Erst mal nur in der Betatest-Version

Nacktfoto-Warnfunktion: Apple bringt Jugendschutzfunktion nach Deutschland

Drei Screenshots der US-Version der neuen Apple-Jugendschutzfunktionen. Sie zeigen die Möglichkeit, umstrittene Bilder Erwachsenen zugänglich zu machen und unterschiedliche Hilfsangebote und Maßnahmen gegen sexuell motiviertes Cyberstalking.

Apple hat für iPhones und iPads neue Schutzfunktionen für Kinder und Jugendliche eingeführt. In der vierten Developer-Betaversion von iOS und iPad OS 16 sowie Mac OS Ventura vom 27. Juli wird damit unter anderem das Senden und Empfangen von Nacktbildern erschwert. Für alle dürften die neuen Funktionen erst im Herbst nutzbar werden.

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Warnmeldungen an Kinder

Die größte Änderung betrifft Apples Messages-App, die Gratisnachrichtenfunktion zwischen Apple-Geräten. Wenn von den Eltern gewünscht, kann der Nachrichtenempfang an ihre Kinder so eingestellt werden, dass die Kinder eine Warnmeldung erhalten, sofern sie ein Nacktbild empfangen oder senden wollen.

Sobald ein solcher Inhalt auf dem Gerät des Kindes auftaucht, wird das Foto unkenntlich gemacht und eine Warnung erscheint auf dem Bildschirm, dass der Inhalt heikel sein könnte. Zusätzlich werden kindgerechte Hinweise gegeben, die sich auf die Gefahr der Verbreitung von Nacktfotos und die Verletzung von Persönlichkeitsrechten beziehen. Die Kinder haben die Option, das Bild nicht anzuschauen, es anzusehen oder ein Elternteil zu Rate zu ziehen. Gleiches gilt auch für das Versenden von Nacktaufnahmen. Die Eltern werden aber nicht automatisch über einen möglichen Fall von sexueller Belästigung informiert.

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Blick auf die neuen Kommunikationsoptionen in iOS 16. Die Jugendschutzmaßnahmen sind ab jetzt in den aktuellen deutschen Betas der Systemsoftware iOS, iPad OS und Mac OS Ventura. Bei diesen Versionen handelt es sich um Vorabfassungen der Betriebssysteme. Nur professionelle Nutzerinnen und Nutzer sollten die Software anwenden.

Blick auf die neuen Kommunikationsoptionen in iOS 16. Die Jugendschutzmaßnahmen sind ab jetzt in den aktuellen deutschen Betas der Systemsoftware iOS, iPad OS und Mac OS Ventura. Bei diesen Versionen handelt es sich um Vorabfassungen der Betriebssysteme. Nur professionelle Nutzerinnen und Nutzer sollten die Software anwenden.

Allgemeine Definition von Nacktheit

Auf Nachfrage des RND, ob die deutsche Version auf deutscher oder amerikanischer Rechtsprechung beruhe, hieß es bei Apple, man habe sich auf eine allgemeingültige Definition von Nacktheit geeignet, die keine sexuellen Kontext enthalten müsse. So könne zum Beispiel auch ein nicht verhülltes primäres oder sekundäres Geschlechtsteil den Mechanismus auslösen. Oder, wie es in der englischen Warnmeldung der Software heißt: „Nacktfotos und -videos zeigen Intimbereiche, die üblicherweise von Unterwäsche oder Badeanzügen bedeckt sind.“

Nacktheit ist in den USA wesentlich strenger definiert. So wird in öffentlich zugänglichen Fernsehkanälen schon ein nacktes Gesäß gepixelt. Dabei handelt es sich aber nicht um Bundesgesetze, die Bestimmungen in Sachen Nacktheit sind von Staat zu Staat unterschiedlich. Das liegt daran, dass die verpönte Nacktheit von etlichen Juristinnen und Juristen auch als Teil des „First Amendment“ gesehen wird. In ihm ist die Rede- beziehungsweise Meinungsfreiheit geregelt, die gegebenenfalls eben auch Nacktauftritte in der Öffentlichkeit schützt, speziell in politischem oder künstlerischem Kontext.

Funktion betrifft nur das jeweilige Endgerät

Alle Schutzfunktionen, so Apple, sollen sich einzig auf dem Endgerät abspielen. Die Nacktfotoerkennung funktioniert nur in Apples Chat-App Message. Weder erfahre der Konzern, ob ein Nacktfoto auf dem Gerät empfangen werde, noch gebe es irgendwelche Zugriffsmöglichkeiten von außen.

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Zusätzlich hat Apple Jugendschutzmaßnahmen in seiner Spracherkennung Siri sowie den Suchfunktionen Spotlight und Safari implementiert. So werden in der kommenden Softwareversion auf die Frage, wie sich Kindesmissbrauch melden ließe, Ansprechpartner genannt, bei denen sich derlei Vorfälle melden lassen. Siri, Spotlight und Safari reagieren künftig auf Suchanfragen, die Kindesmissbrauch enthalten mit Hinweisen und Hilfsangeboten, um potenzielle Täterinnen und Täter ganz niedrigschwellig abzuschrecken und potenziellen Opfern ebenso niedrigschwellig Hilfsangebote zu unterbreiten.

Apple verfolgt die Idee eines proaktiven Jugendschutzes schon länger. Die ursprüngliche Idee des Unternehmens, Bilder sexuellen Missbrauchs von Kindern auf Apple-Endgeräten automatisch zu identifizieren und einen Upload auf die konzerneigene Cloud zu melden, stieß auf Widerstand. So wurden Befürchtungen laut, autoritäre Regimes könnten solche Funktionen auch auf andere Inhalte ausweiten, um missliebige Oppositionelle zu überwachen.

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