Feuersalamander: Die versteckten Bewohner des Barnstorfer Waldes
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Vorsfelde Feuersalamander wandern wieder: Die versteckten Bewohner des Barnstorfer Waldes
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Feuersalamander: Die versteckten Bewohner des Barnstorfer Waldes

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18:30 03.11.2020
Sie wandern wieder: Die Feuersalamander im Barnstorfer Wald. Quelle: Eike Bovensmann
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Barnstorf/Waldhof

Während die Schranke, die sie schützen soll, bereits für allerhand Diskussionen gesorgt hat, leben die auffällig gefärbten Tiere so zurückgezogen, dass selbst einige Anwohner sie noch nie zu Gesicht bekommen haben – die Rede ist von den Feuersalamandern im Barnstorfer Wald. Mit dem kühlen und regnerischen Herbstwetter beginnt die Hauptwanderzeit der „Lurchis“.

Teilweise sind zahlreiche Lurchis auf der Straße zwischen Barnstorf und Waldhof unterwegs

Eike Bovensmann kümmert sich bereits seit einigen Jahren darum, dass die Salamander-Schranke geschlossen ist, wenn die Tiere wandern. Dennoch war es auch für ihn etwas Besonderes, als er kürzlich an einem Abend gleich sieben Feuersalamander auf der Straße zwischen Barnstorf und Waldhof entdeckte. Unterscheiden lassen sich die nachtaktiven Tiere, weil jedes ein individuelles Muster hat. Bereits einige Tage zuvor hatte der Barnstorfer vier Lurchis entdeckt: „Zwei hielten sich sogar über eine Stunde lang im Bereich der Straße auf.“ Bovensmann vermutet: Die Wärme des Asphalts und die Regenwürmer, die sich dort nicht verstecken können, hielten die Tiere so lange dort. Was den Barnstorfer zudem überraschte: Dass die Lurchis bei dem starken Wind, der an dem Tag herrschte, überhaupt unterwegs waren.

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Zumeist nachts unterwegs: Die Feuersalamander im Barnstorfer Wald leben so gut versteckt, dass viele Dinge über sie noch gar nicht bekannt sind. Quelle: Manfred Wenst

Manfred Wenst vom Naturschutz-Zentrum der BUND Kreisgruppe Wolfsburg bestätigt, dass rund um die seltenen Tiere viele Fragen ungeklärt sind. Er erstellte 2015 ein Gutachten über die Salamander bei Barnstorf. Darin ermittelte er, dass rund 100 Tiere zu der Population gehören. „Sie ist landesweit als bedeutend zu betrachten und in der Norddeutschen Tiefebene absolut etwas Besonderes. In Braunschweig gibt es das nicht.“

Warum sich die Tiere im Barnstorfer Wald so wohl fühlen? Wenst erklärt es sich über die Kombination aus dem Mischwald zusammen mit dem kleinen Bach, der dort entspringt und in Richtung Waldhof fließt. Die Gegend ist dadurch schattig und kühl.

Feuersalamander unterscheiden sich in vielen Punkten von anderen heimischen Amphibien

Feuersalamander haben laut Wenst einige Besonderheiten im Vergleich zu anderen heimischen Amphibien: „Für Wolfsburg kann man zu dem Schluss kommen, dass sie bei Temperaturen über vier Grad ganzjährig nachts aktiv sind.“ Die seltenen Tiere kennzeichne zudem, dass die Alttiere reine Landtiere seien. Das Wasser suchen sie lediglich für die Ablage der Jungtiere auf. Und: „Feuersalamander legen keine Eier. Die Larven schlüpfen in der Gebärmutter und entwickeln sich im Mutterleib zu Jungtieren heran“, erklärt Wenst.

Klein und unscheinbar: Am oberen Bildrand sind frisch abgelegte Jungtiere des Feuersalamanders zu sehen. Quelle: Manfred Wenst

Wenn die Alttiere die Jungen im Wasser abgelegt haben, bleiben diese für mehrere Monate dort. Was die Barnstorfer Tiere dann machen, bis sie ausgewachsen sind, darüber gibt es laut Wenst kaum Erkenntnisse.

Mit dem Fahrrad können Passanten die Tiere auf der Straße schnell übersehen

Wenst und Bovensmann wollen die Lurchis weiter beobachten, um mehr über sie zu erfahren. Wer die Tiere sehen will, sollte am besten zu Fuß unterwegs sein, betont Bovensmann: Auch mit dem Fahrrad könne man die Tiere auf der Straße schnell versehentlich überfahren.

Von Melanie Köster