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Vorsfelde Märchenerzählerin Karin Burbulla im Interview
Wolfsburg Vorsfelde Märchenerzählerin Karin Burbulla im Interview
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00:20 22.03.2019
Märchenerzählerin: Karin Burbulla ist auch am Weltgeschichtentag im Einsatz. Quelle: Britta Schulze
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Nordsteimke

Am Mittwoch, 20. März, ist Weltgeschichtentag. Aus diesem Grund ist die gelernte Märchenerzählerin Karin Burbulla aus Nordsteimke im Einsatz – und stand der WAZ für ein Interview Rede und Antwort.

Frau Burbulla, wie sind Sie zu diesem außergewöhnlichen Beruf gekommen?

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An einem märchenhaften Tag! Als mein Enkel nicht mehr in den Kindergarten ging, war ich immer sehr traurig, dort nicht mehr hingehen zu können. Dort wurde mir dann angeboten, Lesepatin zu werden. Ich las das Buch „Von der Weisheit der Märchen“ von Susanne Stöcklin-Meier. Ich war fasziniert und musste mehr darüber lernen! Bei Jana Raile in Hannover machte ich schließlich, durch die Pastor Bammel Stiftung finanziert, meine Märchenausbildung.

Und wie ist solch eine Ausbildung aufgebaut?

Man trifft sich an sieben Wochenenden. Dabei wird das Erzählen der Geschichten mit Spaß und Freude durch lautes Vorlesen trainiert und geübt.

Wie verläuft eine Märchenstunde mit Ihnen?

Alles, was ich erzähle, wird frei erzählt. Markante Sätze aus beliebten Märchen sollte man dennoch nutzen, so dass man sie wiedererkennt. Generell wird aber nichts einfach nur vorgelesen. Beim Aussuchen meiner Märchen achte ich immer darauf, dass sie weitestgehend unbekannt sind, Witz haben und einen zum Schmunzeln bringen. Am liebsten erzähle ich Kindern tierische Märchen.

Wie bringen Sie denn die Geschichten an alle Kinder so gut heran?

Kinder sind kritischer. Da muss man sich schon etwas überlegen. Meine Gruppen müssen immer mit mir ins Märchenland kommen. Da heißt es: „Auf ins Märchenland, über den Berg und See.“ Und schließlich müssen sie das Märchentor mit dem Märchenschlüssel aufmachen. Die Kinder müssen aktiv beteiligt werden, damit sie aufmerksam zuhören und etwas aus der Lesung mitnehmen können.

Das klingt als hätten Märchen einen großen Einfluss auf Kinder. Wie wichtig, finden Sie, sind Märchen und Geschichten für Kinder heutzutage noch?

Sehr wichtig! Märchen haben ja immer dieselbe Form. Es tritt ein Mangel auf, dann kommt jemand zur Hilfe und man bewältigt schließlich ein Problem. Wenn man Kindern die Geschichte anschaulich erzählt, entstehen Bilder in ihrem Kopf, die prägend wirken. Zum Beispiel, dass der Held, der vorher unbeliebt war, jemanden oder etwas rettet und belohnt wird. Solche Bilder sind unwahrscheinlich wichtig für Kinder, da sie dadurch Empathie, Kommunikation und einfach den Glauben an sich selbst und dass sie etwas schaffen können entwickeln.

Haben Sie zum Abschluss ein Lieblingsmärchen, das Sie Kindern am liebsten erzählen?

Die Bienenkönigin von den Brüdern Grimm. Der Dummling setzt sich durch. Anfangs dachte er, nichts schaffen zu können und bekommt letztendlich eine Prinzessin. Durch so etwas denken Kinder: „Ja! Ich schaffe das auch.“

Die nächsten Märchenstunden: Mittwoch, 20. März, Kita der Diakonie, nur für Kindergartenkinder. Montag, 25. März, Café Heimlich, 16 Uhr, „Hasenbrot und Pustekuchen“, Familienprogramm.

Das ist der Weltgeschichtentag

Am 20. März findet der Weltgeschichtentag (auch: World Storytelling Day) statt. Der Aktionstag wird seit 2004 veranstaltet und basiert auf einem älteren schwedischen Erzähltag. Mittlerweile sind Veranstaltungen in vielen Ländern dieser Welt an den Tagen rund um den 20. März der Kunst des mündlichen Erzählens gewidmet. Das Ziel ist dabei, Geschichten zu teilen, sich am Reichtum der Bilder, Sprachen und Motive zu erfreuen und neue Kontakte zu knüpfen.

Von Kinga Donasch