2G plus: Sind Schnelltests nach der Booster-Impfung noch nötig – und sinnvoll?

Ein Schnelltest liefert in wenigen Minuten ein Ergebnis, ob man akut mit dem Coronavirus infiziert ist.

Ein Schnelltest liefert in wenigen Minuten ein Ergebnis, ob man akut mit dem Coronavirus infiziert ist.

Die 2G-plus-Regel ist ein Instrument bei regional besonders kritischer Infektionslage. Sie soll überall dort in Kraft treten, wo der Hospitalisie­rungswert den fünften Werktag in Folge über sechs und die Inzidenz bei über 100 liegt. Bei 2G plus haben nur noch Geimpfte und Genesene Zugang, etwa zu Freizeit-und Kulturangeboten. Vor dem Eintritt müssen sie einen negativen und tages­aktuell durch­geführten Corona-Schnell­test vorlegen. Aber gilt diese Regel auch für Geimpfte, die bereits eine Auffrischimpfung erhalten haben?

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Die Details zur Ausgestaltung von 2G plus regeln die jeweiligen Corona-Verord­nungen der Bundesländer. Manche unterscheiden nicht zwischen zweifach Geimpften und Menschen, die bereits dreimal geimpft sind. Auch mit Auffrischung braucht es dann für den Einlass also den Test. Der Booster entbindet nicht von der Testpflicht.

Erste Ausnahmen gibt es aber schon: Niedersachsens Regierung hat eine Testpflicht bei 2G plus für Menschen mit Auffrischimpfung abgeschafft. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte für sein Bundesland Mitte Dezember an: „Boostern ersetzt den Test“. Die Befreiung vom Testnachweis gelte ab dem 15. Tag nach dem Booster. Ausgenommen sind Pflegeheime, wo vulnerable Gruppen zusammenkommen.

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Booster-Impfung erhöht den Schutz - aber nicht absolut

Aus infektiologischer Sicht hat die Testpflicht aber auch für dreifach Geimpfte durchaus Vorteile. Zwar zeigen Studien, dass sich durch die Auffrischimpfung der Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus und auch einer Erkrankung an Covid-19 noch einmal deutlich erhöht. Das Immunsystem wird durch den Booster noch einmal trainiert, relevante neutralisierende Antikörper erneut gebildet.

Zu 100 Prozent schützt aber auch die Boosterimpfung nicht vor Ansteckung. Mit der Zeit kann die Schutzwirkung – gerade vor Infektion – auch wieder abnehmen. Zudem entwickelt sich die Immunantwort vor allem bei Älteren und Menschen mit Immunschwäche oft weniger stark. Auch bei einer Infektion mit der Omikron-Variante fällt der Immunschutz geringer als als noch bei Delta. Der Schnelltest kann für solche Fälle mehr Sicherheit bringen.

Omikron: Schnelltests helfen auch bei dreifach Geimpften

Die deutschen Amtsärzte warnen vor einem übereilten Ende der Testpflicht für dreifach Geimpfte. „Es ist verfrüht, Menschen mit Booster-Impfung von der Testpflicht zu befreien“, sagt die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD), Ute Teichert, der Zeitungen der Funke Mediengruppe.

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Die Omikron-Variante sei auf dem Vormarsch, man wisse aber noch nicht genau, wie gut die Booster-Impfungen dagegenwirkten. „Solange wir nicht genügend Daten haben, um dies sicher sagen zu können, sollten wir keine voreiligen Schritte gehen“ und „bewährte Instrumente wie die Schnelltests aus der Hand geben“. Je breiter man teste, desto besser könne man Infektionen entdecken und Infektionsketten nachverfolgen.

Vierte Welle: Tests bei vielen Infektionen zu empfehlen

Weil wir gerade einen sehr hohen Infektionsdruck haben, sollte man auf Nummer sicher gehen.

Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs

Auch die aktuelle Infektionsdynamik spielt eine Rolle dabei, dass die Testungen auch bei Geimpften mit Booster weiterhin helfen. „Eigentlich würde man sagen, da ist man gut aufgestellt“, erklärte der Epidemiologe Timo Ulrichs bei N-TV. Das ganze Immunsystem werde durch die Booster-Impfung erneut in Bereitschaft gesetzt und wehre jeden Versuch des Coronavirus, in den Körper einzudringen, sofort ab.

„Aber weil wir gerade einen sehr hohen Infektionsdruck haben, sollte man auf Nummer sicher gehen“, betonte der Wissenschaftler der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. Heißt also: Die Wahrscheinlichkeit einer Coronavirus-Infektion wird bei einer hohen Inzidenz in der Bevölkerung wahrscheinlicher – auch für Geimpfte mit Booster. Deshalb empfiehlt Ulrichs, trotz Auffrischung weiter beim Testen im Rahmen von 2G plus mitzumachen.

Schnelltests bei Geimpften: vor allem bei Symptomen

Absolute Sicherheit bieten aber auch Corona-Schnelltests nicht. Gerade bei Geimpften zeigt sich eine akute Infektion möglicherweise weniger gut als bei Ungeimpften. „Eine blinde Testung bei gesunden Geimpften ist nicht nur logistisch schwierig, sondern möglicherweise auch in ihrer Aussagekraft eingeschränkt“, sagte der Virologe Christian Drosten dem „Spiegel“.

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Infektionen seien bei Geimpften gerade in den ersten Tagen der Corona-Infektion womöglich nicht so gut durch einen Antigen-Schnelltest nachzuweisen. „Das ist aber allein eine erste Einschätzung“, sagte Drosten. Bei Geimpften sei der Einsatz von Tests auf jeden Fall ratsam, wenn Symptome vorlägen. Dazu zählen etwa Husten, Kopfschmerzen, Erkältungssymptome und Fieber.

Negativer Schnelltest: Das Ergebnis ist nicht immer korrekt

Schnelltest ist zudem nicht gleich Schnelltest. Bei 2G-plus-Regeln können Geimpfte für die gesell­schaft­liche Teilhabe in der Freizeit einen Schnelltest in einem zertifizierten Testzentrum oder der Apotheke durchführen lassen. Im Einzelfall reicht aber auch ein Selbsttest unter Aufsicht der kontrollierenden Personen am Einlass. Nur: Etwa jeder fünfte Schnelltest fällt im Test allerdings durch.

Das zeigt eine Untersuchung des Paul-Ehrlich-Instituts zusammen mit verschiedenen weiteren Forschungseinrichtungen.122 Sars-CoV-2-Antigenschnelltests wurden dabei auf ihre sogenannte Sensitivität getestet. Davon entsprachen 96 der Tests den geforderten Kriterien. 26 Schnelltests fielen hingegen durch. Auch das RKI verweist auf eine Reihe von Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass zwischen den verschiedenen kommerziell erhältlichen Tests erhebliche Leistungsunterschiede bestehen. Vor allem bei asymptomatisch Infizierten könnten Schnelltests nur eine begrenzte Aussagekraft haben. Es gebe dazu aber noch nicht viele Daten.

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Gerade wer geimpft und geboostert ist, könnte – wenn denn trotzdem eine Infektion stattfindet – einen asymptomatischen Verlauf haben. „Die Aussagekraft eines negativen Befundes in diesen Personengruppen ist limitiert“, heißt es auf der RKI-Homepage. Vor allem bei Kontakt mit Menschen, die ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben, also etwa in Krankenhäusern und Pflegeheimen, sollte deshalb möglichst ein PCR-Test zum Einsatz kommen. Denn der kann am verlässlichsten eine Infektion nachweisen – auch bei Geimpften mit Booster.

Wir haben diesen Text am 14.12.21 aktualisiert.

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