Grippesaison 2021/22: Erwartet uns im Herbst eine Influenzawelle?

Wird die Grippewelle im Herbst besonders heftig ausfallen? Davon gehen aktuell zahlreiche Wissenschaftler aus. Bild: Eine Frau liegt im Bett und putzt sich die Nase.

Wird die Grippewelle im Herbst besonders heftig ausfallen? Davon gehen aktuell zahlreiche Wissenschaftler aus. Bild: Eine Frau liegt im Bett und putzt sich die Nase.

Gerade hat Deutschland das Coronavirus wieder besser unter Kontrolle, da taucht die nächste Hiobsbotschaft auf: US-amerikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen vor einer besonders schweren Grippewelle im Herbst. „In diesem Jahr hat sich nicht wie üblich ein signifikanter Teil der Bevölkerung mit Grippe infiziert und wurde so immun“, sagte Andy Pekosz, Professor für Mikrobiologie an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, dem Fernsehsender NBC. „Das könnte bedeuten, dass die Anfälligkeit der Bevölkerung für Grippe zunehmen wird.“

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RKI registriert 564 Influenzafälle in der Saison 2020/21

Nicht nur in den USA haben sich wenige Menschen mit Influenzaviren infiziert. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut (RKI) stellt in ihrem abschließenden Wochenbericht von Ende Mai diesen Jahres fest: „In der Saison 2020/21 hat sich weder in Deutschland noch in den anderen europäischen Staaten eine auf Bevölkerungsebene messbare Grippewelle aufgebaut.“ Tatsächlich wurden dem RKI zwischen der 40. Kalenderwoche 2020 und der 20. Kalenderwoche 2021 nur 564 Influenzafälle gemeldet. In der Saison zuvor sind es noch mehr als 188.000 Fälle gewesen.

Könnte also auch in Deutschland im Herbst eine Influenza-Welle drohen? Eine Prognose zur Entwicklung der kommenden Grippesaison will das RKI nicht abgeben. „Es ist richtig, dass Teilen der Bevölkerung durch die ausgefallene letzte Grippewelle die jüngste ‚Boosterung‘ fehlt“, teilt die Behörde auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland mit. „Aber wann und in welchem Ausmaß die weltweite Zirkulation der Grippeviren wieder in Gang kommt und welches Virus beziehungsweise welche Subtypen sich dann verbreiten, weiß man nicht.“

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Zwei Arten von Grippeviren seit März 2020 nicht mehr nachgewiesen

Die geringen Grippefallzahlen in der vergangenen Saison führen Expertinnen und Experten jedenfalls auf die Corona-Maßnahmen zurück. Die Maskenpflicht, Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen haben nicht nur Infektionen mit dem Coronavirus verhindert, sondern auch mit den Influenzaviren. Seit Jahrzehnten zirkulieren während der saisonalen Grippesaison, die üblicherweise Anfang Oktober beginnt und Mitte Mai endet, zwei Influenzaviren: Typ A und Typ B. Influenza Typ A unterteilt sich in die beiden Subtypen H1N1 und H3N2, Influenza Typ B hingegen in die Linien B-Victoria und B-Yamagata.

Während der Corona-Pandemie haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler allerdings eine interessante Entdeckung gemacht: Eine Klade von H3N2, bekannt als 3c3.A, ist seit März vergangenen Jahres nicht mehr nachgewiesen worden – ebenso wie die Linie B-Yamagata. Sind diese Viren womöglich ausgestorben? „Innerhalb eines so kurzen Zeitraums lässt sich nicht belegen, dass Influenzaviruslinien dauerhaft verschwunden sind“, heißt es dazu vom RKI. Auch Florian Krammer, Virologe an der Icahn School of Medicine Mount Sinai in New York, ist skeptisch: „Nur weil sie niemand gesehen hat, heißt das nicht, dass sie komplett verschwunden sind, oder? Aber es könnte sein“, sagte er dem Wissenschaftsportal Stat.

Ist der neue Grippeimpfstoff für die kommende Saison geeignet?

Breiten sich weniger Virusstämme weltweit aus, würde sich das positiv auf die Entwicklung eines Grippeimpfstoffes auswirken. Denn damit wächst die Chance, dass die im Impfstoff enthaltenen Virusstämme mit den zirkulierenden übereinstimmen. Die Weltgesundheitsorganisation hat bereits im Februar bekannt gegeben, welche Zusammensetzung des Grippeimpfstoffes sie für die Saison 2021/22 empfiehlt. Die Organisation berücksichtigt bei ihrer Entscheidung Daten aus weltweiten Referenzlaboratorien, die die Influenzaviren kontinuierlich untersuchen. Grundlage für den Impfstoff sind jeweils die Erreger aus dem Vorjahr.

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Weil eine Grippewelle im vergangenen Jahr jedoch ausgeblieben ist, konnten die Labore nur wenige Proben auf Influenzavirusstämme untersuchen. Ärztinnen und Ärzte fürchten deshalb, dass das Vakzin der kommenden Saison Konstruktionsschwächen aufweisen könnte. „Ob und welche Auswirkungen das hat, können wir erst sagen, wenn die Grippe tatsächlich wieder kommt“, sagte Thomas Maurer, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Schleswig-Holstein, gegenüber den Lübecker Nachrichten. Klar ist: Sollte der Impfstoff nicht vor den tatsächlich zirkulierenden Influenzaviren schützen, hätte eine Impfung keinen Auffrischungseffekt.

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