E‑Parktower

Ein Stapel Elektroautos: Innovatives Parkkonzept soll europaweit Schule machen

Eine Idee will hoch hinaus: Blick auf den ersten E‑Parktower in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen).

Eine Idee will hoch hinaus: Blick auf den ersten E‑Parktower in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen).

Der erste Prototyp, der jetzt eingeweiht wurde, steht im nordrhein-westfälischen Haltern am See. Rund zwölf Meter ragt der Turm in die Höhe. Im Inneren der 34 Tonnen schweren Stahlkonstruktion sind acht Parkgondeln untergebracht. Sie rotieren auf einer Grundfläche von nur 60 Quadratmetern nach dem Paternoster-Prinzip. Jede Gondel ist mit einer 22 Kilowatt (kW) starken Elektroladestation ausgestattet. Auf dem Dach des futuristisch anmutenden Hightech-Turms befindet sich eine Zehn-Kilowatt-Solaranlage zur Grünstromerzeugung, die den Towerbetrieb autark versorgen soll.

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Mehr als zwei Jahre Zeit und Know-how haben die jungen Unternehmer Manuel Huch, Markus, Martin und Lukas Mika in die Entwicklung des E‑Parktowers gesteckt. Ihr Ziel: ein Parkhaus der Zukunft zu entwickeln, das Parkraum auf kleinster Fläche ermöglicht, über Ladepunkte für E‑Autos verfügt und größtmögliche Sicherheit bietet. Laut E‑Parktower GmbH ist das Konzept einzigartig und soll europaweit Schule machen.

Vor allem in urbanen Bereichen, in denen nicht jeder seinen eigenen Stellplatz habe, seien solche Lösungen extrem wichtig, sagt Markus Emmert, Vorstand des Bundesverbands Mobilität. „Ich muss wissen, wo ich mein Fahrzeug abstellen kann. Und im Kontext der E-Mobilität spielt auch die Frage eine Rolle, wo ich zuverlässig und sicher laden kann. Das ist letzten Endes das Rückgrat der Mobilität.“

Die Autos befahren die Parkboxen nach dem Paternoster-Prinzip.

Die Autos befahren die Parkboxen nach dem Paternoster-Prinzip.

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Nur ein Viertel des Platzbedarfs eines Freiflächen­parkplatzes

Den E‑Parktower gibt es in unterschiedlichen Varianten mit sechs bis zu 16 Stellplätzen. In der Maximalversion mit 16 Plätzen erreicht er eine Höhe von 22 Metern. Durch das modulare Prinzip lassen sich auch mehrere Tower nebeneinander platzieren. Zum Vergleich: Für 64 Stellplätze benötigt der Turm eine Fläche von 448 Quadratmetern. Ein ebenerdiger Freiflächenparkplatz beansprucht für die entsprechende Anzahl 1792 Quadratmeter.

Der Turm kann privat oder öffentlich genutzt werden und sowohl einzeln stehen als auch in Gebäude integriert werden. Flexible Lösungen bietet der Tower durch die Stahlkonstruktion auch bei der Fassadengestaltung. Sie lässt sich individuell gestalten und damit an die jeweilige Umgebung oder Anforderung anpassen. Fassadenbegrünung oder eine Solarzellenfassade sind da ebenso denkbar wie klassische Putz- oder Klinkerfassaden, die sich nahtlos in vorhandene Gebäudestrukturen integrieren, betonen die Entwickler.

Innovatives Park- und Ladekonzept für Elektroautos

Der erste E‑Parktower in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) bietet Platz für acht Autos.

Die Tower-Idee haben die Unternehmer übrigens aus China übernommen. Sie mussten das Produkt allerdings mit deutschen Ingenieuren neu konzipieren, um es den Anforderungen an Statik, Brandschutz und Sicherheit anzupassen. Auf jeder Parkgondel ist Platz für Autogrößen bis zum Kleintransporter. Das Ein- und Ausparken soll simpel sein: „Die Zugangskontrolle erfolgt über einen QR-Code oder einen Barcode, der vor einen Scanner gehalten wird“, erklärt Markus Mika, der das Konzept mitentwickelt hat. „Ein freier Parkplatz wird dann runtergefahren, das Rolltor öffnet sich und die Parkgondel lässt sich befahren. Nach Verlassen des Turms werden die Fahrzeuge vollautomatisch in die Höhe geparkt.“

Mit dem Konzept Höhe statt Breite könnte der E‑Parktower auch eine Lösung zur Verdichtung von Baulücken und schwer zu bebauenden Flächen sein und damit für Immobilienbesitzer und Städte gleichermaßen attraktiv. „Wir müssen massiv in Elektromobilität investieren“, sagt auch Mobilitätsexperte Markus Emmert, „und zwar nicht nur in der Fahrzeugbeschaffung, sondern auch in puncto Ladeinfrastruktur. Die muss zuverlässig, flächendeckend funktionieren und im Umkehrschluss müssen wir den Ausbau von erneuerbaren Energien vorantreiben, weil Elektromobilität nur auf Basis erneuerbarer Energien Sinn macht.“

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Wallbox inklusive: Pro Parkbox kann eine Wallbox mit 22 Kilowatt Leistung im E‑Parktower angebracht werden.

Wallbox inklusive: Pro Parkbox kann eine Wallbox mit 22 Kilowatt Leistung im E‑Parktower angebracht werden.

Mobilitätshub für Großstädte

Die Bauherren können sich ihren Turm auch als Mobilitätshub in Großstädten vorstellen. „Das würde bedeuten, dass wir zusätzlich zum inneren Parkraum für Pkw im äußeren Bereich des Turms auch Mikromobilitätsangebote in Form von E‑Bikes und ‑Scootern haben. Der Bedarf werde zunehmen, so Markus Emmert. „Nicht nur der Pkw wird in Zukunft elektrisch angetrieben, sondern sämtliche Fahrklassen von der Mikromobilität über Leichtfahrzeuge bis zum Schwer-, Schifffahrts- und Flugverkehr. Und weil Elektromobilität eine der effizientesten Antriebsvarianten überhaupt ist und durch grünen Strom direkt betrieben werden kann, wird sie sich europaweit und international durchsetzen. Es ist nicht die Frage, wie stark Elektromobilität kommen wird, sondern wie schnell sie kommt und wie zügig wir den Change in Richtung kluge und effiziente Mobilität schaffen.“

Der E‑Parktower könnte einen Beitrag dazu leisten. Die Lösung soll vor allem für Städte und Unternehmen interessant sein. In 400 Städten in Deutschland wäre ein E‑Parktower nach Angaben der Entwickler baurechtlich möglich. Markus Emmert vom Bundesverband Mobilität sieht im E‑Parktower zwar keine „Nonplusultralösung“, aber ein geeignetes Instrument, um die Mobilitätswende voranzutreiben. „Wir brauchen solche Lösungen im Kontext von Verkehrs- und städtebaulichen Veränderungen.“

 

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