Im 19. Jahrhundert geklaut

Britisches Museum führt offenbar mit Griechenland Geheimgespräche über Akropolis-Skulpturen

Parthenon-Marmore im Britischen Museum (Archivbild).

Parthenon-Marmore im Britischen Museum (Archivbild).

London. Die griechische Regierung verhandelt mit dem Britischen Museum über eine Rückkehr des Parthenon-Frieses. Der britische Diplomat Lord Elgin hatte die Marmorfragmente Anfang des 19. Jahrhunderts von der Athener Akropolis nach London verfrachtet. Griechenland fordert seit 180 Jahren die Rückgabe der Stücke. Kommt es jetzt zu einer Einigung?

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1982 besucht die Schauspielerin und griechische Kulturministerin Melina Merkouri das Britische Museum. Beim Anblick eines marmornen Pferdekopfes vom Parthenon bricht sie in Tränen aus. Merkouri streichelt den Kopf und sagt: „Du bist so wunderschön, wir werden Dich nach Hause holen!“

Griechenland fordert seit langem Rückgabe

Dieses Versprechen könnte bald in Erfüllung gehen. Nach zahllosen erfolglosen Anläufen zeichnet sich jetzt im Tauziehen um eine Rückkehr der Parthenon-Skulpturen nach Athen offenbar eine Annäherung ab. Das berichtete am Wochenende die griechische Zeitung „Ta Nea“. Griechische Regierungskreise bestätigten am Sonntag, es gebe einen Dialog mit dem Museum.

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„Wir suchen neue positive, langfristige Partnerschaften [...] und natürlich schließt das Griechenland ein.“

Britisches Museum

Die Geheimgespräche finden auf höchster Ebene statt. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat das Thema zur Chefsache gemacht. Laut „Ta Nea“ traf er sich in den vergangenen zwölf Monaten mehrfach mit George Osborne, dem früheren britischen Schatzkanzler und heutigen Präsidenten des Kuratoriums des Britischen Museums. Die erste Begegnung der beiden Männer fand danach im November 2021 in der Residenz des griechischen Botschafters in London statt. Das jüngste Treffen zwischen Mitsotakis und Osborne gab es vergangenen Montag in London im Hotel Berkeley. Die Verhandlungen seien bereits weit fortgeschritten, berichtet die griechische Zeitung und zitiert einen Insider mit der Aussage, 90 Prozent der zur Diskussion stehenden Fragen seien geklärt, zehn Prozent noch ungelöst. Die Verhandlungen seien „schwierig, aber nicht aussichtslos“. Es gebe „bedeutende Fortschritte“.

Großbritannien hat seit Jahrzehnten abgelehnt

Es geht um 220 Tonnen Marmor: Statuen und Fragmente vom Parthenon, des berühmtesten erhaltenen Bauwerks der griechischen Antike. Die Briten sprechen von den „Elgin Marbles“. Diesen Namen verdanken die Marmorstücke jenem Mann, der sie zwischen 1802 und 1812 aus Athen nach London schaffen ließ: Lord Thomas Bruce, Graf von Elgin und Kincardine. Der Adlige war damals britischer Botschafter in Konstantinopel. Er verschaffte sich 1801 eine Genehmigung der damals über Griechenland herrschenden Besatzer, die es ihm angeblich gestattete, jedwede Stücke aus den Akropolis-Bauwerken herauszubrechen und nach London zu verschiffen. Mit Steinsägen, Meißeln und Brechstangen zerlegten Elgins Arbeiter große Teile des Parthenon-Frieses. Sie richteten dabei schwere Schäden an und zerstörten zahllose Skulpturen. 1816 verkaufte Elgin seine Sammlung an das Britische Museum.

Für Melina Merkouri war es „ein Akt des Vandalismus und der Barbarei“. Seit 1842 fordert Griechenland die Rückgabe. Der Kampf um die Stücke ist in jüngerer Zeit vor allem mit Merkouris Namen verbunden. Sie startete nach ihrer Ernennung zur Kulturministerin 1981 eine internationale Kampagne. Im 2009 eröffneten Athener Akropolis-Museum haben die Griechen einen Platz für die Marmorfragmente reserviert: Sie sollen im obersten Stockwerk ausgestellt werden, durch dessen Glasfassade der gegenüberliegende Parthenon zu sehen ist. Bisher sind in diesem lichtdurchfluteten Saal an einer originalgroßen Nachbildung des Frieses Gipsabdrücke der Skulpturen zu sehen.

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Dass sich nun etwas bewegt in den lange festgefahrenen Gesprächen, ist auch einem Stimmungswandel in der internationalen Wahrnehmung zu verdanken. Weltweit gibt es eine Diskussion darüber, ob Museen Exponate aus der imperialen und kolonialen Ära an die Herkunftsländer zurückgeben sollten. In Großbritannien sagen in einer Umfrage 57 Prozent der Befragten, die Parthenon-Fragmente gehörten Griechenland. Nur 18 Prozent meinten, sie sollten in London bleiben. Es gibt aber eine große Hürde: Nach den Statuten darf das Museum keine Exponate aus seiner Sammlung abgeben. Denkbar wäre zwar eine Leihgabe. Ob die griechische Regierung darauf eingeht, ist aber ungewiss.

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