Patientinnen und Patienten kreativ entfalten können.

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Nicolas Philiberts Doku gewann den Goldbären überraschend

Für diese Menschen nimmt sich Regisseur Nicolas Philibert („Sein und Haben“) viel Zeit. Sein Film ist der erste Teil einer Trilogie rund um das psychiatrische Krankenhaus, zu dem das Boot gehört. Auf der Berlinale im Februar wurde er – etwas überraschend – mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

„Auf der Adamant“ beginnt mit einem inbrünstigen Gesangsvortrag eines Patienten namens François über „Bombes Humaines“, also menschliche Bomben. Dass François dieses Lied ausgewählt hat, ist wohl kein Zufall. Später werden wir erfahren, dass er Medikamente braucht, um nicht auszurasten. François ist sich seiner Situation bewusst und hat eine positive Einstellung zur Psychiatrie.

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Der schillerndste Tagesbesucher ist wohl Frederic. Sein Habitus eines intellektuellen Bohemiens lässt zunächst gar nicht an einen Psychiatriepatienten denken. Erst recht nicht, wenn er am Klavier ein selbst komponiertes und getextetes Lied vorträgt. Letztlich werden aber auch die Probleme angesprochen, mit denen er zu kämpfen hat.

Der Regisseur ist mehr am Bordalltag als an Krankenstudien interessiert

Alles in allem zeigt sich Regisseur Philibert an Krankheitsbiografien jedoch wenig interessiert. Er lässt seine Protagonistinnen und Protagonisten reden und gibt Einblicke in den Alltag an Bord. Mal ist er bei der Besprechung der Tagesordnung zugegen, mal bei der Wochenabrechnung der schiffseigenen Bar, bei der nicht immer ganz sicher mit Zahlen jongliert wird.

Interessant ist es vor allem, wenn es um die Workshops geht. In einem Kurs wird genäht und geschneidert, in einem anderen musiziert, und der Filmclub plant anlässlich seines zehnjährigen Bestehens ein Festival. Besonders viel kreatives Potenzial scheint der Malworkshop aus den Teilnehmenden herauszukitzeln. Die dabei entstandenen – oft sehenswerten – Ergebnisse werden stets ausgiebig besprochen.

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Das Miteinander auf der Adamant steht im Vordergrund

Meist wird erst in solchen Momenten offenkundig, wer auf welcher Seite steht. Es ist schwer zu erkennen, wer zum Betreuungspersonal und wer zu den Tagesgästen zählt. Das ist einerseits vom Regisseur so gewollt, der mehr den Menschen als den psychisch Kranken zeigen will. Zum anderen unterstreicht es den therapeutischen Ansatz, der auf der „Adamant“ das Miteinander in den Vordergrund stellt.

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Ein Prinzip des Regisseurs wiederum ist es, nichts zu erklären. Er stellt das Konzept der 2010 eröffneten Einrichtung in keinen größeren Zusammenhang. So bleiben trotz einiger Texttafeln Fragen offen. Es könnte sich als schwierig erweisen, mit der Dokumentation ein Publikum zu erreichen, das über fachlich Interessierte hinausgeht. Aber vielleicht hilft ja der Berlinale-Bär.

„Auf der Adamant“, Regie: Nicolas Philibert, Doku, 109 Minuten, FSK 0

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