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Vorsfelde Fröhliches Frühschoppen: Nordsteimke feiert Gottesdienst der etwas anderen Art
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Fröhliches Frühschoppen: Nordsteimke feiert etwas anderen Gottesdienst

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15:53 30.08.2020
Mit Bierdeckeln und vielen Fragen: Pfarrer Wilfried Leonhardt und Vikarin Carina Vornkahl führten durch den Frühschoppen-Gottesdienst. Quelle: Boris Baschin
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Nordsteimke

Darf man so einen Gottesdienst feiern? Beim Frühschoppen-Gottesdienst am Sonntag in Nordsteimke hat Pfarrer Wilfried Leonhardt diese Frage selbst aufgeworfen und für die Kirchengemeinde St. Nicolai beantwortet. Zusammen mit Vikarin Carina Vornkahl und Kantor Andreas Witlake hatte er zum Gebet bei Bier und Bratwurst in den Park des Grafen von der Schulenburg geladen.

Mit Sonnenbrillen und Weingläsern nahmen Leonhardt und Vornkahl vor einem großen Kreuz aus Birkenholz Platz. Die Gemeinde saß an zahlreichen Tischen, das Team des Nordsteimker Lindenhofs versorgte die Gäste von der ersten Minute an mit Speisen und Getränken. Für Leonhardt kein Widerspruch zum sonst eher spärlich ausfallenden Abendmahl: „Der christliche Glaube ist eine fröhliche Sache.“

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Die Gemeinde notierte auf Bierdeckeln ihre Fragen an Pfarrer und Vikarin

Passend zum ersten Eindruck einer eher feucht-fröhlichen Veranstaltung hatten die Gäste vor Beginn des Gottesdiensts Bierdeckel erhalten. Darauf sollten sie Fragen an den Pfarrer und die Vikarin notieren. Die Beantwortung der Fragen rückte dann an Stelle der üblichen Predigt. Laut Vikarin Vornkahl diente die ­TV-Sendung „Inas Nacht“ als Inspiration.

Bildergalerie zum Frühschoppen-Gottesdienst im Park:

Die Nordsteimker Kirchengemeinde St. Nicolai hat am Sonntag einen Gottesdienst der etwas anderen Art veranstaltet: Die Gemeinde kam zum Frühschoppen zusammen.

Nachdem der Gottesdienst zunächst etwas ins Alberne abzudriften drohte, sorgte ausgerechnet die Frage nach Freibier für Ernsthaftigkeit. Hier zog Pfarrer Leonhardt mit Blick auf die Kirchensteuer die Grenze dessen, was bei einem Gottesdienst erlaubt ist: „Wir müssen mit dem Geld verantwortungsvoll umgehen.“

„Wir sollten anderen ihre Freiheit und ihre Meinung lassen“

Im Folgenden berichteten Vornkahl und Leonhardt nicht nur, was sie verdienen und in ihrer Freizeit treiben, sondern setzten sich auch mit gesellschaftlichen und kirchlichen Themen auseinander. Auf die Frage, warum es so viel Hass in der Welt gibt, empfahl Leonhardt, sich selbst kritisch zu hinterfragen: „Wir sollten anderen ihre Freiheit und ihre Meinung lassen. Und: Wir sollten anderen etwas gönnen.“ Die Gemeinde applaudierte. Zuvor hatte der Pfarrer bereits dazu aufgerufen, sich einzubringen, wenn einem Dinge im eigenen Umfeld nicht gefallen.

Auf die Frage, warum Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, sich so sehr für die Seenotrettung Geflüchteter einsetzt, warb Leonhardt um Verständnis für die Flüchtlinge: „Ganz ehrlich: Wenn ich in ihrer Situation wäre, würde ich mich auch auf den Weg machen.“ Für seinen Verweis auf die christliche Pflicht, anderen Menschen die Hand zu reichen, bekam er erneut Applaus.

Die Integration des Baugebietes Sonnenkamp stellt die Gemeinde vor neue Herausforderungen

Zum Abschluss der Fragerunde ging es dann um die Zukunft Nordsteimkes und die Frage, wie die Gemeinde die Neubürger des Baugebietes Sonnenkamp integrieren will. Vikarin Vornkahl erklärte, der Gemeinde als zusätzliche Kraft erhalten bleiben zu wollen. Die Entscheidung fällt das Landeskirchenamt. Hinsichtlich der Integration der Neubürger erklärte Vornkahl mit Blick auf ihre anstehende Examensarbeit: „Wir beschäftigen uns mit Ideen, wie man eine Gemeinde abseits eines traditionellen Kirchengeländes gestalten kann.“

Von Melanie Köster