Testfahrt entlang des Øresund

Volkswagens E‑Bulli ID.Buzz ist eine Charmeoffensive auf vier Rädern

Die Bulli-Legende in nächster Generation – so jedenfalls wünscht sich Volkswagen das: ID.Buzz und Urahn T1 während der Testfahrten in Dänemark und Schweden.

Die Bulli-Legende in nächster Generation – so jedenfalls wünscht sich Volkswagen das: ID.Buzz und Urahn T1 während der Testfahrten in Dänemark und Schweden.

Der ID.Buzz ist ein wirkliches Prestigeobjekt für Volkswagen. Der Nachfolger des legendären Bulli aus den 1960er-Jahren soll das Gesicht des gesamten Konzerns werden. Das zeigte sich bei der Fahrveranstaltung für die Medien in Kopenhagen schon allein dadurch, dass gleich zwei Vertriebsvorstände anwesend waren.

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Der zuständige Vertreter der VW Nutzfahrzeuge, Lars Krause und seine Kollegin Imelda Labbé, Vorständin für Vertrieb, Marketing und After Sales bei Volkswagen Pkw, ließen es sich nicht nehmen, bei der Vorstellung des ID.Buzz dabei zu sein. Neben dem Softwareprojekt 3, das wir in seiner Version 3.2 an Bord des ID.Buzz hatten, ist der Elektrofünfsitzer samt seiner Cargo-Variante als klassischer Lieferwagen und Arbeitsgerät für Handwerksbetriebe das derzeit wohl wichtigste aktuelle Vorhaben im Konzern. Dementsprechend groß war die Anspannung vor der Veranstaltung.

Auch an der Mole des schwedischen Fischerdorfs Skanör war der erste Eindruck vom ID.Buzz bei den meisten Betrachtern: Dieses Auto lacht mich an.

Auch an der Mole des schwedischen Fischerdorfs Skanör war der erste Eindruck vom ID.Buzz bei den meisten Betrachtern: Dieses Auto lacht mich an.

Doch der ID.Buzz meisterte die Feuertaufe problemlos. Die erste Assoziation in der Praxis, nachdem wir das Auto auf seiner statischen Premiere in Hamburg bereits von außen gesehen hatten, war: Der lacht uns an. Der ID.Buzz trägt nämlich in der Tat auch im neuen Jahrtausend jenes unverwechselbare Bulli-Lächeln am Anfang seiner Karosserie, das eine ganze Generation – nicht nur in Kalifornien – einst verzaubert hatte. Unweigerlich muss man an die Cars-Filme der Disney-Tochter Pixar denken, in denen Autos plötzlich sprechen können und echte Antlitze haben. Der ID.Buzz schreit geradezu nach einer Hauptrolle.

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In den USA, wo man ähnlich gespannt auf den E‑Bulli wartet wie in Deutschland (hierzulande sollen die ersten Fahrzeuge im November ausgeliefert werden), hat man schon mal einen Werbespot mit einer anderen Kinoassoziation lanciert. Hier interessieren sich Obi Wan Kenobi und andere „Star Wars“-Figuren für den ID.Buzz.

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Die Front des Wagens wird immer noch dominiert durch die Scheinwerfer. Auf die Kulleraugen der Urversion folgt ein fein konturiertes LED. Den klaren freundlichen Blick konturiert eine Art Eyeliner, der sich in Form einer LED-Leiste über die gesamte Front spannt. Das legendäre V des T1 wird durch die Bicolor-Lackierung – bei unserem Testwagen sind es die Farben Limonengelb-Metallic und Candyweiß – bis auf die Stoßstange hinunter nachempfunden. Auch wenn eher ein freundliches U daraus geworden ist, zieht die eigene Erinnerung doch die gewünschten Parallelen zum Urahn.

Viele moderne Helfer

Diese kleinen Erinnerungsinseln ziehen sich durch das gesamte Fahrzeug. Ergänzt werden sie durch moderne Helferlein wie etwa acht USB-C-Anschlüsse, die praktisch über das Fahrzeug verteilt sind. In den Wagenfarben gehaltene Plastikelemente im Innenraum etwa spielen mit Assoziationen an das Hippiemobil von damals. Dabei sind die Materialien im Hinblick auf die Umwelt anders als in den 1960ern mit Bedacht gewählt.

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Ein Großteil der Sitzbezüge sowie der Boden und der Dachhimmel sind aus recycelten Kunststoffen. Das verwendete Seaqual-Garn etwa besteht zu 90 Prozent aus wiederverwerteten PET-Flaschen; der gesamte ID.Buzz ist vegan – das gilt auch für das „Lederlenkrad“, das keines ist, sondern aus haptisch identischem Synthetikmaterial. Vertraut erscheint die Fahrumgebung: Sie wird dominiert vom 5,3 Zoll großen Digi-Cockpit und dem 12-Zoll-Touchdisplay aus der ID-Familie. Besonders praktisch sind die herausnehmbare Mittelkonsole sowie die vielen durchdachten Stauräume im Innenraum.

Blick ins Cockpit des ID.Buzz.

Blick ins Cockpit des ID.Buzz.

Womit wir schon bei den Fahreindrücken sind. Das Lenkrad ist wie erwähnt griffig, als sei es aus Tierhaut, es reagiert unmittelbar und gutmütig. Der erhöhte Sitzplatz und die tiefe Windschutzscheibe lassen geradezu Lkw-Feeling aufkommen, das gilt jedoch nicht fürs Fahren. Trotz einer Länge von 4,71 Metern und eines Radstandes von knapp drei Metern merkt man dem ID.Buzz an, dass er auf VWs Plattform des Modularen-Elektro-Baukasten (MEB) steht, wie die anderen ID-Fahrzeuge auch. Die 2471 Kilo des ID.Buzz Pro (der Cargo wiegt 81 Kilo mehr) lassen sich wendig handhaben wie ein PKW, was auch an dem geringen Wendekreis von 11,09 Metern liegt. Die gesamte Softwarepalette der Pkw steht im ID.Buzz zur Verfügung – inklusive Park Assist und der wirklich praktischen Schwarmintelligenz, die alle VW-Fahrzeuge, die live unterwegs sind, als Informanten zur Verkehrslage nutzt.

Fahrverhalten für Langstreckenbequemlichkeit

So wird aus einem Bus oder Transporter ein versatiler Pkw, der in Stadt- wie Überlandverkehr gleichermaßen verlässlich ist, wenn auch der Bulli auf schmalen Straßen manchmal etwas bullig daherkommt, ist er doch mit 1,99 Metern (ohne Außenspiegel) breiter als hoch (zwischen 1,93 und 1,96). Federung wie Abrollverhalten wirken komfortabler als im ID.4, das gesamte Fahrverhalten scheint eher auf Langstreckenbequemlichkeit angelegt. Dabei liegt auch im ID.Buzz in der Ruhe die Kraft. Die 77-kWh-Batterie lässt laut WLTP zwischen 402 bis 423 Kilometer Reichweite zu. Trotz der gewohnt schwungvollen Elektrobeschleunigung hat VW die Höchstgeschwindigkeit, die der 150 kW/204 PS starke Motor an der Hinterachse zulässt, auf 145 Stundenkilometer gebremst.

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Praktisch: die beiden elektrischen Seitentüren.

Praktisch: die beiden elektrischen Seitentüren.

Bei den Testfahrten dies- und jenseits des Øresunds, an Seelands und Schonens Küsten entlang, waren die aber niemals vonnöten. Und der ID-Buzz erzielte die höchste Aufmerksamkeit ohnehin im Stand. Wo auch immer wir hinkamen und anhielten, bildeten sich sofort Menschentrauben. Ein Auto als Kommunikationsmittel zu Wildfremden – das passiert bei Testfahrten wirklich höchst selten.

Im schwedischen Hafenörtchen Skanör eilen Hafenmeister und Stellvertreter auf den ID.Buzz zu, den wir vor der Schranke zur Pier geparkt hatten, um Fotos zu machen. Ob wir auf die Pier wollten und ob sie sich den Wagen mal anschauen dürften und ein paar Fotos machen? Im Hintergrund liegt ein Boot mit deutscher Flagge. Im Nu steht auch der Skipper am Auto und befragt uns zu dem Fahrzeug. Neben dem freundlichen Antlitz stehen stets die elektrisch öffnenden Seitentüren und das große Ladevolumen von 1121 bis 2205 Litern im Mittelpunkt der Fragen.

Der Preis ist satt

Gleiches passiert an einem Hotdog-Stand im dänischen Dragør, an dem wir parken, und in Kopenhagens Innenstadt in Christians Nyhavn. Dort möchte ein US-Tourist von uns wissen, wann der ID.Buzz in den USA zum Verkauf stünde – und wann als Langversion und als Camper California – und was er denn koste. Wir konnten dem Herrn aus Oregon leider nicht helfen.

Jede Menge Platz bieten Kofferraum und umklappbare, geteilte Rückbank.

Jede Menge Platz bieten Kofferraum und umklappbare, geteilte Rückbank.

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Für den deutschen Markt allerdings gibt es bereits eine Zahl. Ab 64.581,30 Euro ist der ID.Buzz vorzubestellen. Das ist eine wirklich stolze Summe für ein Fahrzeug, das seinen wahren Ruhm nicht dem rollenden Hippie-Idyll anno dunnemals an Kaliforniens Highway 1 verdankt, sondern seinem millionenfachen Einsatz als Kranken-, Polizei-, Lieferwagen oder Großraumtaxi. Da sind 65.000 Euro Einstiegspreis ein Argument, das das Lächeln beim Anblick des ID.Buzz eher gefrieren lässt. Zumal sich der Preis durch zahlreiche Extras bei unserem Testwagen auf rund 77.000 Euro erhöhte.

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