Corona-Impfung und Omikron: acht Antworten, die Schwangere kennen sollten

Weniger als fünf von 100 Neugeborenen wurden positiv getestet. Mediziner wollen jetzt erforschen, wie das Virus zum Kind gelangt.

Im zweiten Trimenon können sich auch Schwangere boostern lassen – und den Schutz vor Covid-19 erhöhen.

Auch wenn die Zahlen rückläufig sind: Das Niveau der Corona-Ansteckungen in Deutschland ist immer noch hoch, und damit auch die Wahrscheinlichkeit, in Kontakt mit Omikron zu kommen. Zudem wird das Virus nicht mehr verschwinden, und immer weiter durch die Bevölkerung kursieren. Auch Schwangere, von denen es hierzulande pro Jahr rund 700.000 bis 800.000 gibt, können sich infizieren – und vor allem auch schwer erkranken.

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Davor schützt die Impfung. Umfragen haben aber immer wieder gezeigt, dass gerade bei Schwangeren aus Sicherheitsbedenken vermehrt von einer Impfung abgesehen wird. Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) Schwangeren die Impfung inzwischen explizit. Aber zu welchem Zeitpunkt? Braucht es auch die Auffrischung und wie hoch ist das Gesundheitsrisiko bei Covid-19? Ist die mRNA unbedenklich für das Ungeborene? Acht Fragen und Antworten im Überblick.

1) Sollen sich Schwangere gegen Covid-19 impfen und boostern lassen?

Grundimmunisierung: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Schwangeren, die noch keine Covid-19-Impfung erhalten haben, generell, sich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel impfen zu lassen. Eine Gefahr für das Kind ist eine frühere Impfung – etwa wenn man noch nichts von der Schwangerschaft wusste – allerdings nicht und daher kein Grund etwa für einen Abbruch. Die Impfung sollte mit zwei Dosen des mRNA-Impfstoffes von Biontech geimpft werden – unabhängig vom Alter. Die Mittel von Moderna oder Novavax empfiehlt die Stiko nicht.

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Wenn man noch die Wahl hat: Das Expertengremium empfiehlt „ausdrücklich allen noch nicht oder unvollständig Geimpften im gebärfähigen Alter die Impfung gegen Covid-19, damit bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft ein sehr guter Schutz vor dieser Erkrankung besteht“, wie es in einer auf der RKI-Homepage veröffentlichten Mitteilung heißt. Auch Stillende können sich jederzeit impfen lassen.

Booster: Allen ab 18-Jährigen empfiehlt die Stiko nach der Grundimmunisierung eine Auffrischimpfung, „diese Empfehlung gilt auch für Schwangere ab dem zweiten Trimenon, für Stillende und allgemein für Frauen im gebärfähigen Alter“, wie es auf der RKI-Homepage heißt. Auch der Booster soll mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty von Biontech erfolgen – im Abstand von mindestens drei Monaten zur letzten Impfstoffdosis.

2) Ist die Corona-Impfung in der Schwangerschaft sicher?

Die Datenlage zur Impfung in der Schwangerschaft ist in den vergangenen Monaten immer besser geworden, aufgetretene Nebenwirkungen und Impfreaktionen sind international gut dokumentiert. Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass ernste oder andere Nebenwirkungen sowie Impfreaktionen als sowieso schon bekannt bei Schwangeren zu erwarten sind. Schwangere berichteten nach einer Covid-19 Impfung mit dem Mittel von Biontech zwar häufiger von Schmerzen an der Einstichstille als nicht Schwangere, aber seltener von Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber.

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Die Impfung ist bislang auch nicht assoziiert mit erhöhten Komplikationen bei der Geburt und der Schwangerschaft. Unerwünschte Ereignisse wie etwa Frühgeburten waren ähnlich häufig wie bei Schwangeren vor der Covid-19-Pandemie. Es gibt auch keinerlei Hinweise, dass die Impfstoffe unfruchtbar machen – weswegen die Stiko auch Frauen mit Kinderwunsch explizit die Impfung empfiehlt, statt bis zur Schwangerschaft zu warten.

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Dass Schwangeren die Impfung erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen wird, hat dem Stiko-Mitglied und Immunologen Prof. Christian Bogdan zufolge mit einer theoretischen Sicherheitsüberlegung zutun. „Bei einer Impfung kann es immer zu ganz normalen Impfreaktionen kommen“, sagte der Experte vor wenigen Monaten im Gespräch mit dem Science Media Center (SMC). „Dazu gehört auch Fieber, ein potenzieller Faktor für das Auslösen einer Fehlgeburt.“ Mit der Stiko-Empfehlung würden solche Risiken in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft minimiert. Zudem gebe es zu geimpften Schwangeren in dieser sehr frühen Phase keine ausreichenden Daten.

3) Können sich geimpfte Schwangere trotzdem mit Corona anstecken?

Die Omikron-Variante ist deutlich übertragbarer und umgeht teilweise auch den Immunschutz, insbesondere bei zweifach Geimpften. Auch in der Schwangerschaft kommen deshalb Impfdurchbrüche vor, vor allem bei länger zurückliegenden Impfungen. „Deswegen ist die Booster-Impfung auch in der Schwangerschaft so wichtig“, betont Herbert Kiss von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien in einem Aufklärungsvideo. Denn eine gute Immunantwort schützt vor schwerem Covid-19. „Wenn es zu einer Corona-Infektion in der Schwangerschaft kommt – nach einer Impfung –, sind diese Verläufe viel milder“, so der Experte. „Bisher haben wir eigentlich keine Fälle beobachtet, dass solche Patientinnen auf einer Intensivstation landen.“

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4) Sind Schwangere gefährdeter als andere für Covid-19?

Es ist schon lange bekannt, dass sie bei Infektionserkrankungen wie Influenza ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe tragen. Auch bei Covid-19 ist die Schwangerschaft an sich ein relevanter Risikofaktor. „Eine Covid-19-Infektion in der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf verbunden. Auch das Risiko für eine Behandlung im Krankenhaus, auf der Intensivstation oder für eine invasive Beatmung ist deutlich höher als bei nicht schwangeren Frauen“, sagt Stiko-Mitglied und Gynäkologin Marianne Röbl-Mathieu. Bisherige Daten zeigen:

  • Schwangere stecken sich nicht häufiger mit dem Coronavirus an als nicht Schwangere. Aber Schwangere mit Covid-19 haben im Vergleich zu nicht Schwangeren ein 1,5-fach höheres Risiko, auf die Intensivstation eingewiesen zu werden und ein 1,7-fach höheres Risiko für maschinelle Beatmung. „Das absolute Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf ist immer noch gering, aber höher als bei nicht schwangeren Frauen“, erklärt Röbl-Mathieu diesen Befund.
  • Schwangere mit Covid-19 litten eher an Präeklampsie. Das ist eine ernsthafte Erkrankung in der Schwangerschaft, mit hohem Blutdruck und Nierenschäden. Das Verhältnis bei Schwangeren mit Viruserkrankung war 33 Prozent höher als bei Schwangeren ohne Covid-19.
  • Frühgeburten traten häufiger auf – allerdings nicht als akute Reaktion auf die Infektion, sondern erst im Verlauf der Schwangerschaft.
  • Das Risiko, dass Sars-CoV-2 in der Schwangerschaft auf das Kind übertragen wird, ist vermutlich gering. Ausgeschlossen ist es aber nicht.

Für Deutschland erhebt die Registerstudie „Cronos“ systematisch Daten dazu, wie viele Schwangere mit einer Corona-Infektion in Kliniken versorgt werden. In 176 meldenden Kliniken wurden bis Mitte Februar 4633 Sars-CoV-2-positive schwangere Patientinnen registriert. 202 von ihnen hatten einen schweren Covid-19-Verlauf mit einer Behandlung auf Intensivstation.

5) Schützt die Corona-Impfung das Neugeborene?

Kinder können vom Immunschutz der Mutter profitieren. Das ist auch schon von anderen Impfungen bekannt, etwa gegen Keuchhusten. Inzwischen haben mehrere Studien gezeigt, dass auch mit der mRNA-Impfung der Mutter in der Schwangerschaft gegen Covid-19 Antikörper auf Ungeborene über die Plazenta übertragen werden. Theoretisch ist denkbar, dass Säuglinge damit nach der Geburt ein Stück weit geschützt sind.

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Nachgewiesen ist diese Schutzwirkung bei Neugeborenen bislang allerdings noch nicht. Forschende haben auch in der Muttermilch von geimpften Frauen neutralisierende Antikörper gefunden. Es ist unklar, inwiefern diese auf den Säugling übertragen werden und wie lange solche Effekte mit welcher Schutzwirkung anhalten.

6) Kann der Impfstoff das Erbgut des Ungeborenen schädigen?

Da passiert nichts mit den Genen.

Dr. Janine Zöllkau

, Geburtsmedizinerin

Schwangere werden ausschließlich mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech geimpft. „Diese mRNA, die dort enthalten ist, ist nicht in der Lage, in das Genom sowohl der Frau als auch in das Erbgut des Kindes integriert zu werden“, betont Dr. Janine Zöllkau, die an der Klinik für Geburtsmedizin in Jena arbeitet. „Da passiert nichts mit den Genen.“ Aus Tierversuchen sei auch bekannt, dass der Impfstoff zu über 95 Prozent an der Einstichstelle im Arm verbleibt.

7) Macht die Corona-Impfung unfruchtbar?

Auch einem weiteren Kind steht eine Schutzimpfung gegen Covid-19 nicht im Weg. In sozialen Medien kursiert die Behauptung, dass eine Corona-Schutzimpfung unfruchtbar machen könnte, weil sich Spike-Proteine des Coronavirus und das Protein Syncytin-1, das für die Bildung der Plazenta verantwortlich ist, ähneln. Daraus wurde geschlussfolgert: Bildet der Körper von Geimpften nach der Impfung Antikörper gegen das Spike-Protein des Coronavirus, richten sich diese auch gegen das Syncytin-1-Protein und beeinträchtigen somit die Bildung einer Plazenta.

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Das Robert Koch-Institut (RKI) und die Stiko bezeichnen diese Behauptung aber klar als Fehlinformation. Die Moleküle auf dem Virus und auf der Plazenta, über die diskutiert wird, haben nichts Wesentliches gemeinsam. Die verfügbaren Covid-19-Impfstoffe sind zudem vor der Zulassung an Tausenden von Erwachsenen getestet worden. Darunter waren auch viele Frauen im gebärfähigen Alter.

In den Studien gab es keine Hinweise darauf, dass die Impfungen zu Schädigungen an den Fortpflanzungsorganen führen könnten – oder zu einer Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Seit Beginn der Impfkampagnen weltweit ergibt die Datenlage zur Sicherheit bisher auch keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Impfreaktionen oder anderer unerwünschter Ereignisse, insbesondere nicht im Hinblick auf den Schwangerschaftsverlauf.

8) Was sollten Schwangere bei einem Corona-Verdacht tun?

Plötzlich werden Symptome wie Husten, Müdigkeit, Halskratzen bemerkt? Dann sollten sich Schwangere wie alle anderen auch isolieren und sich auf das Coronavirus testen lassen – per Schnelltest und/oder PCR. Außerdem sollten sich Schwangere telefonisch an die Frauenärztin oder den Frauenarzt wenden, um auf die Diagnose aufmerksam zu machen.

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Das empfiehlt die geburtsmedizinische Abteilung des Universitätsklinikums Jena auf der eigenen Homepage, die zudem darauf hinweist: Normalerweise werden in Quarantänezeiten routinemäßige vorgeburtliche Termine nach hinten verschoben, bis die Isolation endet. Nicht verschiebbare Termine sollten jedoch auch in der Isolationszeit gewährleistet bleiben. Im Zweifel sollte das Gespräch mit Arzt oder Ärztin gesucht werden.

Bei nur leichten oder keinen Symptome und keinen Risikofaktoren für Komplikationen wie eine chronische Grunderkrankung kann man sich zu Hause erholen. Bei stärkerer Symptomatik kann auch eine Behandlung im Krankenhaus notwendig werden – etwa bei starker Luftnot. Es gibt inzwischen auch medikamentöse Therapien für Schwangere mit schwerem Covid-19.

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