Neue Daten zur Booster-Impfung: Wie lange schützt sie vor schweren Covid-19-Verläufen?

Eine Frau lässt sich gegen Covid-19 impfen: Eine dritte Impfung schützt noch nach Monaten gut vor einem schweren Verlauf.

Eine Frau lässt sich gegen Covid-19 impfen: Eine dritte Impfung schützt noch nach Monaten gut vor einem schweren Verlauf.

Mehr als 46 Millionen Menschen in Deutschland haben bereits eine Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 erhalten. Sie ist notwendig, um die durch die vorangegangenen Impfungen erzeugten Antikörperantworten noch einmal zu verstärken; denn diese lassen mit der Zeit nach. Eine dritte Impfdosis kann den Schutz vor symptomatischen Infektionen, schweren Erkrankungen und Todesfällen erhöhen – aber nach einigen Monaten nimmt auch diese Wirkung wieder ab, wie eine neue Analyse der US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) nahelegt.

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Die Gesundheitsbehörde hat zwischen dem 26. August 2021 und dem 22. Januar 2022 Daten aus zehn US-Bundesstaaten ausgewertet, in denen 241.204 Menschen mit coronatypischen Symptomen in einer Notaufnahme vorstellig und 93.408 Covid-19-bedingte Krankenhausaufenthalte registriert wurden. Von den 241.204 Patientinnen und Patienten in der Notaufnahme waren 46 Prozent ungeimpft, 44 Prozent hatten zwei Impfdosen erhalten und 10 Prozent waren dreifach geimpft. Bei den 93.408 hospitalisierten Fällen waren 43 Prozent nicht geimpft, 45 Prozent zweifach und 12 Prozent dreifach geimpft. Es handelte sich dabei um Impfungen mit einem mRNA-Vakzin von Biontech/Pfizer oder Moderna.

Impfstoffwirksamkeit hat mit Omikron-Variante abgenommen

Es zeigte sich, dass der Schutz vor Behandlungen in der Notaufnahme und Krankenhausaufenthalten nach der dritten Impfdosis insgesamt höher war als nach der zweiten. Allerdings nahm dieser Schutz mit der Zeit ab. Die Studienautorinnen und Studienautoren beobachteten dabei zwei verschiedene Zeiträume: zum einen den Zeitraum, in dem die Delta-Variante mehr als 50 Prozent der Corona-Fälle in den USA ausgemacht hat, und zum anderen den Zeitraum, in dem die Virusvariante Omikron dominant wurde.

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Insgesamt war die Wirksamkeit der zweiten und dritten Covid-19-Impfung zu allen Zeitpunkten während der Delta-Phase höher als während der Omikron-Phase. Das dürfte vor allem daran liegen, dass Omikron eine immunevasive Virusvariante ist. Das heißt, sie ist in der Lage, bestehende Immunantworten teilweise zu umgehen, was dazu führt, dass die Impfungen an Wirksamkeit verlieren.

So hoch ist der Booster-Schutz nach einigen Monaten

Während die Virusvariante Delta in den USA das Infektionsgeschehen dominierte, betrug die geschätzte Wirksamkeit einer dritten Covid-19-Impfung gegen Behandlungen in der Notaufnahme nach zwei Monaten rund 97 Prozent und ging nach vier Monaten auf 89 Prozent zurück. Der Schutz vor Krankenhausaufenthalten lag zwei Monate nach der dritten Impfung bei 96 Prozent; nach vier Monaten waren es 76 Prozent, wobei den Forscherinnen und Forschern für diesen Zeitraum nur eine geringe Datenmenge zur Verfügung stand.

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In der Omikron-Phase nahm der Schutz einer Zweifachimpfung vor Behandlungen in der Notaufnahme von 69 Prozent innerhalb von zwei Monaten nach der Impfung auf 37 Prozent nach fünf Monaten ab. Wurde eine dritte Impfdosis verabreicht, konnte der Schutz gesteigert werden. Zwei Monate nach der Auffrischungsimpfung betrug er 87 Prozent. Die Wirksamkeit sank nach vier bis fünf Monaten schließlich auf 66 Prozent, und nach fünf Monaten (auch hier war die Datenlage wieder geringer) waren es nur noch 31 Prozent. „Der abnehmende Trend der VE (Vaccine efficacy, auf deutsch: Impfstoffwirksamkeit, Anm. d. Red.) mit zunehmender Zeit seit der Impfung war signifikant“, heißt es in der CDC-Analyse.

Ein ähnliches Bild zeigte sich beim Schutz vor Krankenhausaufenthalten: Nach zwei Monaten lag die geschätzte Wirksamkeit der Zweifachimpfung bei 71 Prozent und ging nach fünf Monaten auf 54 Prozent zurück. Dreifachgeimpfte hatten zwei Monate nach der Impfung einen Schutz von 91 Prozent und nach vier Monaten einen Schutz von 78 Prozent.

CDC: „weitere Dosen in Betracht ziehen“

„Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, eine dritte Dosis des mRNA-Covid-19-Impfstoffs zu erhalten, um sowohl Covid-19-assoziierte ED/UC-Behandlungen (Emergency Department and Urgent Care, gemeint sind Behandlungen in Notaufnahmen, Anm. d. Red.) als auch Covid-19-Krankenhausaufenthalte bei Erwachsenen zu verhindern“, schreiben die Studienautorinnen und Studienautoren. Außerdem mache die Analyse deutlich, „wie wichtig es ist, weitere Dosen in Betracht zu ziehen“, um den Schutz vor schweren Erkrankungen zukünftig weiter zu verbessern. „Alle anspruchsberechtigten Personen sollten die empfohlenen Covid-19-Impfungen auf dem neuesten Stand halten.“

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Was die Auswertung der CDC noch zeigt, ist, dass die Covid-19-Impfstoffe zwar mit der Zeit an Wirksamkeit verlieren, aber nicht sofort unwirksam werden. Selbst nach zwei Impfstoffdosen besteht bei einer Infektion mit Delta und Omikron noch monatelang ein guter Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf, der durch eine weitere Dosis gesteigert werden kann.

Alter und Vorerkrankungen bleiben unberücksichtigt

Die Studie liefert erste Hinweise darauf, wie lange die Wirksamkeit der Auffrischungsimpfungen anhält. Sie muss jedoch mit Vorsicht interpretiert werden. Erstens sagt die Untersuchung nur etwas über die Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe gegen schwere Verläufe aus, nicht aber über symptomatische Infektionen, bei denen keine ärztliche Behandlung notwendig gewesen ist. Zweitens beruht die geschätzte Impfstoffeffektivität in den am weitesten zurückliegenden Zeiträumen seit der Impfung nur auf einer geringen Datenmenge, was die Genauigkeit beeinflussen kann.

Drittens wurde in der CDC-Analyse bei der Wirksamkeit der Covid-19-Impfungen nicht das Alter der Geimpften und ihr Gesundheitsstatus berücksichtigt. Das heißt, es ist nicht klar, ob in jeder Altersgruppe oder auch bei immungeschwächten Menschen eine ähnliche Abnahme der Impfstoffwirksamkeit eintritt. Viertens wurde nicht unterschieden, ob die Probandinnen und Probanden eine dritte Dosis im Rahmen einer Grundimmunisierung – wie in den USA für Immungeschwächte empfohlen – erhalten haben, dann wäre sie 28 Tage nach der zweiten Impfung verabreicht worden. Oder ob es sich um eine Auffrischungsimpfung nach Abschluss der Grundimmunisierung handelte, die fünf Monate später gegeben wird.

Stiko empfiehlt vierte Impfung für vulnerable Gruppen

Weil der Schutz einer einzelnen Auffrischungsimpfung gegen Infektionen mit der Omikron-Variante innerhalb weniger Monate abnehme, hatte sich die Ständige Impfkommission (Stiko) schon Anfang Februar für eine zweite Boosterdosis – also eine vierte Impfung – ausgesprochen. Diese soll insbesondere Menschen ab 70 Jahren, immungeschwächten Personen und medizinischem Personal zugutekommen, weil sie selbst oder deren Kontaktpersonen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. „Durch die zweite Auffrischimpfung soll der Schutz verbessert und schwere Erkrankungen bei gefährdeten Personen verhindert werden“, heißt es in der Pressemitteilung des Expertengremiums.

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Gesundheitlich gefährdete Menschen wie Ältere sollen frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischungsimpfung erneut geimpft werden. Bei Mitarbeitenden im Gesundheitswesen soll die zweite Booster-Impfung frühestens nach sechs Monaten erfolgen. Für alle anderen empfiehlt die Stiko derzeit keine weitere Covid-19-Auffrischungsimpfung.

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