Hildesheim

Caritas kündigt 118 Pflegepatienten

„Wenn wir nichts unternehmen, müssten wir Insolvenz anmelden“: Die Caritas zählt zu den Verbänden, die Tariflöhne zahlen.

„Wenn wir nichts unternehmen, müssten wir Insolvenz anmelden“: Die Caritas zählt zu den Verbänden, die Tariflöhne zahlen.

Hildesheim. Der Caritasverband Hildesheim streicht seine Leistung im Bereich der ambulanten Pflege drastisch zusammen. Wie die „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“ berichtet, werden zum 1. Juli und 1. Oktober insgesamt 31 Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt. Betroffen sind auch die Verträge mit 118 Pflegepatienten – vor allem im Kreis Hildesheim. „Je weiter der Weg, desto eher die Kündigung“, beschreibt Caritas-Geschäftsführer John Coughlan das Prinzip, nach dem die Caritas St. Bernward Ambulante Pflege gGmbH vorgehen wird. Einer der wesentlichen Kostenfaktoren seien die Fahrten zu den Patienten.

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Caritas ist einer der größten Anbieter für Pflege in der Region

Erst vor wenigen Tagen hatten sich in Niedersachsen Pflegekassen und Pflegedienstleister, darunter auch die Diakonie, auf höhere Zuschüsse für deren Leistungen geeinigt. Allein die Wegepauschale soll rückwirkend zum 1. Januar 2018 um 18 Prozent, und ab 2019 noch einmal um 5  Prozent erhöht werden. Für Coughlan bleibt das „eine Mogelpackung“. Denn die Wegepauschale beziehe sich nicht auf die Nachtfahrten – und die machten 45 Prozent der Fahrten aus.

Der Verband ist in der Region mit 600 Patienten einer der größten Anbieter im Bereich der ambulanten Pflege. 118 erhalten nun die Kündigung ihrer Verträge. „Wenn wir nichts unternehmen, müssten wir für unsere Pflege gGmbH Insolvenz anmelden“, sagt Couglan.

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Müssen Patienten nun ins Pflegeheim?

Die Caritas-Gesellschaft hat im vergangenen Jahr ein Minus von 265 000 Euro eingefahren, für das laufende Jahr würde das Defizit noch höher ausfallen, schätzt Coughlan. Die Caritas zählt zu den Verbänden, die ihren Mitarbeitern Tariflöhne zahlen. Coughlan ist sicher, dass die Mitarbeiter neue Jobs finden werden. „Wir haben ja einen Fachkräftemangel, aber sie werden schlechter bezahlt werden.“ Auch die bislang betreuten Patienten würden wahrscheinlich versorgt werden: „Nur bei wem und zu welchen Konditionen?“ Möglicherweise müssten einige auch ins Pflegeheim. Doch auch da würden die Plätze zunehmend knapper.

Es sei höchste Zeit, dass die Politik steuernd in das System der Selbstverwaltung eingreife, meint Coughlan. „In vier Jahren sind die großen Anbieter, die Tariflöhne zahlen, pleite,“, schätzt der Caritas-Chef. Heute treffen sich die Vertreter der Hildesheimer Wohlfahrtsverbände, die ambulante Pflege anbieten, zum Krisengespräch.

Von Norbert Mierzowsky

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