Asteroiden: Wie groß ist die Gefahr aus dem All?

Diese Nasa-Sonde für die Mission „Dart“ ist auf dem Weg zum Asteroiden Dimorphos, um ihn aus seiner Flugbahn zu lenken.

Diese Nasa-Sonde für die Mission „Dart“ ist auf dem Weg zum Asteroiden Dimorphos, um ihn aus seiner Flugbahn zu lenken.

Ein Asteroideneinschlag auf der Erde ist ein beliebtes Katastrophenszenario in Hollywood-Filmen. In der realen Welt gibt es ein mehrstufiges Sicherheitssystem, um den Planeten vor dieser Gefahr zu schützen. Asteroiden werden von der Erde und vom All aus beobachtet, um ihre Flugbahn genauestens vorherzusagen.

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Detlef Koschny ist Leiter des „Planetary Defence Office“ der europäischen Weltraumbehörde Esa. Er erklärt, wie man Asteroiden am besten aufspüren kann, wie sich ihr Einschlag verhindern lässt – und warum das meist gar nicht nötig ist.

Überwachung von der Erde aus

Teleskope der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa suchen den Himmel beständig nach verdächtigen Flugkörpern ab, die sich unserem Planeten nähern könnten. Jede Nacht werden ein bis fünf solcher Flugkörper entdeckt und an die europäische Weltraumorganisation Esa gemeldet, sagt Detlef Koschny: „Wir übernehmen dann die Follow-up-Beobachtung. Das heißt, wir verfolgen die Flugbahn weiter. Und wir versuchen, die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, mit der ein Asteroid innerhalb der nächsten hundert Jahre auf der Erde einschlagen könnte. Sobald die Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag größer als null ist, werden Asteroiden in unsere ,Risk List’ zur weiteren Beobachtung übernommen.“

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Diese Liste ist auf der Internetseite der Esa einsehbar, von 27.688 Asteroiden in der näheren Entfernung zur Erde werden 1294 als Risiko geführt. Das heißt aber nicht, dass von allen eine große Gefahr ausgeht: Größer null kann auch bedeuten, dass das Risiko bei eins zu 100.000 liegt.

Die Esa plant derzeit außerdem ein eigenes Projekt, um Asteroiden schneller aufzuspüren. Dabei setzt sie auf eine ganz neue Technik. So können starke Teleskope normalerweise immer nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels scannen, was das Absuchen langwierig macht.

Deshalb hat die Esa das „Flyeye telescope“ entwickelt, das wie das Facettenauge einer Fliege aufgebaut ist. Dadurch hat es einen weiteren Blickwinkel und kann den Himmel schneller abscannen. Im Jahr 2022 soll auf dem Mont Mufara in Sizilien das erste „Flyeye telescope“ aufgestellt werden. Anschließend sollen rund um den Globus weitere solcher Beobachtungsstationen errichtet werden.

Das Entdecken neuer Asteroiden werde dadurch enorm beschleunigt, erklärt Koschny: „Momentan benötigen die NASA-Beobachtungsstationen etwa zwei Wochen, um den gesamten Himmel abzusuchen. Sobald wir vier Stationen mit dem „Flyeye telescope“ in Betrieb genommen haben, kann der gesamte Himmel innerhalb einer Nacht abgesucht werden.“

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Überwachung im All

Auch im All soll eine neue Beobachtungsstation installiert werden. Während bisher bereits das Weltraumteleskop „Neowise“ der Nasa Daten liefert, soll ab 2026 das „Near-Earth Object Surveyor space telescope“ (Neo Surveyor) als Nachfolger in Betrieb gehen. Es wurde extra entwickelt, um Asteroiden und Kometen aufzuspüren, von denen eine mögliche Gefahr ausgeht. Das neue Teleskop soll nach Angaben der Nasa bis zu 90 Prozent der Asteroiden von 140 Meter Größe an aufwärts entdecken. Bisher findet die Nasa nur etwa 40 Prozent der Asteroiden in dieser Größe.

Teleskope im Weltraum könnten die „Vorwarnzeit“ bis zu einem möglichen Einschlag auf der Erde noch weiter verlängern, sagt Esa-Spezialist Koschny. Das „Neo Surveyor“ soll dabei auch solche Asteroiden aufspüren können, die sich unserem Planten tagsüber und aus Richtung der Sonne nähern. Diese sind von der Erde aus oft nur schlecht zu erkennen, ehe sie ihr gefährlich nahekommen. So war 2013 ein Meteor (ein Bruchstück eines Asteroiden) über der russischen Stadt Tscheljabinsk explodiert. Dabei waren fast 1500 Menschen verletzt und 3700 Gebäude beschädigt worden. Der Asteroid war zuvor nicht entdeckt worden, weil er sich zwischen der Erde und der Sonne befand.

Auch wenn Weltraumteleskope Vorteile bieten: Die Beobachtungsstationen auf der Erde werden sie trotzdem nicht ersetzen, sagt Koschny. Das liege zum einen an den Kosten von gut einer halben Milliarde Euro, außerdem seien sie fehleranfälliger. Die Weltraumbehörden würden also weiterhin auf beide Systeme setzen. Tatsächlich hatte es mit dem „Neowise“-Teleskop mehrfach technische Probleme gegeben.

Eingriff in die Flugbahn

Bei kleineren Asteroiden wie dem von Tscheljabinsk sei es nicht nötig, den Einschlag auf der Erde abzuwenden, sagt Koschny. Es genüge, sie rechtzeitig zu erkennen und den Katastrophenschutz zu informieren. So hätten sich in Tscheljabinsk vor allem Menschen durch Fensterscheiben verletzt, die wegen der Druckwelle bei der Explosion zerbrochen waren. So etwas ließe sich durch Sicherheitsmaßnahmen verhindern. Bei größeren Asteroiden könne man den Einschlagsort auch evakuieren. Nur wenn ein Asteroid so groß ist, dass er eine Katastrophe auf der Erde anrichten würde, könne versucht werden, dessen Flugbahn abzulenken.

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Das Dart-Modul der Nasa (Double Asteroid Redirection Test) in einer Animation zwischen den Asteroiden  Didymos und dem Mond.

Das Dart-Modul der Nasa (Double Asteroid Redirection Test) in einer Animation zwischen den Asteroiden Didymos und dem Mond.

Diese Möglichkeit wird derzeit erprobt. Als Versuchsobjekt dient der erdnahe, aber ungefährliche Doppelasteroid Didymos. Didymos besteht aus einem großen Gesteinsbrocken von etwa 780 Meter Durchmesser, den eine kleinerer Asteroid von etwa 160 Meter Durchmesser mit Namen Dimorphos wie ein Mond umkreist. Im November 2021 ist die Raumsonde „Dart“ der Nasa gestartet, die im Herbst 2022 auf Dimorphos aufschlagen soll. „Ich vergleiche das gern mit einem kosmischen Auffahrunfall“, sagt Koschny. Der Aufprall werde nicht stark genug sein, um den Asteroiden zu zerstören. Ziel sei es lediglich, dessen Umlaufbahn zu verändern.

Datensammeln nach dem Crash

Im November 2024 werde die Esa eine Raumsonde zu Dimorphos schicken, um genauere Daten zum erfolgten Aufprall und zur Beschaffenheit von Dimorphos zu sammeln. All das sei wichtig, um zu verstehen, ob sich das Verfahren auf andere Asteroiden übertragen lässt. Falls die Methode funktioniert, könne sie künftig auch bei Flugkörpern mit Kollisionskurs auf die Erde angewendet werden. Werden diese dank der Beobachtungssysteme mehrere Jahre im voraus erkannt, wäre das „Ablenken“ ihrer Flugbahn eine Möglichkeit, um den Aufprall zu verhindern.

„Einen Asteroiden mithilfe von Atomkraft zu sprengen wäre hingegen nur das letzte Mittel, etwa wenn ein großer Asteroid mit nur wenigen Monaten Vorwarnzeit bemerkt wird“, sagt Koschny. Auch diese Möglichkeit werde auf Konferenzen der Weltraumbehörden diskutiert. Die größeren Asteroiden seien aber ohnehin fast alle bekannt: „Von denen befindet sich keiner auf Kollisionskurs.“ Sie seien zudem insgesamt selten und würden in der Regel lange im Voraus erkannt. Und die Gefahr, die von den vielen erdnahen kleineren Asteroiden ausgehe, halte sich in Grenzen, so Koschny: „Ich persönlich glaube nicht, dass ein Asteroid die Erde auslöschen wird.“

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