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Zeit und Energie sparen

Shuttledienst e.Volution: Angestellte fahren Angestellte zur Arbeit – und zurück

Das futuristische Design soll bei Arbeitnehmern Lust zur Nutzung wecken.

Was theoretisch überzeugt, muss in der Praxis noch lange nicht funktionieren. Autonome Shuttlebusse für den öffentlichen Nahverkehr etwa sind eine tolle und wichtige Idee zur Verhinderung des Verkehrskollapses, findet Professor Günther Schuh. Weil den Kommunen aber das Geld für die Hightechmobile fehlt, hat der E-Auto-Pionier und Universitätsprofessor die altbekannte „People-Mover“-Idee modifiziert: Statt Schülerinnen und Schüler oder Shopper zur Bildungseinrichtung oder zum Supermarkt zu chauffieren, soll sein neuartiges Shuttlesystem Angestellte ins Büro fahren. Und so die Straßen in der Rush Hour um tausende Fahrzeuge entlasten.

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„Der Verkehr leidet in der Hauptsache daran, dass die Berufspendler zweimal am Tag alles verstopfen“, sagt Schuh. Der Ingenieur und Inhaber des Lehrstuhls für Produktionssystematik an der RWTH Aachen beschäftigt sich seit mehr als zwölf Jahren mit Mobilität in ihren künftigen Formen. Deutschlandweit bekannt geworden ist er vor allem durch die Gründung des E-Lieferwagenherstellers Streetscooter und die Entwicklung des Kleinwagenablegers e.Go Life.

Im Start-up e.Go Moove beschäftigte er sich auch bereits mit den sogenannten „People Movern“, elektrischen Kleinbussen für den ÖPNV, bei Bedarf per App geordert, perspektivisch fahrerlos und entsprechend günstig im Betrieb. Zunächst aber erst mal relativ teuer in der Anschaffung, was für klamme Kommunen ein Problem ist.

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Entwickelt hat das Konzept des e.Volution Mobility der Hochschulprofessor Günther Schuh.

Entwickelt hat das Konzept des e.Volution Mobility der Hochschulprofessor Günther Schuh.

In der Theorie ist Schuh weiterhin sehr überzeugt von dem Konzept. „In der Praxis scheitert es aber daran, dass man den People Mover für jede Kommune einzeln durchkämpfen muss.“ Ein tragfähiges Geschäftsmodell kommt so nur schleppend zustande.

Schuh modifizierte also die Idee: „Uns wurde klar, dass wir große Wirtschaftsunternehmen als Kunden brauchen, um einen Volumendurchbruch zu erreichen.“ Die neue Firma e.Volution war geboren. Ihr Produkt: Ein Shuttle-Abo für Konzerne, die ihre Angestellten bequem und relativ klimafreundlich an den Schreibtisch oder in die Werkshalle bringen möchten.

Gebrauchte Akkus sollen als stationäre Energiespeicher weiterleben

2024 will das Aachener Unternehmen die ersten der selbst entwickelten Siebensitzer für Pendelfahrgemeinschaften auf die Straße bringen, 2025 sollen bereits 1500 der Meta getauften Kleinbusse unterwegs sein. Die gut fünf Meter langen und bis zu 160 km/h schnellen Autos haben eine Pkw-Zulassung, lassen sich so ohne große Hürden auf die Straße bringen und mit dem normalen Führerschein fahren.

Karosserie und Batterie sind so konstruiert, dass sie nach rund fünf Jahren mit geringem Aufwand aufbereitet oder ausgetauscht werden können. Die Akkus sollen anschließend als stationäre Energiespeicher weiterleben. Aktuell verhandelt Schuh mit dem Reifenhersteller Continental in Aachen über ein Grundstück für sein Meta-Montagewerk.

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Bis zu sieben Personen finden in dem geräumigen Fahrzeug Platz. Auch schallisolierte Telefonkabinen sind an Bord.

Bis zu sieben Personen finden in dem geräumigen Fahrzeug Platz. Auch schallisolierte Telefonkabinen sind an Bord.

e.Volution will nicht wie zuvor e.Go nur Fahrzeuge anbieten, sondern als Mobilitätsdienstleister ein Komplettanbieter sein. Unternehmen können die Shuttles inklusive einer Buchungs-App gegen eine monatliche Abogebühr mieten und den Pendelservice ihren Mitarbeitern gratis zur Verfügung stellen. In der Praxis ist das so gedacht: Weil ein Meta aus Kostengründen zunächst nicht mit autonomer Fahrtechnik ausgerüstet ist und ein hauptamtlicher Fahrer aus gleichem Grund ausfällt, wird er von einem der Nutzer gefahren.

Wer sich dazu bereit erklärt, muss zwar morgens die Kolleginnen und Kollegen einsammeln, die sich per App angemeldet haben, erhält dafür aber einen Ausgleich, etwa die Möglichkeit zur privaten Fahrzeugnutzung. Am Arbeitsplatz angekommen, stellt er den Meta an einem von e.Volution organisierten Parkplatz ab. Gleiches soll bei Bedarf auch am Wohnort möglich sein.

Nach Schuhs Darstellung profitieren alle Seiten von dem Mobilitätssystem. Für Unternehmen sei die Verringerung des Pendelverkehrs die relativ gesehen günstigste Lösung, ihre Emissionsbilanz zu verbessern. Rund 25 Prozent des CO₂-Fußabdrucks eines Standorts entfallen auf die An- und Abfahrt der Beschäftigten, so der Wissenschaftler. Im Ausland, vor allem in Kalifornien, nutzen viele Unternehmen schon den Pendlerhebel und sammeln ihre Mitarbeiter mit Schulbussen ein, um sie an ihre Arbeitsplätze im Silicon Valley zu fahren.

„Die Fahrt ins Büro zählt schon zur Arbeitszeit“

Der nur siebensitzige Meta-Shuttle hat gegenüber dieser Form des Massentransports einen großen Vorteil: Er bietet neben reinen Sitzplätzen auch dezidierte Arbeitsplätze mit Internet und Schreibtisch. Dank transparenter Schallschutzwände soll auch das störungsfreie Telefonieren und Konferieren möglich sein. „Die Fahrt ins Büro zählt daher schon zur Arbeitszeit“, erläutert Schuh die Vorteile für die Nutzer.

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Ökologische und zeitökonomische Vorteile allein reichen allerdings nicht, um Menschen zur Nutzung neuer Verkehrssysteme zu bringen, wie die Erfahrung mit „Park-and-Ride“-Systemen und anderen Sharingdiensten zeigt. Schon ein kleiner Nachteil, ob objektiv oder subjektiv, reicht oft, dass der Umstieg scheitert. Das e.Volution-Team hat vor der Vorstellung des Meta Ende Juni daher Dutzende mögliche Argumente gegen die Shuttlenutzung gesammelt. Fast alle haben sie nach eigener Einschätzung ausgeräumt. Auch die Sorge von bereits Dienstwagenberechtigten, die um die Streichung lieb gewonnener Privilegien bangen.

Bestellt wird der Meta per App.

Bestellt wird der Meta per App.

Schuh schlägt vor, ihnen ihr eigenes Fahrzeug zu lassen, das Shuttle aber so attraktiv zu machen, dass sie es gerne einige Tage in der Woche nutzen. Generell sieht er den Meta nicht als kurzfristigen Komplettersatz für andere Verkehrsmittel, sondern eher als Ergänzung. „Nur ein Gegenargument können wir nicht entkräften: Wer als Morgenmuffel in der Früh einfach niemand anderes sehen will, der lässt sich wohl nicht vom Einstieg in ein Gemeinschaftsshuttle überzeugen.“

Überzeugen muss Schuh nun zunächst aber die Arbeitgeber. Im Blick hat er vor allem Unternehmensstandorte mit mehreren tausend Mitarbeitern, von denen der Großteil in Vororten oder im Umland wohnt. Erste konkrete Verhandlungen laufen laut Schuh bereits. Und wenn er morgens nur einen Bruchteil von ihnen in seine Shuttles bekommt, könnten die Straßen von Hunderten Privat-Pkw entlastet werden. Klappt das, soll das e.Volution-Angebot um weitere Fahrzeugmodelle für weitere Nutzungsszenarien erweitert werden.

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