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Volkswagen VW erfindet sich neu: E-Autos, Dienste, autonomes Fahren
Wolfsburg Volkswagen VW erfindet sich neu: E-Autos, Dienste, autonomes Fahren
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19:19 16.06.2016
„Strategie 2025“: VW-Vorstandschef Matthias Müller bei der Präsentation in der Autostadt.
„Strategie 2025“: VW-Vorstandschef Matthias Müller bei der Präsentation in der Autostadt. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Vorstandschef Matthias Müller sagte in Wolfsburg, die zusätzlichen Bereiche sollten zur zweiten Säule neben dem Kerngeschäft werden. VW solle auf das „neue Zeitalter der Mobilität“ ausgerichtet werden. In den nächsten neun Jahren werde dafür ein zweistelliger Milliardenbetrag investiert.

So reagiert VW auch auf fundamentale Veränderungen in der Branche. Die großen Zukunftsthemen sind alternative Antriebe wie E-Motoren und die digitale Revolution mit mehr Internet im Auto. Müller sieht einen „epochalen Wandel“, der Wettbewerb werde härter. Neben den Autobauern drängen auch IT-Konzerne wie Google und Apple ins Autogeschäft. „Die technologischen Megatrends stellen traditionelle Geschäftsmodelle in Frage, auch weil sich mit ihnen die Kundenbedürfnisse massiv verändern“, erklärte der VW-Chef.

Bei den Mobilitätsdienstleistungen geht es etwa um mehr miteinander vernetzte Fahrzeuge, mehr individuelle Mobilität sowie mehr Geschäfte mit IT und Software. Erst vor kurzem war Volkswagen mit umgerechnet 267 Millionen Euro beim Fahrdienst und Uber-Rivalen Gett eingestiegen. Außerdem soll die Batterietechnik als „neues Kompetenzfeld“ erschlossen werden, wie Müller ankündigte. Mit Hochdruck wird auch eine eigene Fabrik für Batteriezellen geprüft. Bisher sind deutsche Autobauer abhängig von Zulieferern vor allem aus Asien. Batteriezellen sind wesentliche Bestandteile von Elektroautos.

Mit Blick auf den Abgas-Skandal sagte Matthias Müller, die Bereitschaft für Veränderungen im Konzern sei deutlich gewachsen. Der Skandal habe auch Schwachstellen aufgedeckt, sagte Müller. „Die Stichworte lauten hier vor allem: Struktur, Kultur und Effizienz.“

VW-Strategie 2025

Die neue VW-Konzernstrategie mit dem Titel „Together – Strategie 2025“ umfasst viele Punkte. Alle haben ein Ziel: Volkswagen soll auf die massiven Veränderungen in der Autobranche vorbereitet werden. Ein Überblick:

  • Positionierung der einzelnen Marken schärfen
  • Erfolgreiches Fahrzeug- und Antriebsportfolio entwickeln
  • Modulare Baukästen straffen
  • Neue Partnerschaften mit regionalen Akteuren eingehen
  • System für autonomes Fahren und künstliche Intelligenz entwickeln
  • Batterietechnologie als neue Kernkompetenz aufbauen
  • Hohe Nutzer- und Bedienerfreundlichkeit sichern
  • Baureihen-Organisation implementieren
  • Komponentengeschäft mit intern zugelieferten Teilen neu ausrichten
  • Geschäftsfeld für Mobilitätslösungen etablieren
  • Profitables „Smart-Mobility“-Angebot entwickeln und ausbauen
  • Gewinnkraft steigern

Revolution in Wolfsburg

ein Kommentar von Florian Heintz

Nicht weniger als eine Revolution hat VW-Chef Matthias Müller heute in Wolfsburg ausgerufen. Die neue Konzernstrategie bedeutet zunächst einen Bruch mit der Devise seines Vorgängers Martin Winterkorn: „Höher, schneller, weiter“ – damit ist Volkswagen in den vergangenen Jahren auf beeindruckende Weise an die Weltspitze gestürmt.

Die Schattenseiten dieses Wachstums mit immer mehr Marken, neuen Werken und immer mehr Auslieferungen liegen inzwischen aber offen zutage. Zu behäbig sind die Strukturen des Konzerns geworden. Zu weit entfernt von den Kunden wurden die Entscheidungen oft getroffen. Zu teuer waren viele Entwicklungen, die manchmal mehr den Träumen einiger Techniker als einer betriebswirtschaftlichen Logik folgten.

Mit der neuen Strategie 2025 wendet sich der Konzern konsequent der Zukunft zu. Die Kernaussage lautet: Volkswagen wandelt sich vom Autobauer zum umfassenden Mobilitätsdienstleister. Mit den Herausforderungen wie Digitalisierung und Elektromobilität muss VW einen finanziellen Kraftakt stemmen, der auch ohne die Diesel-Krise anspruchsvoll genug wäre. Die Beschäftigten sollen diesen Wandel trotzdem als Chance sehen. Dafür brauchen sie verlässliche Aussagen über die Zukunft ihrer Jobs.

Die gute Nachricht: Der Fahrplan für den Zukunftspakt zwischen Unternehmen und Betriebsrat steht bereits. Und alle Aussagen von VW-Chef Müller deuten darauf hin, dass Volkswagen ein Unternehmen mit besonderer sozialer Verantwortung bleiben will. Damit ist der Konzern in der Vergangenheit gut gefahren und wird es auch in der Zukunft tun.

+++ Dieser Artikel wurde aktualisiert +++

dpa