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Volkswagen VW fährt in Zwickau elektrisch: Letzter Verbrenner gefertigt
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VW fährt in Zwickau elektrisch: Letzter Verbrenner gefertigt

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14:23 26.06.2020
Zwickau: Mitarbeiter des Werkes von Volkswagen Sachsen stehen im Finish der Linie um einen VW Golf Variant und neben dem neuen ID.3. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/
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Zwickau

Ende und Anfang zugleich: Im Zwickauer Werk des Autobauers Volkswagen ist am Freitag das letzte Fahrzeug mit Verbrennungsmotor vom Band gelaufen. Während der weiße Golf Variant nach 116 Jahren eine Ära in der Automobilstadt beendet, soll der vollelektrische ID.3 eine neue begründen. „Ab jetzt steht der Standort Zwickau ganz im Zeichen der Elektromobilität“, sagte Reinhard de Vries, Geschäftsführer Technik und Logistik bei Volkswagen Sachsen.

Zwickau gilt als Wiege des Automobilbaus

Am Montag beginnt demnach der Umbau, damit bis Ende des Jahres eine zweite Montagelinie für E-Autos steht. Die Produktion des Golf Variant wird von Zwickau nach Wolfsburg verlagert. Trotz des Blicks nach vorn sei bei den Mitarbeitern in Sachsen an diesem Tag auch eine Menge Wehmut dabei, sagte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jens Rothe. Zwickaus Tradition als Wiege des Automobilbaus nahm 1904 seinen Anfang mit August Horch.

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„Der Horch 14-17 PS war 1904 das erste Fahrzeug und damit auch der erste Verbrenner, der in Zwickau gebaut wurde“, erklärt Bernd Czekalla vom Förderverein des Zwickauer August Horch Museums.

Letzter Golf aus Zwickau – eine Bildergalerie:

Abschied vom Golf Variant: Volkswagen Sachsen stellt die Produktion im Werk Zwickau ganz auf Elektromobilität um. Der ID.3 soll bald auf einer zweiten Montagelinie gebaut werden.

Gemessen an der Stückzahl nahmen sich die Anfänge der Zwickauer Automobilproduktion bescheiden aus: Gerade einmal 21 Wagen wurden 1904 gefertigt, 31 Fahrzeuge waren es 1905. Im Vergleich dazu baut VW in Zwickau derzeit 270 E-Autos pro Tag. Perspektivisch sollen es rund 330 000 im Jahr sein. Neben Volkswagen hat die Marke Audi ihre Wurzeln in Zwickau: 1909 von Automobilpionier August Horch gegründet, wurden bis 1940 rund 11 000 Autos mit den vier Ringen in Zwickau gebaut.

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Seit 1990 liefen in der westsächsischen Stadt mehr als sechs Millionen Volkswagen vom Band und damit knapp doppelt so viele wie vom DDR-Kultauto Trabant, das von 1957 bis 1991 im VEB Sachsenring produziert wurde - dem Nachfolger der zu DDR-Zeiten zwangsvereinten Werke von Horch und Audi.

Ab Mai 1990 baute VW den Polo in Zwickau

Der letzte Trabi - in knallpink und schon mit VW-Motor ausgerüstet - rollte am 30. April 1991 vom Band direkt ins Museum, während Volkswagen bereits ab 21. Mai 1990 den VW Polo in Zwickau produzierte. Das Werk, in dem der Autobauer mitten in der Wendezeit die Fertigung aufnahm, war ab Mitte der 80er eigentlich für die Erweiterung der Trabant-Produktion errichtet worden, erläutert Auto-Enthusiast Czekalla. Dazu kam es allerdings nie. Stattdessen wurden im Stadtteil Mosel ab 1993 der Golf und ab 1996 der Passat gefertigt. In Summe wurden in Zwickau seit den Anfängen bis heute 9,5 Millionen Autos gebaut.

Von dpa/der Redaktion