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Aktion für Gemeinschaft

Vesperkirche in der Brüdernkirche

Vesperkirche in der Braunschweiger Brüdernkirche: Die Aktion läuft noch bis Sonntag, 24. März.

Vesperkirche in der Braunschweiger Brüdernkirche: Die Aktion läuft noch bis Sonntag, 24. März.

Braunschweig. Zwei Mittagessen hat Eva verpasst. Sie war wegen ihrer Füße beim Arzt, erzählt sie der Runde, während sie in der Braunschweiger Brüdernkirche ihre Bratkartoffeln isst. „Wir dachten, du bist verreckt“, wirft ihr Johann vor, löffelt Möhrengemüse und lacht. Daneben diskutiert Margret mit ihrer Tischnachbarin über ein Buch von Navid Kermani. Braunschweigs erste Vesperkirche bietet jedem, der kommen mag, eine warme Mahlzeit und Raum für Gespräche, sagt die evangelische Pröpstin Uta Hirschler: „Da mischen sich Ballonseide und Nadelstreifen, Small Talk und Existenzielles - manchmal derbe und mit Frotzelei, oft aber sehr tiefsinnig.“

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Idee kommt aus Süddeutschland

Die Pröpstin hat eine Idee aus Süddeutschland aufgegriffen, indem sie die Kirche für zwei Wochen zum Essenssaal gemacht hat. Mehr als 30 evangelische Kirchengemeinden in Baden-Württemberg und Bayern veranstalten jährlich unter dem Titel „Vesperkirche“ soziale Projekte zugunsten von Armen und Bedürftigen. In Braunschweig sollen sich ganz ausdrücklich Menschen aus allen Lebenswelten treffen, sagt Hirschler: „Überwiegend sind die Besucher aus Bedürftigkeit da. Für viele zählt jeder einzelne Euro, den sie im Monat haben. Aber es gibt auch genügend, die einfach Spaß am Gespräch und am Austausch haben.“

Täglich 170 kostenlose Mahlzeiten

Täglich geben in wechselnder Besetzung jeweils rund 20 Ehrenamtliche wie in einer Mensa 170 kostenlose Mahlzeiten aus und betreuen die Gäste an den Tischen im Mittelschiff der Kirche. Einige Besucher hätten sogar schon ihren Stammplatz, auf dem sie jeden Tag wieder sitzen wollen, sagt Helferin Sabine Werres. So mancher habe ihr schon seine Lebensgeschichte berichtet. „Es ist immer wieder spannend, sich dazwischenzusetzen und einfach zuzuhören. Manchmal platzt im zunächst oberflächlichen Gespräch ganz plötzlich der Knoten und es geht sehr viel tiefer.“

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So hat auch bei Margret inzwischen das Thema gewechselt. Sie erzählt, wie sie zehn Jahre ehrenamtlich im Hospiz mitgeholfen hat und die Menschen nie glauben konnten, dass sie Atheistin ist. „Anders herum habe ich in dieser Zeit gelernt, dass sich Christen und Nicht-Christen im Sterben sehr ähnlich sind. Der Abschied fällt nie leicht - egal, ob man an ein 'danach' glaubt oder nicht.“ Die gebürtige Rheinländerin ist zum ersten Mal gekommen und überrascht von der Geselligkeit in der Kirche. „Niedersachsen haben sonst ja eher eine verschlossene Natur. Dabei will ich doch was erleben, wenn ich rausgehe“, sagt die Rentnerin mit einem Lächeln.

Kurze Tischreden und geistliche Impulse

Als tägliches Programm gibt es kurze Tischreden und geistliche Impulse. So sprachen schon Sozialministerin Carola Reimann (SPD), der frühere Braunschweiger Domprediger Joachim Hempel oder die Generalintendantin am Braunschweiger Staatstheater, Dagmar Schlingmann, zu den Besuchern. Für Pröpstin Hirschler zeigen auch die Reaktionen darauf den Erfolg des Projektes. „Wenn die Menschen merken, dass da jemand ans Mikrofon tritt, der jeden Anwesenden wertschätzt, hören sie gespannt zu und applaudieren auch mal kräftig.“

Vesperkirche noch bis Sonntag geöffnet

Die Vesperkirche öffnet noch bis zum Sonntag, 24. März, täglich zwischen 12 und 14 Uhr ihre Türen. Ob das Projekt in Zukunft wiederholt wird, steht noch nicht fest. Allerdings seien sowohl die Ehrenamtlichen als auch die Besucher in der kurzen Zeit zu einer Art Familie zusammengewachsen, sagt Hirschler. „Viele kennen sich natürlich auch aus anderen Zusammenhängen, aber diese große Gemeinschaft in der einer auf den anderen acht gibt, ist schon noch einmal etwas Besonderes.“

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Von unserer Redaktion

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